Die Devisenanalysten der Credit Suisse raten dazu, die Finger vom Handel von Euro gegen Dollar zu lassen. Angesichts der Turbulenzen um Griechenland und der Unsicherheit im Hinblick auf den Zeitpunkt der Leitzinsanhebung durch die US-Notenbank Fed, sei die mit einem täglichen Handelsvolumen von 5,3 Billionen Dollar beliebteste Transaktion im Markt zu riskant, heisst es bei der zweitgrössten Bank der Schweiz. Stattdessen empfiehlt die Bank, gegen den kanadischen Dollar zu wetten, denn der Ölpreisrutsch belastet.

Die Annahme der Strategen, dass das Devisenpaar Euro-Dollar von einem klaren Auseinanderlaufen der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank und der Fed getrieben werde, ist in Frage gestellt, nachdem es in Europa Zeichen einer wirtschaftlichen Erholung gebe. Gleichzeitig hätten durchwachsene US-Daten dafür gesorgt, dass die Erwartung einer Zinsanhebung in den USA weiter in die Zukunft geschoben werde. Selbst als sich die Krise in Griechenland zuspitzte – was am Sonntag darin mündete, dass die Griechen das Sparprogramm in einer Volksabstimmung zurückwiesen –, hat sich der Euro erstaunlich widerstandsfähig gezeigt und im Juni zum Dollar aufgewertet.

«Zu viele gegensätzliche Strömungen»

«Es gibt offen gesagt zu viele gegensätzliche Strömungen, zu viele Faktoren», sagt Shahab Jalinoos, weltweiter Leiter Devisenstrategie bei der Credit Suisse in New York.

«Es gibt das Zusammenwirken eines unsicheren geldpolitischen Ausgangs in den USA, einer Verbesserung bei den Konjunkturindikatoren im Euroraum, die von einigen als lediglich vorübergehend angesehen wird, und es gibt politische Risiken in Griechenland.»

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Anhaltende Volatilität

Viele Prognostiker haben den Weg eingeschlagen, die Turbulenzen einfach auszusitzen. Die Median-Prognose in der Bloomberg-Umfrage zum Eurokurs am Jahresende blieb seit Ende Mai unverändert bei 1,05 Dollar je Euro.

«Das Ergebnis ermutigt uns, unsere aktuelle Prognose von 1,05 Dollar auf Sicht von drei Monaten unverändert zu lassen», sagte Jalinoss, dessen Arbeitgeber insgesamt bei den Devisenprognosen für die vier Quartale bis Ende Juni den ersten Rang belegte, nach Rang zwei in der vorhergehenden Umfrage. «Wir rechnen mit hartnäckig anhaltender Volatilität», merkte Jalinoos an.

Sinkender Euro

Mit Blick bis Ende Dezember ist Credit Suisse für den Euro jedoch pessimistischer als die meisten anderen und erwartet einen Rückgang auf 1,03 Dollar je Euro.

Der exakteste Prognostiker bei Euro-Dollar, DNB ASA, teilte in der Vorwoche mit, erst einmal die weitere Entwicklung und die Folgen im Nachgang des Referendums in Griechenland abzuwarten, ehe die Schätzungen überarbeitet werden. «Wir sind im Modus des Abwartens», sagte Camilla Viland, Devisenstrategin bei DNB in Oslo. «Wir erwarten, dass dies eher kurzfristig ist und wir hoffentlich in der Lage sind, die Situation in Griechenland hinter uns zu lassen und uns mehr auf die Fundamentaldaten zu konzentrieren.»

(bloomberg/ise/hon)