Die Untergangspropheten haben ein leichtes Spiel. Spätestens seit dem fatalen Ende der ältesten Schweizer Privatbank Wegelin Anfang Jahr weiss man, wie verwundbar die hiesige Finanzbranche ist. Es vergeht kaum eine Woche, ohne dass nicht neue Analysen und Projektionen den weiteren Niedergang vorwegnehmen. Selbst Bankchefs prophezeien ihrer Zunft eine düstere Zukunft, wie unlängst Zeno Staub. In den nächsten fünf Jahren würden 100 Banken verschwinden, sagte der Chef des Zürcher Traditionshauses Vontobel im Interview mit der «Handelszeitung».

Vor diesem Hintergrund fragt sich manch besorgter Beobachter: Sind es 10'000, 20'000 oder gar 100'000 Stellen, die im Schweizer Banking in nächster Zeit verschwinden? Werden 50, 100 oder 1000 Milliarden Franken an Kundengeldern abfliessen? Haben die Grossbanken bereits Dimensionen erlangt, die sie unkontrollierbar machen? Die Meinungen sind gemacht – vielleicht allzu überhastet, wie die zwölf Thesen der Serie auf «Handelszeitung Online» zeigen.

3. These: Die neue ­Vermögensverwaltung ­erfordert Arbeitskräfte

Tiefere Erträge, erodierende Gewinne und ins uferlose abdriftende Kosten – kein Wunder, dass die neue Realität im Bankbusiness einen massiven Stellenabbau in Aussicht stellt. Gut möglich ist aber auch, dass es mittelfristig gar nicht so heftig kommt.

Zwar hat sich das Geschäft zweifels­ohne abgekühlt. Doch es ist auch viel komplexer geworden, seit Aufsichtsbehörden und Politiker mit ständig neuen und schärferen Auflagen und Bestimmungen die Finanzwelt zähmen wollen. Darum werden künftig mehr Spezialisten vonnöten sein – in steuerlichen Belangen, bei Erbschaftsfragen, im Treuhand-Business, bei Nachfolgeregelungen und im grenzüberschreitenden Bankgeschäft. Es wird Produktentwickler brauchen, die den veränderten Anforderungen Rechnung tragen, und jede Menge Juristen, die im Gesetzesdschungel die Übersicht wahren.

Fazit: Die Vermögensverwaltung im 21. Jahrhundert erfordert Know-how, das ein Einzelner gar nicht mehr erbringen kann. Darum dürfte der viel zitierte Radikalabbau im Swiss Banking nicht so dramatisch ausfallen, oder wie es Credit-Suisse-Chef Brady Dougan unlängst formulierte: «Weil wir davon ausgehen, dass manche Aktivitäten in der Zukunft wieder anziehen werden, beschäftigen wir in manchen Abteilungen mehr Leute als nötig.»

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4. These: Das «Premier-League-Syndrom» hält die Löhne oben

Es ist unbestritten, dass in der Vergangenheit viele Bankangestellte überbezahlt waren. Allein schon aus Rentabilitätsüberlegungen geht der Trend nun eher in Richtung Bescheidenheit und Verzicht. Doch ob dadurch die Löhne auf breiter Front sinken, ist fraglich.

Der Grund dafür ist das «Premier-League-Syndrom», wie der Finanzanalyst James Chappell von der Bank Berenberg erklärt. Wie im Fussball wollen die besten Investmentbanken an der Spitze mit­mischen. Das ist eminent wichtig für ihr Image, weil sie nur so die lukrativsten Deals an Land ziehen können. Doch wie die besten Kicker haben auch die besten Investmentbanker ihren Preis. «Wenn ein Unternehmen mehr zahlt, müssen die anderen nachziehen», sagt Chappell. Das führt zu einer neuen Gehaltsspirale. «Und in der Tendenz neigen sowohl die Fussballklubs als auch die Banken dazu, ihre neuen Spieler zu überzahlen.

Fazit: Die ganze Lohndiskussion ist noch lange nicht vorbei. Sie wird auch künftig höchst kontrovers geführt werden.

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Morgen auf «Handelszeitung Online»: Die Thesen zu Bankmarken und zum Investment Banking.