Er gilt als Querdenker und Paradiesvogel innerhalb der Investorenszene. Um den 62-jährigen Doktor der Wirtschaftswissenschaften mit dem unverkennbaren Rossschwanz als Markenzeichen ranken sich Legenden, seit er vor 35 Jahre nach Asien gezogen ist, um von dort an den Weltmärkten zu investieren.

Keine Legende ist, dass Marc Faber wenige Tage vor dem «Black Monday» 1987 zum Ausstieg aus der US-Börse geraten hat oder den Zusammenbruch des japanischen Aktienmarktes im Jahr 1990 prognostizierte. Auch das Platzen der Technologieblase zum Jahrtausendwechsel sah er kommen.

Seine Crash-Vorhersagen haben ihm Übernamen wie «Dr. Doom» oder «Untergangs-Prophet» eingebracht. In seinen Prognosen, die er mit farbigen Bildern ausschmückt, nimmt Faber kein Blatt vor den Mund und bezeichnet Bankiers schon mal als Voll-idioten, «deren Intelligenz die Anleger nicht überschätzen und den Schwachsinn, den sie erzählen, unterschätzen sollen». Trotzdem wird seinen Voraussagen, auch von der Wall Street, hohe Beachtung geschenkt.

Bessere Kaufchancen abwarten

Getreu seinem Ruf als Crash-Guru warnt Marc Faber bereits seit mehr als einem Jahr vor einem Absturz der Finanzmärkte und befürchtet gar einen Kollaps des Systems. Es erstaunt wenig, dass er bis Ende 2008 noch keine Entspannung der Situation erwartet. «Ich bin der Ansicht, dass Aktien sich in den nächsten Jahren nicht besonders gut halten werden, und dass sich nächstes Jahr oder gar im 2010 bessere Kaufgelegenheiten bieten werden», so Faber.

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Dies bedeutet aber keineswegs, dass ab 2009 mit einem Aufschwung in dieser Anlageklasse zu rechnen ist. Schliesslich neigt Faber zu einem «Contrarian»-Investment-Stil. Hinter dieser Strategie steht die Idee, dass eine Kurswende bevorsteht, wenn alle Marktteilnehmer dasselbe tun: Kaufen alle zu steigenden Kursen, werden dem Markt irgendwann die Käufer ausgehen. Verkaufen alle zu fallenden Kursen, gibt es irgendwann keine Abgabebereitschaft mehr.

Mao-Memorabilia als Investment

«Ich versuche, vernachlässigte und unbeliebte Märkte und Anlageobjekte inklusive Immobilien, Rohstoffe, Aktien, Kunst und Sammelobjekte zu kaufen und übermässig beliebte Anlagen zu verkaufen», erklärt der Vermögensverwalter und Herausgeber des Anlegerbriefs «The Gloom, Boom & Doom Report». Als seine beste je getätigte Investition bezeichnet er denn auch nicht ein Wertpapier einer Firma, sondern den Erwerb seiner Mao-Tse-tung-Memorabilia-Sammlung, die prozentual am meisten Wert zugelegt habe. Gekauft hat sie der Asien-Kenner zu Lebzeiten des Revolutionsführers für wenig Geld in der Annahme, dass diese nach dem Tod von Mao bei Sammlern sehr gesucht sein werde. Die Wette scheint aufgegangen zu sein.

Auch heute hat es dem «Orakel von Chiang Mai», wie Faber aufgrund seines mittlerweile im Norden Thailands liegenden Hauptquartiers auch genannt wird, keine Aktie besonders angetan. «Ich nehme an, dass alle Börsen und die meisten Anlageobjekte noch fallen werden», sagt Faber. Vielmehr rät er deshalb, Bargeld zu halten, obwohl auch dieses zurzeit real gemessen an Wert verliere, weil die Inflation über den Zinsen liege. «Aber lieber jedes Jahr real 3% zu verlieren als 50 bis 90% mit Bankaktien», ist der Börsenguru überzeugt.

Die grösste Herausforderung der nächsten Jahre sieht Faber ohnehin darin, die Kaufkraft seines Geldes zu schützen. Schliesslich würden die Zinsen auf Depositen weit unter der Konsumentenpreisinflation liegen. Und nicht einmal die Flucht ins Gold scheint für den Profiinvestor kurzfristig einen ruhigen Schlaf zu ermöglichen. «Meine grösste Position ist zwar physisches Gold. Wenn aber die Weltwirtschaft so zusammenbricht, wie ich es erwarte, könnte es auch zu Turbulenzen am Goldmarkt kommen», prognostiziert Faber.

Traue keinem Finanzexperten

Mittelfristig ist er aber zuversichtlich, dass sich mit dem Edelmetall noch viel Geld verdienen lässt. Er begründet seine Annahme mit der überaus expansiven Geldpolitik der Notenbanken. «Wenn mit der Zeit alle Notenbanken Geld drucken werden, dürfte der Goldpreis noch wesentlich zunehmen», ist Faber überzeugt. Als negatives Beispiel führt er dabei die amerikanische Fed an, deren Vorsteher er aufgrund seiner Strategie gar als «hirnverbrannt» bezeichnet.

Hart ins Gericht geht der seit 1990 im Vermögensverwaltungsgeschäft tätige Faber aber auch mit der eigenen Zunft: Analysten und Fondsmanager wirft er Eigeninteresse vor, wenn diese positiv über ihre Branche und über ihre Anlagen schreiben. Ähnlich skeptisch gibt er sich gegenüber Firmen- managern und nennt diese «geborene Lügner», die immer positiv über ihr Geschäft Auskunft geben werden. Folglich empfiehlt er den Anlegern, «weder dem Management einer Gesellschaft zu glauben noch den Analysten und Fondsmanagern zu trauen».