A MD und Intel, die beiden grossen Hersteller von Prozessoren für PC, Server und Notebooks, können laut den Analysten von Wells Fargo gegenwärtig Preisaufschläge von 10% und mehr bei Server-Prozessoren gegenüber ihren Abnehmern HP, Dell und IBM durchsetzen. Damit können sie ihre Listenpreise einhalten - ohne, wie gewohnt, hohe Rabatte geben zu müssen.

«Wir bleiben vorsichtig», heisst es dagegen bei den Analysten von Morgan Stanley. Sie haben Chiphändler in Europa befragt und diese erwarten tiefere Umsätze bei Prozessoren und Speicherchips. Einerseits trüben Währungseffekte (Euro-Schwäche) das Bild, andererseits ziehen aber Kunden im Hinblick auf möglicherweise weiter steigende Preise ihre Käufe vor.

Begehrte Chips dank iPhone

Die Morgan-Stanley-Analysten sind deshalb skeptisch gegenüber Intel, Xilinx und Alterra und empfehlen AMD sowie Nvidia zum Verkauf. Keine Frage - es gibt wenige so zyklische Branchen wie die Halbleiterhersteller. Diese Branche ist einerseits sehr kapitalintensiv - eine neue Prozessorenfabrik kostet 3 Mrd Dollar, und sie ist sehr zyklisch, weil die Preise neuer Chips nach einigen Monaten rasant verfallen - auch in wirtschaftlich guten Zeiten. Die Prozessorenhersteller sind auch gute Konjunktur-Frühwarnindikatoren, denn sie haben einen guten Einblick in die Bestellungsbücher der Computerhersteller. Zudem erfolgt gegenwärtig ein bedeutender Technologiewandel. ARM beispielsweise stellt die Chips für die iPhones und iPads her und profitiert damit (auch) von der enormen Erfolgswelle von Apple. Die Schwankungen machen den Halbleitersektor auch zum idealen Tradingmarkt. Auf Intel etwa sind zwei Dutzend Hebelprodukte ausstehend. Calls wie INTVB, INTCB oder INTVX sahen in den letzten Tagen starke Umsätze. Hinzu kommen sieben Reverse Convertibles, bei denen jeweils entweder der Einsatz zurückbezahlt oder die Aktien geliefert werden, je nach Kurs der Aktie bei Verfall.

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Währungsrisiken meiden

Ohnehin werden Coupons ausbezahlt. Das bedeutet für Anleger, dass sie bei diesen Produkten besser fahren als mit einer Direktanlage - ausser der Aktienkurs schiesst durch die Decke. Auf AMD sind 19 Hebelprodukte und ein Reverse Convertible erhältlich. Hier fiel nur der Call AMDFC mit einigen Handänderungen auf. Deutlich weniger Risiken als diese Anlagen weisen die beiden Index-Tracker SEMIC und SEMIQ auf den Halbleiterindex der Börse von Philadelphia auf. SEMIQ ist zudem ein Quanto-Produkt, bei dem die Währungsrisiken - Halbleiterwerte sind meistens in Dollar denominiert - wegfallen.

Speicherchips gefragt

Im Halbleitergeschäft gibt es jedoch mehr als nur Intel und AMD. Jeder Prozessor ist von weiteren Chips umgeben, und hier spielen die Speicherchips eine wichtige Rolle. Sie werden aufgrund des geringeren Energieverbrauchs zunehmend auch in mobilen Netbooks gebraucht. Und auch Smartphones kommen ohne diese Speicherchips nicht aus. Allerdings ist dieses Segment noch zyklischer als die Prozessorenhersteller.

Infineon, Samsung Electric und Hynix sind hier die grössten Anbieter, aber nur Samsung ist unbeschadet durch den letzten Zyklus gekommen. Vom Netbook- und Smartphone-Boom profitiert auch Infineon. Der deutsche Call DB8HF7 konnte in den letzten Tagen den grössten Umsatz verzeichnen. Auch auf Samsung gibt es in Deutschland einige Knock-out- und Bonus-Zertifikate. Infineon ist indes ein gutes Beispiel dafür, dass die Aktie bereits sehr volatil ist und deshalb allein schon Optionscharakter hat.