Die Märkte haben die herausgegebene griechische Anleihe wegen der europäischen Zahlungsgarantien für Athen freundlicher aufgenommen als ihre Vorläufer. Doch es wird weiter Wetten gegen Griechenland und den Euro geben. Politiker scheinen die Schuldigen zu kennen: Spekulanten und Hedge-Fonds hätten Griechenland und den Euro in die Krise gestürzt, glaubt etwa der griechische Premier Papandreou.

Doch das greift zu kurz. Es war nicht die Wall Street, die durch Spekulationen gegen die Zukunft Athens und des Euro schnelles Geld verdienen wollte. Vielmehr versuchten sich institutionelle Anleger und Unternehmen gegen Verluste in Europa und seiner hellenischen Wiege abzusichern.

Wetten gegen die Staaten

Denn die pessimistischen Zukunftserwartungen an den Märkten, die sich in explodierenden Zinsen für griechische Staatsanleihen und steigenden Preisen für Kreditausfallversicherungen (CDS) niederschlagen, haben eine realwirtschaftliche Basis: Einen gigantischen griechischen Schuldenberg, der von Athen lange kosmetisch versteckt wurde und der nun Risikopositionen in zahlreichen Portfolios offenbarte. Ähnliches passierte 2008, als krisengeschüttelte US-Finanzunternehmen im Fokus der Derivatehändler standen. Doch nun laufen die Wetten gegen Staaten und Währungsräume.

Allerdings brachte die Finanzkrise das Thema Kredite verstärkt ins Bewusstsein der Anleger und strapazierte zugleich die Haushalte der Staaten, die etwa Nothilfe in Form von Kreditgarantien leisten mussten. Als sich der Staub der Finanzkrise im Frühjahr 2009 legte, wurde die Etatkrise und mit ihr ein neues Handlungsmuster der Anleger sichtbar: Sie verlangten höhere Zinsen für Schuldenstaaten. Banken, die griechische Bonds in ihren Portfolios hatten, versuchten Risiken zu minimieren. Selbst die griechische Postbank, die zum Teil dem Staat gehört, kaufte CDS, um ihre griechischen Anleihen abzusichern.

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Im Oktober wurde klar, dass Athen mit 12,5% Haushaltsdefizit weitaus tiefer in der Krise steckt als angenommen. In Wochenfrist wurden Griechenland und griechische Banken von den Ratingagenturen herabgestuft. Als einen Monat später Dubai in Zahlungsschwierigkeiten geriet, begannen die Wetten gegen Griechenland und den Euro.

Die grossen Spieler in diesem Geschäft waren nicht Hedge-Fonds, sondern Assetmanager grosser institutioneller Anleger, die Pensionsgelder verwalten. Einer von ihnen ist Christopher Iggo, Rentenspezialist des französischen Versicherers AXA. Er listete Staaten nach der Ausfallwahrscheinlichkeit ihrer Anleihen und kürzte den Anteil griechischer Bonds in seinem Portfolio. Auch Payden & Rygels, die in Los Angeles ein Assetvolumen von 50 Mrd Dollar für individuelle und institutionelle Anleger verwalten, zogen sich aus griechischen Anleihen zurück.

Als die Schuldenprobleme in Süd- europa auf den Euro ausstrahlten, kaufte der Währungsexperte von Payden & Rygels Derivate, die einen Wertverfall des Euro gegenüber dem Dollar absichern. Auch einige Zentralbanken mieden nun die europäische Gemeinschaftswährung. Laut Barclays schichteten die Zentralbanken einiger Schwellenländer, die 30% ihrer Reserven in Euro hielten, im 2. Quartal kein weiteres Geld in Euro um.

Konzerne sichern sich ab

Konzerne wie Coca-Cola hatten ebenfalls gute Gründe für Wetten gegen den Euro. 2009 schwankte der Euro zwischen 1.26 und 1.51 Dollar. Coca-Cola generiert jährlich in Europa Umsätze in Höhe von umgerechnet 3 Mrd Dollar. Als der Euro Ende 2009 zu fallen begann, setzte Coca-Cola Put-Optionen ein, die es dem Konzern ermöglichten, Euro zu einem späteren Zeitpunkt zu einem festgelegten Preis in Dollar zu wechseln. So sicherte sich der Konzern gegen durch Währungsschwankungen verursachte Umsatzschrumpfungen ab. Im kalifornischen Westlake Village ging der Lebensmittelkonzern Dole Food ähnlich vor und sicherte 50% seines Cashflow aus Europa gegen Währungsverluste ab.

An den Finanzmärkten wird die Höhe der Short-Positionen, also Wetten gegen Währungen, genau verfolgt. Deshalb können Absicherungsstrategien die Unruhe an den Märkten schüren. Als Ende Januar eine griechische 8-Mrd-Dollar-Anleihe sofort um 3,5% an Wert verlor, stiegen die Preise für griechische CDS sprunghaft. Im Oktober hatte es noch 124 000 Dollar gekostet, den Ausfall von 10 Mio Dollar griechischer Anleihen zu versichern, im Februar musste man dafür schon 425 000 Dollar zahlen.

Davon profitierten Hedge-Fonds. Balestra Capital aus New York sah die Zahlungsprobleme in Südeuropa ebenso voraus wie vor einigen Jahren die Subprime-Krise. Deshalb kaufte Balestra-Chef James Melcher mit seinen Partnern sehr früh für Hunderte Millionen Dollar Kreditausfallversicherungen für Anleihen europäischer Staaten, darunter Griechenland. Die CDS seien «so billig gewesen, dass es egal war, ob wir danebenliegen», so Melcher.

Anfang des Jahres traten Melchers Prognosen über die Bonität Griechenlands ein, und er brachte die nun deutlich in ihrem Wert gestiegenen CDS wieder zurück auf den Markt. Abnehmer fand Melcher vor allem bei Banken wie Goldman Sachs, Barclays, der spanischen Banco Santander oder der französischen Crédit Agricole, die alle griechischen Risikopositionen in ihren Portfolios absichern mussten.