V ielen Anlegern ist der technologielastige Aktienindex aus der Zeit der Jahrtausendwende als Tummelplatz für Unternehmen mit luftigen Versprechen und absurden Bewertungen in Erinnerung. Doch das ist Vergangenheit. Die «Techies» sind erwachsen geworden. «Die meisten Nasdaq-Werte verfügen über Nettoliquidität und haben daher keine Refinanzierungsschwierigkeiten. Einige Unternehmen wie Apple oder Research in Motion haben es zudem geschafft, sich durch ihre Produkte von der negativen Konjunkturentwicklung abzukoppeln», sagt Tech-Experte Gunther Kramert von der Fondsgesellschaft Union Investment.

Index ohne Finanzballast

Viele Technologieunternehmen haben aus Fehlern der Vergangenheit gelernt. Die Chiphersteller etwa haben die Produktion zu Beginn der Krise schnell reduziert. Deshalb sind die Lagerbestände niedrig und keine dramatischen Abschreibungen notwendig. Diese neue Qualität konnte zwar nicht verhindern, dass auch die Kurse an der Nasdaq mit der Wirtschaftskrise in die Knie gingen. Die Verluste aber waren niedriger als die der breiter aufgestellten Indizes. Schliesslich gibt es im Nasdaq keine Finanzwerte, die mit ihren Krediten auf Schrottimmobilien sich selbst und das gesamte System kontaminiert haben.

Noch nicht zu teuer

Auch in der aktuellen Aufwärtsbewegung, in der Finanztitel die grössten Kursgewinne verbuchen, entwickelt sich die Nasdaq besser als die Standardwerteindizes. Wichtig für Aktionäre: Die Bewertungsniveaus sind noch immer nicht überzogen. Das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) des Index der grössten 100 Titel, des Nasdaq 100, liegt bei etwa 18. Der Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre, also ohne die Exzesse der Jahrtausendwende, hingegen bei höheren 27.

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Anleger, die in Technologietitel investieren, sollten sich allerdings bewusst machen, dass das Risikoprofil innerhalb dieses Sektors sehr unterschiedlich ist. Fondsmanager Kramert: «Softwarefirmen dürften langfristig das attraktivste Geschäftsmodell unter den Technologiewerten haben, weil sie stetige Erträge erzielen und nicht so kapitalintensiv sind wie etwa Chiphersteller.» Die Halbleiterbranche gilt ohnehin als stark konjunkturabhängig. Entsprechend leben diese Aktien stark von der Hoffnung. So war der Umsatz des Chipherstellers Marvell Technologies, der Prozessoren etwa an die Smartphone-Hersteller Research in Motion und Apple verkauft, im 4. Quartal um knapp 40% gesunken.

Doch der Vorstandschef von Marvell Technologies, Sehat Sutardja, sieht inzwischen ermutigende Signale: «Die Kunden füllen ihre Lagerbestände wieder auf. Mein Gefühl sagt mir, dass die Bestände weltweit auf einem sehr niedrigen Niveau sind.» Die Aktie hat seit Jahresbeginn rund 70% an Wert gewonnen.

 

 


Durchzogener Ausblick bei den grossen Computerherstellern

Vergangene Woche legte der weltgrösste Computerkonzern Hewlett-Packard (HP) seine Quartalszahlen vor: Der Umsatz sank um 3% auf 27,4 Mrd Dollar, der Gewinn pro Aktie schrumpfte auch aufgrund von Restrukturierungskosten auf 70 Cent, 10 Cent weniger als im Vorjahres-Vergleichsquartal. Um Einmalausgaben bereinigt, liegt der Gewinn pro Aktie bei 86 Cent. Der Analystenkonsens hatte einen Umsatz von 27,5 Mrd Dollar und einen Gewinn pro Aktie von 85 Cent prognostiziert.

HP-CEO wenig optimistisch

Die HP-Aktie fiel umgehend um 4%. Grund waren weniger die abgelieferten Daten als vielmehr der zurückhaltende Ausblick. «Ich bin nicht bereit, die Lage als verbessert zu bezeichnen», sagte HP-CEO Mark Hurd am Analystenkonferenzgespräch. Damit setzte er etwas andere Akzente als die Chefs von Intel oder Cisco, die in den letzten Wochen von einem verbesserten Umfeld gesprochen hatten. Hurd sieht immerhin eine bedeutende Verbesserung der Nachfrage in China und eine bescheidenen Verbesserung bei US-Konsumenten. In Europa hat sich das Bild aber weiter eingetrübt.

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Am Gewinnziel für das laufende Fiskaljahr möchte Hurd weiter festhalten, Fragezeichen gibt es bezüglich des Umsatzes. Hier geht er von einem Rückgang um 4 bis 5% aus. Zuvor lag die Spanne zwischen 2 und 5%. HP galt bisher als Fels in der Brandung und musste zum ersten Mal seit 2005 einen Umsatz- und Gewinnrückgang melden.

Negativ ist auch der schwache Geschäftsgang bei Servern und PC sowie die gedrückte Marge bei PC. HP hat über Kosteneinsparungen einen Hebel, Gewinnprognosen zu halten, auch wenn der Umsatz zurückgeht. «Wir bleiben bei unserer Kaufempfehlung», sagt Citigroup-Analyst Richard Gardner, «obwohl ein kurzfristiger Katalyst für höhere Aktienkurse fehlt, bleibt das Unternehmen langfristig attraktiv bewertet und positioniert.»

Diese Woche präsentiert auch Dell seine Quartalszahlen. Dell macht 80% seines Umsatzes mit Firmenkunden, die jetzt teilweise abrupt auf die Kostenbremse getreten sind. Dies setzt Dell deutlich stärker unter Druck als HP, wo dieser Umsatzanteil nur halb so hoch liegt. «Dell dürfte aber genauso vom schwachen Firmen-PC-Geschäft betroffen sein wie HP», sagt Goldman-Sachs-Analyst David Bailey. «Das bestärkt uns in unserer Verkaufsempfehlung für Dell.» Bailey stützt sich dabei auch auf Marktumfragen, die nur für HP und Apple Marktanteilgewinne ausweisen. Verloren haben Gateway, Lenovo und Dell. Und auch bei Standardservern hat HP den Konkurrenten Sun Microsystems und Dell Marktanteile abgenommen.

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«Halten»-Rating für Dell

Lediglich bei Firmenspeichersystemen stagnierte HP. Zugelegt haben hier Dell, EMC und NetApp. Verloren haben Sun Microsystems, IBM und Hitachi Data Systems. Für den zweitgrössten Computerhersteller der Welt erwarten die Analysten jetzt einen Umsatz von 12,7 Mrd Dollar und einen Reingewinn von 450 Mio Dollar. Die meisten Analysten raten zum «Halten» der Dell-Aktie. (mn)