Ein Multimilliarden-Experiment zur Eindämmung der globalen Erwärmung ist ins Stocken geraten und wird hinsichtlich seiner klimatechnischen Effektivität hinterfragt. Es geht um das sogenannte Clean Development Mechanism Program (CDM) unter Federführung der UN, das aus dem Kyoto-Protokoll von 1997 entstanden ist.

Die Klimakommission der UN fungiert als Kontrollinstanz bei den Bemühungen der wohlhabenden Nationen, die in der Heimat verursachten Umweltbelastungen dadurch wettzumachen, dass man in Entwicklungsländern umweltfreundliche Projekte unterstützt.

Höhere Kosten befürchtet

Das CDM gilt als einer der wichtigsten Versuche, gemeinsam etwas gegen die globale Erderwärmung zu unternehmen. In den vergangenen Monaten hat die Kommission jedoch Einspruch gegen Dutzende dieser Projekte in den Entwicklungsländern – von elektrolytischen Anlagen bis hin zu Windparks – erhoben und die Frage aufgeworfen, ob diese wirklich wirkungsvoll seien.

Es wird überdies befürchtet, dass einige unabhängige Prüfer dieser Projekte, die deren Umweltfreundlichkeit bestätigen müssen, die Durchführung von Vorhaben zweifelhaften umwelttechnischen Werts genehmigt haben.

Ins Wanken gerät gleichzeitig eine feste Säule der weltweiten Kampagne gegen den Klimawandel: Dürfen Umweltverschmutzer jemand anderen dafür bezahlen, dass er die von ihnen verursachten Schäden wettmacht? Falls dieser Ansatz geändert wird, kämen auf Verursacher von Umweltbelastungen und Verbraucher bedeutend höhere Kosten zu.

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Weltweit sind Unternehmen angehalten, umweltfreundlicher zu agieren. Vor diesem Hintergrund bietet ihnen das UN-Programm eine kostengünstige Alternative. Sie zahlen quasi für ihr Recht auf Umweltverschmutzung, indem sie Kohlendioxid-Zertifikate kaufen – pro Zertifikat ist die Emission von 1 t CO2 erlaubt –, statt ihre eigenen Emissionen zu reduzieren. Der Erlös dieser Gutscheine soll in China und anderen Schwellenländern zur Errichtung von umweltfreundlichen Unternehmen eingesetzt werden, deren Bau sehr teuer ist.

Mit den Aufgaben gewachsen

In den Jahren 2004 und 2005 begann das Board des CDM ganz klein, mit wenig Personal und genehmigte noch nahezu alle Projekte. Mit der Zahl der eingereichten Projekte stieg die Zahl der Mitarbeiter rasch, und seit Ende 2007 gelten auch weit höhere Standards. 9% der Vorschläge wurden seither abgelehnt, weitere 21 zu einer genaueren Überprüfung und Überarbeitung zurückgeschickt.