Vorbei sind die Zeiten, in denen die Investoren alle Banktitel in einen Gifttopf geworfen haben. Besonders seit dem Börsentiefstand am 9. März 2009 versuchen die Anleger, die relativen Gewinner und Verlierer unter den Banken zu identifizieren. So haben die Aktien der Credit Suisse in diesem Jahr bereits knapp 70% zugelegt, die Titel der UBS nur etwas mehr als 2%.

Mögliche Ratingrückstufung

Nach dem Verlust von 2 Mrd Fr. im 1. Quartal wird die UBS höchstwahrscheinlich auch in diesem 2. Quartal einen Verlust einfahren. Nicht nur die Restrukturierungskosten von 650 Mio Fr. fallen ins Gewicht. Hinzu kommen Verluste aus der Aufwertung eigener Schulden in der Höhe von 1,5 Mrd Fr., schätzt Teresa Nielsen, Analystin der Bank Vontobel. Auch die Nettoneugeldabflüsse im Vermögensverwaltungsgeschäft konnten bisher noch nicht gestoppt werden.

Die Grossbank legt das Quartalsresultat am 4. August 2009 vor. Ab dem 3. Quartal könnte die UBS aber langsam wieder in die Gewinnzone zurückkehren, heisst es aus dem Innern der Bank.

Skeptischer scheint derzeit die Ratingagentur Moodys, die angesichts «grosser Herausforderungen in der Vermögensverwaltung und im Investmentbanking» das Rating der UBS auf eine mögliche Senkung überprüft. Eine Rückstufung des Ratings würde nicht nur zu weiteren Reputationsproblemen, sondern auch zu höheren Refinanzierungskosten führen.

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Im Vergleich zu Konkurrenten wie der Credit Suisse hat die UBS mit spezifischen Problemen zu kämpfen. Der Steuerfall in den USA schwebt wie ein Damoklesschwert über der Bank und dem Aktienkurs. In diesen Wochen kommt der Fall in die heisse Phase. Die 2. Verhandlungsrunde über das neue Doppelbesteuerungsabkommen mit den USA hat begonnen und wird unter hohem Zeitdruck vorangetrieben. «Die Politik muss vor dem 13. Juli eine Lösung finden», sagt Nielsen. Für diesen Tag sind die Gerichtsverhandlungen in Miami angesetzt.

Höherer Gewinn bei der CS?

Neben der Zivilklage auf Herausgabe von 52 000 Kundendaten ist auch die Staatsbeteiligung für die UBS-Aktien eine Belastung. Der Bund kann seine Pflichtwandelanleihe in UBS-Aktien wandeln, was er möglicherweise noch im 2. Quartal tun wird.

«Wenn eine gute Lösung im Steuerfall gefunden wird und sich der Staat von seiner Beteiligung getrennt hat, haben die UBS-Aktien in den nächsten Monaten viel Spielraum nach oben», erwartet Nielsen. Das kurzfristige Potenzial für die Aktien der Credit Suisse sei dagegen nach dem jüngsten Kursfeuerwerk geringer. Nachdem die Grossbank bereits im 1. Quartal einen Gewinn von rund 2 Mrd Fr. erzielt hat, werde es schwierig, die hohen Erwartungen der Investoren zu übertreffen.

Nielsen erwartet, dass der Gewinn in diesem Quartal nicht mehr so hoch ausfällt wie im 1. Quartal. Dagegen rechnen die Analysten von Morgan Stanley, dass die Credit Suisse am 23. Juli 2009 einen noch höheren Gewinn als im Quartal zuvor ausweisen wird. Denn die Grossbank kann in verschiedenen Geschäftsfeldern von der Schwäche anderer Banken profitieren.

Im Gegensatz zu den amerikanischen Instituten, die im 2. Quartal stark von den drohenden Kreditausfällen betroffen sein werden, haben UBS und Credit Suisse einen Grossteil der Kredite in der Schweiz vergeben.