Die aussergewöhnliche Outperformance des US-Marktes könnte sich dem Ende entgegen neigen. Im zweiten Quartal profitierten die USA von fiskalpolitischen Massnahmen auf breiter Front. Dieser Effekt dürfte im Laufe der Zeit nachlassen. Das Wachstum in Europa stabilisiert sich unterdessen – zwar auf niedrigerem, aber nachhaltigerem Niveau als zum Ende des vergangenen Jahres. Die Erholung in Japan, die moderater ausfiel als erwartet, dauert weiterhin an. In China sehen wir eine starke politische Stützung angesichts schwächerer Konjunkturdaten und anderer Risiken, die sich aus den Handelsspannungen ergeben. Das könnte eine Zeit lang für positive Überraschungen sorgen. Die Fundamentaldaten der meisten anderen Schwellenländer sind solide und dürften vom Wachstum in den USA profitieren. Die Schwäche der Schwellenländeranlagen ist eher auf länderspezifische Herausforderungen zurückzuführen als auf eine allgemeine Schwellenländerkrise. Insgesamt lässt sich eine Konvergenz des globalen Wachstums auf einem gesundem Niveau sehen, nach einer Zeit die von aussergewöhnlich positiven Zahlen in den USA geprägt war.

Eine anhaltende Konsolidierung der langfristigen US-Zinsen

Im Frühjahr konnte davon ausgegangen werden, dass das Zinsrisiko nach einer Konsolidierungsphase der langfristigen Zinsen im weiteren Jahresverlauf wieder zunehmen würde. Derzeit deutet allerdings vieles darauf hin, dass diese Konsolidierung noch ungefähr bis zum Jahreswechsel andauert. Für 2018 sind Zinserhöhungen durch die US-Notenbank von circa 45 Basispunkten eingepreist. Das heisst, dass der Markt wohl nicht überrascht sein wird, wenn es noch zu einer weiteren Zinserhöhungen durch die Fed kommt. Die Inflation entwickelte sich unterdessen auf niedrigem bis mittlerem Niveau, wobei der Anstieg gegenüber dem Vorjahr vor allem auf Basiseffekte zurückzuführen war. Die Fed möchte sich aufgrund der allmählichen Inflationsentwicklung und der voraussichtlichen Abschwächung des US-Wachstums ihre Optionen offen halten. Sie wird frühestens kurz vor der Dezembersitzung ein anziehendes Tempo bei den Zinserhöhungen für 2019 signalisieren. Mehrere Anzeichen sind erkennbar, dass sich die Inflation festigt. Es dürfte aber noch eine Weile dauern, bevor sie stark genug ist, um die Geldpolitik in noch grösserem Umfang zu beeinflussen.

Eine schwierige Investmentlandschaft

Die Kapitalmärkte dürften auch in naher Zukunft herausfordernd bleiben, weswegen sich nach wie vor ein dynamischer Anlageansatz empfiehlt. Handel und Geopolitik werden zusätzlich für Volatilität sorgen. Da sich das US-Wachstum verlangsamt, könnte es zu einem vorübergehenden Abverkauf bei US-Aktien kommen. Sorgen bereitet auch die Haushaltssituation in Italien und die Wachstumsaussichten für das Land. Trotz dieser Herausforderungen ist zu erwarten, dass Industrieländeraktien dank anhaltender konjunktureller Expansion und solidem Gewinnwachstum bis zum Jahresende gut dastehen werden.

Gute Chancen für ein Comeback der Schwellenländer

Es wird unterschätzt, wie einflussreich die jüngste wirtschaftliche Outperformance der USA verbunden mit dem schwächeren Wachstum vieler anderer Volkswirtschaften in den vergangenen Monaten war. Dies gilt für die Entwicklung der Vermögenswerte allgemein sowie für die Underperformance der Schwellenländer im Besonderen. Der Übergang zu einer Wachstumskonvergenz, bedingt durch das sich abschwächende US-Wachstum und die Stabilisierung anderer Volkswirtschaften, ist signifikant. Schwellenländeranlagen könnten am stärksten davon profitieren werden - nicht zuletzt, weil die Befürchtungen hinsichtlich Handelsspannungen und einer Ansteckungsgefahr für Schwellenländer allgemein überzogen sind. Generell kann davon ausgegangen werden, dass die Rallye des US-Dollars nachlassen wird.

Investmentimplikationen

Aktien bleiben weiterhin eine bevorzugte Anlageklasse. Der anhaltende Konjunkturaufschwung und ein solides Gewinnwachstum dürften die Renditen stützen.

Aus strategischer Sicht können Staatsanleihen weiterhin pessimistisch gesehen werden. Die Märkte werden das Ausmass der Zinserhöhungen durch die US-Notenbank in den kommenden zwölf Monaten nicht vollständig einpreisen. Allgemeiner betrachtet unterschätzen die Märkte auch, in welchem Masse die niedrigen Anleiherenditen zyklisch bedingt sind und weniger auf langfristigeren Faktoren beruhen. Es dürfte allerdings noch eine Weile dauern, bis sich dies in den Daten widerspiegelt und die Märkte ihre Einschätzung entsprechend anpassen. Auf taktischer Ebene ist zu erwarten, dass sich die Renditen zehnjähriger US-Anleihen zum Jahresende hin in einer engen Spanne bewegen werden.

Da die Fundamentaldaten der Unternehmen und das Makroumfeld ein positives Umfeld schaffen, ist es noch zu früh, um sich für eine deutliche Ausweitung der Spreads bei Unternehmensanleihen zu positionieren. Wir nähern uns zwar dem Punkt im Konjunkturzyklus, an dem in der Vergangenheit eine Trendwende in diesem Bereich einsetzte. Es ist aber unwahrscheinlich, dass es im Jahr 2018 noch so weit kommt.

* Andrew Wilson, CEO für EMEA und Leiter des Global Fixed Income und Liquidity Management Teams bei Goldman Sachs Asset Management

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