Kyle Bass ist ein Hedgefondsmanager, der während der Subprime-Krise erfolgreich gegen Hypotheken gewettet hat. Jetzt warnt er, im chinesischen Bankensystem könnte es zu Verlusten kommen, die mehr als viermal höher sind als das, was die US-Banken während der letzten Krise verloren.

Sollte das chinesische Bankensystem aufgrund fauler Kredite zehn Prozent seiner Aktiva einbüssen, würde das rund 3,5 Billionen Dollar an Eigenkapital aufzehren. Das erklärte Bass, Gründer von Hayman Capital Management in Dallas, in einem Schreiben an Investoren. Der Brief liegt der Nachrichtenagentur Bloomberg vor.

Spekulativer Investor

Die zweitgrösste Volkswirtschaft der Welt müsste letzten Endes Yuan im Gegenwert von mehr als 10 Billionen Dollar für die Rekapitalisierung ihrer Banken drucken. Das würde zu einem Abwertungsdruck gegenüber dem Dollar von über 30 Prozent führen, meint Bass.

Der 46-jährige Bass kam gross heraus, als er 2007 gegen Hypotheken wettete und Gewinne kassierte, während die grössten Banken der Welt mehr als 80 Milliarden Dollar an Subprime-Verlusten abschreiben mussten. Aber seither hatte er nicht immer ein glückliches Händchen bei seinen Wetten, so etwa als er 2010 auf einen Zusammenbruch des japanischen Bondmarkts spekulierte.

Grösste Neujustierung

«Was wir erleben, ist die Neujustierung des grössten volkswirtschaftlichen Ungleichgewichts, das die Welt je gesehen hat», schrieb Bass. «Kredit hat in China sein kurzfristiges Limit erreicht, und das chinesische Bankensystem wird einen Verlustzyklus durchlaufen, der tiefgehende Auswirkungen auf den Rest der Welt haben wird.»

Bass zufolge hat sein Hedgefonds die meisten der riskanteren Anlagen seit Mitte vergangenen Jahres verkauft, um sich für 18 Monate für verschiedene Ereignisse zu positionieren, die entlang des Wegs der Neujustierung der chinesischen Kredite und der Währung wahrscheinlich eintreten werden. Auf Anfrage von Bloomberg erklärte er per E-Mail, dass rund 85 Prozent seines Portfolios in Wetten mit Bezug auf China investiert seien.

«Beispiellose» Probleme

«Die Probleme, vor denen China steht, sind beispiellos», schrieb Bass in seinem Brief. Sie seien so gross, dass es allen Einsatz der chinesischen Regierung erfordern werde, die Ungleichgewichte zu korrigieren. «Risikoanlagen sind nicht das, was man haben sollte, wenn all dies passiert.»

Chinas Wirtschaftswachstum, das in den drei Jahrzehnten bis Ende 2010 bei durchschnittlich zehn Prozent lag, schwächt sich seit fünf Jahren ab und lag 2015 bei 6,9 Prozent. Die Volkswirtschaft befindet sich weiterhin im Übergangsprozess, in dem sich das Wachstum von Industrie und Investitionen hin zu Dienstleistungen und Konsum verlagert. Aber die neuen Treiber sind noch nicht stark genug, um die nachlassenden älteren wettzumachen.

Erste Kreditprobleme im Schattenbankenmarkt

Bass schätzt, dass die chinesische Volkswirtschaft im vergangenen Jahr tatsächlich deutlich weniger gewachsen ist als berichtet, nämlich nur um rund 3,6 Prozent. Zudem ist er der Ansicht, dass von den Devisenreserven im Volumen von 3,2 Billionen Dollar rund 2,2 Billionen liquide sind.

Das Bankensystem, dessen Aktiva sich Bass zufolge in den letzten zehn Jahren auf mehr als 34,5 Billionen Dollar verzehnfacht haben, sei belastet mit riskanten Produkten, die von Finanzfirmen dazu verwendet werden, Regulierungen zu umgehen. Das Schattenbankensystem Chinas sei in den letzten drei Jahren um fast 600 Prozent gewachsen, schreibt Bass unter Verweis auf Daten der UBS. Und hier «zeigen sich die ersten Kreditprobleme.»

«Tickende Zeitbomben»

Produkte zur Vermögensanlage, die von den chinesischen Banken verwendet wurden, um ausserbilanzielle Kredite zu vergeben und um Käufer mit vermeintlichen Garantien und Renditen über dem Einlagenzins anzulocken, werden Bass zufolge in die Bilanzen zurückgeholt, da sie notleidend werden. Zudem gebe es «tickende Zeitbomben» wie Trust-Beneficiary-Rechte, weil die Banken diese verwenden, um Kreditverluste zu verstecken.

«Wir halten das chinesische Bankensystem und dessen kommende Verluste für das Epizentrum des Problems», schrieb Bass. «So lange China nicht eine deutliche Abwertung durchläuft, wird es nicht in der Lage sein, mit dem Berg an Krediten fertig zu werden.» Die Kredite hätten zwar «zum Aufstieg des Landes beigetragen, könnten ihm aber kurzfristig auch schwer schaden.»

(bloomberg/ise/hon)

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