Chinas Markt für Börsengänge soll abkühlen. Daher werden, wie aus gut unterrichteten Quellen verlautet, Finanzinstitute keine Lizenzen mehr erhalten, um Unternehmen an die Börse zu bringen. Wie es heisst, seien in den vergangenen vier Monaten von der Securities Association of China keine Lizenzen vergeben worden, die es neuen Investmentfonds, Konzernen und anderen Vermögensverwaltern ermöglichen würden, an einem Verfahren teilzunehmen, das gern als «Offlineanmeldung» für Börsengänge bezeichnet wird.

Eindämmung von Liquidität

In China ist die Offlineabgabe von Geboten ein wesentlicher Teil des IPO-Prozesses und nur qualifizierten institutionellen Investoren vorbehalten, die sich einkaufen dürfen und durch ihre Gebote den Emissionspreis mitbestimmen. Institutionelle Investoren ohne Lizenz werden faktisch genauso behandelt wie Privatinvestoren, das heisst, sie haben keinen Einfluss auf die Preisgestaltung und können sich nur via Onlinegebot an den IPOs beteiligen. «Die Einschränkungen bei den Lizenzen sollen verhindern, dass zu viel Liquidität in den Markt fliesst», berichtet der Informant gegenüber dem «Wall Street Journal».

Chinesische Regulatoren versuchen - nicht nur durch diesen Schritt -, die Spekulationen rund um Börsengänge zu reduzieren. In China emittierte Aktien schiessen normalerweise am Anfang ungeheuer nach oben, doch gleich danach werden Gewinne gemacht. Privatinvestoren bemängeln, das System sei unfair, institutionelle Investoren würden bevorzugt, also oft auch Staatsunternehmen und das chinesische Pensionssystem.

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«Theoretisch sollte es rationaler werden und die Preise sollen realistischer werden, wenn es weniger Investoren gibt», sagt Li Nian, Analyst bei Shenyin Wanguo Securities. Das Timing der Sperre, kurz vor Ende der neunmonatigen Aussetzung von IPO, lässt vermuten, es handle sich um eine Ergänzung der im Juni von der Börsenaufsicht CSRC erlassenen IPO-Regeln, die auf marktorientierte Mechanismen und eine reduzierte Regulation ausgerichtet sind.

Wirkung dürfte begrenzt sein

Doch die Nachfrage nach IPO wird durch Fernhaltung neuer Fonds von der Offlineanmeldung vermutlich nicht sinken. In Anbetracht der reichlich vorhandenen Liquidität im chinesischen Aktienmarkt werden die Auswirkungen begrenzt und eher psychologischer Natur sein, mutmasst Wang Junqing, Analyst bei Guosen Securities. Wie der Website der Securities Association of China zu entnehmen ist, verfügen derzeit 32 der 87 Qualified Foreign Institutional Investors über Offlinelizenzen

Vor zehn Tagen war für Metallurgical Corp. der erste Handelstag an der Shanghai Stock Exchange, und der Preis stieg um 28% auf den Schlusskurs von 6,94 Yuan. Dies war ein geringerer Gewinn als bei den Listings davor - darunter China State Construction Engineering und Sichuan Expressway, die am ersten Handelstag jeweils um über 90% stiegen. «Metallurgicals weniger rasantes Debüt zeigt, dass nicht mehr so enorm viel Liquidität im Markt ist. Die Preiserwartungen für kommende Listings müssen also heruntergeschraubt werden», sagt Cai Junyi von Shanghai Securities.

Unabhängig davon soll in Kürze Chinas Nasdaq-Pendant, der Growth Enterprise Market, starten. Zehn Unternehmen befinden sich bereits auf Roadshow. Sie könnten laut den Statements der Shenzhen Stock Exchange zusammen 2,8 Mrd Yuan aus ihren IPO erlösen.

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