Ein US-Investor will den fusionierten Spezialchemiekonzern HuntsmanClariant verhindern. Als Reaktion auf den Angriff aus den USA stellten sich mehrere Hauptaktionäre von Clariant hinter den Zusammenschluss der Basler mit der US-Huntsman.

Clariant-Konzernchef Hariolf Kottmann hielt eine feindliches Übernahmeangebot vor zwei Wochen noch für unwahrscheinlich. «Den Kollegen aus der chemischen Industrie möchte ich sehen, der in einer feindlichen Übernahme unseren Anteilseignern 13 Milliarden Schweizer Franken bietet», sagte Kottmann dem «Manager Magazin».

Grosse Namen hinter White Tale

Mit der Offensive der White Tale Holding vom Dienstag steht zwar noch kein Konkurrenz-Angebot. Aber die Spekulationen zu einem lukrativeren Übernahmedeal sind im Gang. Die White Tale Holding hält nach eigenen Angaben 7,2 Prozent an Clariant. Hinter White Tale steht das US-Familienunternehmen Standard Industries sowie der als aktivistisch geltende Hedgefonds Corvex von Keith Meister, der früher für den US-Milliardär und Grossinvestor Carl Icahn arbeitete.

Der Baumaterial-Hersteller Standard Industries wurde in Europa bekannt durch einen Rechtsstreit um die Übernahme des Dachpfannen-Herstellers Braas Monier. Standard Industries ist seit 2016 via seinem Investmentarm «40 North» Clariant-Aktionär.

Hauptaktionäre bleiben hart

White Tale forderte die übrigen Clariant-Aktionäre in einer Mitteilung auf, die Fusion abzulehnen. Die geplante Transaktion bewerte Clariant zu tief und sei strategisch falsch. Der Verwaltungsrat des Basler Unternehmens solle stattdessen Alternativen prüfen. Der Zukauf von weiteren Clariant-Aktien sei nicht ausgeschlossen.

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Die Hauptaktionäre von Clariant, darunter die grösste Aktionärsgruppe der ehemaligen Süd-Chemie mit 13,96 Prozent, stellten sich hinter Clariant. Clariant-Sprecher Jochen Dubiel betonte: «Hinter den Deal stehen nicht nur ehemalige Süd-Chemie-Aktionäre, sondern auch weitere.»

Diese Aktionäre haben die Fusion bereits bei Bekanntgabe im Mai unterstützt. Zu den grösseren Aktionären zählen etwa Blackrock, der norwegische Staatsfonds Norges Bank und die holländische APG Asset Management. Blackrock ist auch Aktionär des US-Konzerns Huntsman, unter deren Shareholdern die Gründerfamilie Huntsman dominiert.

Stark an der Börse

Clariant befinde sich im Austausch mit allen Aktionären, sagte der Sprecher weiter. Und: «Wir sehen diesen Merger als die beste Möglichkeit, Wert zu generieren - auch für unsere Shareholder.» Im negativen Handel des SMI Mid Index vom Dienstag legte Clariant mit über 3 Prozent bis vor Börsenschluss am deutlichsten zu.

Clariant und Huntsman hatten im Mai eine Fusion über einen Aktientausch angekündigt. Die Clariant-Aktionäre sollen 52 Prozent an der neuen Gesellschaft halten und die Huntsman-Eigner den Rest. Entstehen soll ein weltweit führender Spezialchemiekonzern, der einen Börsenwert von rund 14 Milliarden Dollar hätte.

1300 Angestellte in der Schweiz

Clariant beschäftigt in der Schweiz rund 750 Angestellte, Huntsman 550. Ein Stellenabbau in der Schweiz sei nicht geplant, sagte Clariant-Chef Kottmann im Mai. Für die Schweiz wäre dies der zweite Mega-Deal in der Chemiebranche nach der Übernahme des Pflanzenschutzspezialisten Syngenta durch den Staatskonzern ChemChina für 43 Milliarden Dollar.

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Dass sich Aktivisten in der Chemiebranche engagieren, ist nicht neu. So drängten Fonds etwa die US-Konzerne Dow und Du Pont zu einem Zusammenschluss.

(sda/gku)