In den Brokerage-Läden wird der Platz knapp, das chinesische Finanzsystem ist trotz seiner relativ guten Infrastruktur an seine Grenzen gekommen. Durchschnittlich 100000 neue Depots wurden in diesem Jahr täglich eröffnet. Nachdem die Zahl der Broker- und Investmenfondskonten in den letzten Monaten die 100-Mio-Grenze überstiegen hatte, wurden erste Warnungen laut: «Es wird schwierig, Sicherheit und Effizienz des Marktes weiter zu erhöhen», glaubt Shan Fulin, der Vorsitzende der chinesischen Börsenaufsicht.

Der Shanghai Composite, eine wichtige Benchmark, fiel vor kurzem im Vergleich zum Vormonat um 15%, doch die meisten Investoren betrachten dies offenbar nur als  Zwischentief und nicht als Wendepunkt. Sollte sich die Stimmung verschlechtern und wollen die Investoren ihr Geld zurückhaben, könnte allerdings aus einem vorübergehenden Engpass leicht Panik entstehen. China hat enorm in den Ausbau seiner beiden Börsen investiert, der Schwachpunkt sind jedoch die rund 3000 oft weit verstreuten Brokerage-Läden. Dort wird der Grossteil des Handels abgewickelt. Und weil chinesische Investoren für ihre Trades selbst verantwortlich sind und sie nicht an Broker übertragen, müssen sie persönlich anwesend sein. Also wird es eng.

Was passieren kann, wenn zu viele gleichzeitig dasselbe wollen, zeigte sich beim Verkauf der Tickets für die Olympischen Spiele in Peking im kommenden Jahr. In der ersten Stunde gingen bereits 200000 Bestellungen ein, 43000 Tickets konnten noch verkauft werden, dann brach das Computersystem zusammen. Genauso könnten Aktienmarkt und Bankensystem rasch ausser Kontrolle geraten, wenn viele Leute gleichzeitig verkaufen wollen. Für den Aktien- oder
Fondskauf muss der Anleger in China ein eigenes Konto besitzen. Die Industrie- und Handelsbank ICBC kündigte an, sie wolle die durchschnittliche Wartezeit an den Schaltern auf 30 Minuten halbieren. Und auch sie erlebte einen Zusammenbruch ihrer Computersysteme.

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Die Börse in Schanghai hat viele Millionen investiert, um ihr eigenes Computersystem zu einem der schnellsten der Welt zu machen. In den ersten Monaten wurden auf der schnellen, hochmodernen  Plattform nach Angaben der World Federation of Exchange mehr Papiere als an jedem anderen Markt der Welt gehandelt.