Chinas Zentralbank stemmt sich mit einer erneuten Zinssenkung gegen die Konjunkturabkühlung. Sie gab am Samstag eine Reduzierung des Leitzinses um 0,25 Prozentpunkte auf 4,85 Prozent bekannt. Es ist bereits die vierte seit November. Der jüngste Schritt war Anfang Mai.

Ausserdem soll die Kreditvergabe angeheizt werden, indem bestimmte Banken mehr Spielraum dafür erhalten. Geldhäuser, die an den Landwirtschaftsektor Darlehen vergeben sowie an kleine und mittelgrosse Firmen, müssen künftig weniger Kapital als Mindestreserve bereithalten. Die Minimumquote wurde um 0,5 Prozentpunkte herabgesetzt. Die Schritte sollen das Wachstum der weltweit zweitgrössten Volkswirtschaft stabilisieren helfen, wie die Notenbank auf ihrer Internetseite erklärte.

Börsen um 20 Prozent gesunken

Die Volksrepublik leidet unter einen Abschwung am Immobilienmarkt, Überkapazitäten der Industrie und den Schuldenbergen der Kommunen. Für dieses Jahr wird ein Anstieg des Bruttoinlandsprodukts von nur noch etwa sieben Prozent erwartet. Es wäre der schwächste seit einem Vierteljahrhundert und spürbar weniger als 2014, als das Plus bei 7,4 Prozent lag. An den chinesischen Aktienmärkten haben sich die trüben Konjunkturaussichten zuletzt bereits deutlich niedergeschlagen. Die Kurse brachen in den vergangenen beiden Wochen um 20 Prozent ein.

Die realen Kreditkosten in China sind hoch geblieben. Zum einen werden die Effekte der Zinssenkungen durch eine nachlassende Inflation aufgezehrt. Zum anderen zögern die Banken damit, die niedrigeren Zinsen an ihre Kunden weiterzugeben.

(reuters/moh)