Wegen der Turbulenzen in Europa zählen die Anleger auf die Zugkraft Asiens. Doch gerade China hat letztens an Schwung verloren. Droht dort eine harte Landung?
Christina Chung: Diese Befürchtung geht unter den Investoren tatsächlich um. Wichtige Wirtschaftsindikatoren in China haben sich zuletzt deutlich abgeschwächt. Allerdings gibt es auch gute Nachrichten. So steigen die Löhne weiter. Die Firmen müssen sich anstrengen, um Arbeitskräfte zu finden. Das deutet auf eine solide Entwicklung hin – allerdings bei moderatem Wachstum.

Doch gerade das schnelle Wachstum ist der Treiber für Anlagen in China. Müssen die Investoren umdenken?
Es findet ja auch ein Wandel statt – die chinesische Wirtschaft wird derzeit umgebaut. Die Regierung will weg von der Billigproduktion mit massivem Arbeitseinsatz und hin zu höherwertigen Gütern und Spitzentechnologie. Deshalb forcieren die Firmen ihre Forschungsabteilungen und kaufen Know-how im Westen zu. Gleichzeitig investiert der Staat stärker in Infrastruktur und sozialen Wohnungsbau. Ziel ist es, das Wachstum zu stabilisieren und die Binnenwirtschaft zu fördern.

Kurzfristig könnte die Regierung jedoch versucht sein, den Yuan abzuwerten. Drohen damit neue Währungskonflikte?
Es ist schwierig vorauszusagen, was die chinesische Regierung plant. Allerdings ist der Führung sehr wohl bewusst, dass sie Konflikte mit den führenden Wirtschaftsnationen riskiert, wenn sie stark abwertet. Mittlerweile misst sich der Yuan nicht mehr nur am Dollar, sondern auch an den anderen wichtigen Devisen. Eine leichte Abwertung halte ich allerdings für nicht ausgeschlossen.

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Umso mehr, als sich auch der Treiber Konsum abgeschwächt hat. Verschlechtert sich die Stimmung weiter?
Inzwischen hat sich der Trend wieder stabilisiert. Wir rechnen gerade wegen der steigenden Löhne und der stabileren Immobilienpreise mit einer langfristig robusten Konsumentwicklung in China. Auch der zunehmende Wohlstand und die Urbanisierung stützen diese Annahme.

Wenn Sie sich irren, leidet Ihr Portefeuille. Sie halten etwa starke Positionen bei chinesischen Bank- und Telekomwerten.
Banktitel haben ein grosses Gewicht in den Indizes. Wir haben die Werte deshalb untergewichtet. Ansonsten halten wir nach Sektoren Ausschau, die von langfristigen Trends profitieren und nicht so stark von der Politik abhängig sind. So sind etwa IT-Aktien attraktiv, wobei wir derzeit den Software-Entwicklern den Vorzug geben. Chinesische Firmen haben einen grossen Bedarf nach Systemen zur Steuerung ihrer Prozesse oder der Verwaltung ihrer Lager. Da bieten sich einige Chancen.

Welche Werte interessieren Sie sonst noch?
Etwa Titel von Firmen, die in der Umwelttechnologie tätig sind. China unternimmt heute einige Anstrengungen, um die Verschmutzung einzudämmen. Ebenfalls interessant sind die Ausrüster im Telekommunikationsbereich oder die Förderung von Erdgas.

Wie finden Anleger Zugang zu solchen Titeln?
Wir halten es für wichtig, nach Einzelaktien Ausschau zu halten und sich eingehend mit den Firmen zu beschäftigen. Das übersteigt natürlich die Möglichkeiten der meisten Anleger in der Schweiz. Deshalb sollten hiesige Investoren auf Spezialisten zurückgreifen.

Auch Spezialisten können danebenliegen. Bei Investments in China kommt es immer wieder zu Verlusten wegen Pleiten und Betrugsfällen. Wie schützen Sie sich?
Es ist nicht einfach, dem zu entgehen. Wir kaufen selten bei Börsenneulingen zu und beschränken uns auf Firmen, die schon mehrere Zyklen hinter sich haben. Es ist immer schwieriger, im Abschwung den Gewinn zu frisieren als in Boomphasen.

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