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Attraktiv
Chinas Maklerhäuser setzen auf hübsche Analystinnen

Liao Lei von Founder Securities: Nicht besonders treffsicher. Youku

Chinesische Brokerfirmen lassen Aktien von attraktiven Analystinnen in Livestreams bewerben. Besonders gut sind die Tipps dabei meistens nicht. Das hat nun auch die Behörden auf den Plan gerufen.

Von Gabriel Knupfer
am 28.04.2016

«Sex sells» gilt auch an Chinas Aktienmärkten. Nach dem Crash im letzten Jahr haben sich viele Anleger von den Börsen abgewandt. Chinas grösste Maklerhäuser geben sich indes noch nicht geschlagen. Mit Onlinevideos und Livestreams von attraktiven Analystinnen versuchen sie, Kunden in den sozialen Medien zurückzugewinnen.

Einige Analystinnen sind so – trotz sehr beschränkter Treffsicherheit – über Nacht zu Internetstars geworden. Dazu gehört etwa Liao Lei von Founder Securities, die eher für ihre Kostüme bekannt ist, als für ihre Forschung und Expertise.

Kurs eingebrochen

In einem Filmchen von Anfang April hatte Liao in traditioneller chinesischer Kleidung ZTE-Aktien zum Kauf empfohlen. Die Telekomfirma sei bestens aufgestellt und die Gewinne «relativ stabil», so die Analystin mit Schmollmund und grossen Mandelaugen. Doch seit der Übertragung am 7. April ist der Kurs der Firma um 8 Prozent auf Talfahrt gegangen.

Trotz der amateurhaften Machart ihrer Videos erreicht Liao laut der Internetplattform Quartz auf Weibo 37'000 Zuschauer. Ihr Clip zu ZTE ist inzwischen aber nur noch auf Youku zu finden, wo es rund 2000 Klicks und einige böse Kommentare geholt hat. Ihr Stottern und ihre unlogische Argumentation seien kaum verständlich, schreibt ein verärgerter User.

290'000 Views

Eine andere Analystin, Li Miao von Haitong Securities, hat mit einem Video auf Meipai sogar 290'000 Views erreicht. Doch auch sie dürfte kaum wegen ihrer Expertise so erfolgreich sein. Der Hype um die selbstgemachten Börsenanalysen in sozialen Medien hat inzwischen sogar die Behörden auf den Plan gefrufen.

Die Regulatoren in Shanghai und Peking haben mehrere Brokerfirmen angeschrieben und gewarnt, dass manche Analysen «die Professionalität und Ethik» der Broker in Frage stellen würden. Das berichtet das Wirtschaftsmagazin «Caixin». Ein Verbot der Videoanalysen sei indes nicht ausgesprochen worden.

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