1. Home
  2. Invest
  3. CO2-Gehalt im Depot senken

CO2-Gehalt im Depot senken

Imported Image

Die Konferenz in Kopenhagen hat Signalwirkung für Anleger. Denn der Klimawandel bietet Chancen - und umfasst mehr als den Sektor erneuerbare Energien.

Von Natalie Gratwohl
am 25.11.2009

Auch für Investoren hat ein Erfolg oder ein Misserfolg des Weltklimagipfels in Kopenhagen weitreichende Konsequenzen. Werden politisch glaubwürdige Vereinbarungen getroffen, ist der Weg in eine Welt mit tiefen CO2-Emissionen geebnet. Gelingt es dagegen der Staatengemeinschaft nicht, die Klimaerwärmung global zu begrenzen, wird das instabile Klima das künftige Wachstum dämpfen. Besonders die Sektoren Landwirtschaft, Versicherungen und Welthandel wären negativ betroffen.

«Der Markt hat sehr tiefe Erwartungen an die Klimakonferenz in Kopenhagen», sagt indessen Simon Webber, Fondsmanager des Global & EAFE Equities bei Schroders. Doch auch wenn niemand mehr an einen völkerrechtlich bindenden Vertrag glaube, finde ein politisches Umdenken statt. Angesichts der tiefen Erwartungen im Vorfeld des Klimagipfels rechnet Eckhard Plinke, Head of Sustainability Research der Bank Sarasin, mit einer positiven Überraschung: «Es könnte eine politische Übereinkunft geben, dass die Details in einem Jahr in Mexiko rechtlich verbindlich festgelegt werden.»

Staaten wollen gut dastehen

Nur allein schon wegen des Versuchs, eine neue weltweite Einigung in der Klimapolitik zu erzielen, ist die Zahl neuer nationaler Ziele, Stimulationspläne und Anreize deutlich gestiegen. Denn kein Staat will schlecht dastehen. So werden schon die Pläne der nationalen Regierungen in den nächsten Jahren für ein starkes Wachstum bei erneuerbaren Energien, Elektrofahrzeugen oder energiesparenden Produkten sorgen.

Weltweit die grössten Umweltschutzausgaben tätigen die grössten Umweltverschmutzer China und USA. China hat ein Programm im Umfang von 218 Mrd Dollar angekündigt, die USA eines von 118 Mrd Dollar. Auf verbindliche Reduktionsziele haben sich die beiden Schlüsselländer für die globale Klimapolitik bisher aber noch nicht festgelegt. Ganz im Gegensatz zur Schweiz und der Europäischen Union (EU), die den CO2-Ausstoss bis 2020 um 20% reduzieren wollen.

Laut Christoph Butz, Nachhaltigkeitsexperte bei Pictet, sind auch ohne ein neues Klimaabkommen die Weichen für die Schweizer Unternehmen gestellt. Es gibt verschiedene Kategorien von Firmen, die davon profitieren. In erster Linie zählen Unternehmen dazu, die direkt im Bereich erneuerbare Energien tätig sind. In der Schweiz sind dies etwa Meyer Burger, 3S oder Gurit.

Eine weitere Kategorie sind die nachhaltigen Transporte; dazu gehören Elektroautos oder Eisenbahnen. Ferner sind Unternehmen interessant, die wenig fossile Brennstoffe einsetzen, oder Firmen, die energieeffiziente Produkte herstellen wie etwa die ABB mit ihren effizienten Stromnetzen.

Auch Holcim profitiert

Zur letzten Gruppe zählt Holcim. «Der Zementhersteller gehört zwar zu den grossen CO2-Emittenten, profitiert aber auch davon, dass wegen des Klimawandels mehr Dämme und andere schützende Infrastruktur benötigt werden», sagt Butz.

Zu den Verlierern könnten dagegen jene Firmen gehören, die selbst viel emittieren oder indirekt von einer stärkeren Regulierung im Klimabereich betroffen sind, ihren Investoren darüber aber keine Rechenschaft ablegen. Gemäss den Resultaten der Carbon-Disclosure-Project-Umfrage gehören dazu Petroplus, PSP, Swiss Prime Site oder Zürich Flughafen.

 

 


Neue Handelsplattform für Emissionsrechte

Unmittelbar im Anschluss an den Klimagipfel in Kopenhagen will Bundesrat Moritz Leuenberger mit der EU verhandeln. Ziel ist, dass sich die Schweiz an das europäische Emissionshandelssystem anschliessen kann. Konkret geht es darum, dass Schweizer Emissionsrechte in europäische getauscht werden können und umgekehrt. Der Grossteil des Welthandels wird über dieses Handelssystem abgewickelt.

In der Schweiz gibt es im Handel mit CO2-Zertifikaten derzeit rund 900 Teilnehmer. Darunter sind etwa 350 Firmen, die sich von der Lenkungsabgabe befreit haben, indem sie ihren Ausstoss von Treibhausgas mit CO2-Zertifikaten abgelten. Verursacht eine Firma mehr CO2 als erlaubt, muss sie weitere Emissionsrechte am Markt erwerben. Verkäufer sind jene Firmen, die ihr Kontingent nicht ausgeschöpft haben. Schätzungen zufolge werden von den über 3 Mio Zertifikaten nur etwa 10% gehandelt.

Bisher liefen die Transaktionen hinter den Kulissen ab. Seit einer Woche können die Zertifikate nun auch ausserbörslich an der OTC-X der Berner Kantonalbank gehandelt werden. «Wir haben Anfragen erhalten, aber bislang wurde noch kein Preis gestellt und es ist auch noch keine Transaktion zustande gekommen», erklärt Stephan Bichsel, Leiter Handel und Verkauf Wertschriften bei der BEKB. Mehr Volumen erwartet er im nächsten Frühjahr, kurz nachdem für die einzelnen Unternehmen neue Reduktionsziele vereinbart werden. Mit einem grossen Handelsvolumen ist allerdings nicht zu rechnen. Es wird ein Nischenmarkt bleiben.

Der Handel steht grundsätzlich auch Brokern und Privatanlegern offen. Bichsel rät allerdings Privatanlegern momentan noch davon ab, direkt in Emissionsrechte zu investieren. Die Kursschwankungen seien sehr hoch und die Analyse des Marktes schwierig. Deshalb sollte dies den Profis überlassen werden. So wird etwa an der Derivatebörse Scoach bereits ein Zertifikat auf Emissionsrechte gehandelt. (ng)

Anzeige