Chinas Aktienmärkte kühlen ab, dafür erhalten die Investoren im bevölkerungsreichsten Land der Welt mehr und mehr Möglichkeiten, Geld im Ausland, vor allem in den USA, anzulegen. Der jüngste Vorstoss in diese Richtung kommt von der US-Börsenaufsicht SEC, die dazu allerdings keinen Kommentar abgab. Sie werde eine Absichtserklärung mit der chinesischen Bankenregulierungskommission unterzeichnen, nach der chinesische Banken in Zukunft für ihre Kunden US-Investmentfonds auflegen können.

Dahinter steckt ein Trend, der bisher kaum beachtet wurde und der sich in den vergangenen 18 Monaten entwickelt hat: Chinesen dürfen einen immer grösseren Teil ihrer Ersparnisse, die insgesamt auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt werden, im Ausland anlegen. Die chinesische Regierung hat Mitte 2006 das sogenannte QDII-Programm begonnen, mithilfe dessen Einzelanleger Yuan bis zu einem Gegenwert von 50000 Dollar pro Jahr in ausländische Währungen tauschen können, was einen Ausgleich zu dem ständigen Zustrom an Kapital nach China bildet.Die HSBC Holding schätzt, dass unter diesem Programm mittlerweile Produkte im Wert von mehr als 50 Mrd Dollar bereitgestellt wurden. Das ist nicht weit entfernt von den für Anlagen im Ausland prognostizierten 66 Mrd Dollar des viel beachteten Staatsfonds China Investment. «Die Rede ist hier von einem wirklich internationalen Zugang für Einzelinvestoren in China», sagt Peter Alexander von der Beratungsfirma Z-Ben Advisors.

Rolle der Banken ist zentral

Nach Unterzeichnung des Abkommens mit der SEC werden Banken in China ihre eigenen US-Aktienfonds zusammenstellen können, anstatt Produkte für andere Firmen wie etwa Investmentfondsgesellschaften zu verkaufen. Und über Banken läuft der Grossteil des Vertriebs von Finanzprodukten in China.Was jedoch auffällt: Bis jetzt hält sich das Interesse an globalen Investitionen in sehr engen Grenzen. Alle bisher angebotenen Produkte waren nicht ausverkauft oder haben an Wert verloren. Das liegt wohl daran, dass für Chinesen der Rest der Welt momentan wegen der Sorgen um eine mögliche Rezession in den USA nicht sehr attraktiv ist. Und auch wenn der Shanghai Composite seit Oktober 2008 deutlich über 20% verloren hat, ist das Vertrauen in die heimischen Aktienmärkte noch nicht vollständig geschwunden. Überdies wird erwartet, dass der Yuan 2008 um mehr als die 7% stärker werden wird, die er im vergangenen Jahr gegenüber dem Dollar zugelegt hat. Der Ertrag von QDII-Investments müsste über 10% steigen, bevor Anleger einen Gewinn sehen, rechnen Experten vor.

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