Die im Investment Banking tätigen amerikanischen Banken werden in den nächsten Tagen ihre Quartalsergebnisse vorlegen und damit auch bereits den Trend für die europäischen und Schweizer Grossbanken vorgeben. Doch schon jetzt ist klar: Die Zeiten der gloriosen Handelsgeschäfte sind vorerst vorbei. Die meisten Bankspezialisten haben ihre Gewinnschätzungen bereits massiv gesenkt.

So haben etwa die Analysten von Goldman Sachs ihre Gewinnerwartungen pro Aktie für Morgan Stanley auf 54 Cent von bisher 71 Cent reduziert, für die Bank of America auf 23 von 28 Cent oder für JP Morgan auf 74 Cent von 83 Cent. JP Morgan wird am Donnerstag den Zahlenreigen eröffnen. Der Hauptgrund für die schwächeren Gewinne im 2. Quartal ist die unsichere Lage an den Kapitalmärkten. Der Euro stürzte ab, und die Kapitalmärkte taumelten, was das Handelsgeschäft für die Banken so schwierig machte wie seit der Finanzkrise nicht mehr. Zudem hat die Schuldenkrise in Europa viele Investoren verunsichert.

Dies schlägt sich sofort in den Geschäften der Investmentbanken nieder: Weniger Börsengänge, weniger Kapitalerhöhungen oder weniger Neuemissionen an den Bondmärkten.

Gewinnprognosen gesenkt

Rund um den Globus sind die Erträge eingebrochen, verglichen mit dem 1. Quartal um durchschnittlich 40%. Laut den Analysten von Morgan Stanley dürften auch bei UBS und Credit Suisse die Erträge im Investment Banking im Vergleich zum Vorquartal um etwa 40% tiefer liegen - ohne Berücksichtigung der britischen Bonussteuer.

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Auch die Analysten der Bank Vontobel haben kürzlich ihre Gewinnschätzungen für UBS und Credit Suisse für das Jahr 2010 reduziert, wegen der schwächeren Märkte und der Bankenabgabe in Grossbritannien. Für die Credit Suisse wurde die Schätzung für den Gewinn pro Aktie um 9% auf 5,27 Fr. reduziert und das Kursziel auf 63 Fr. von bisher 64 Fr. gesenkt. Im Falle der UBS wurden die Schätzungen für den Gewinn pro Aktie um 2% auf 1.88 Fr. gesenkt, das Kursziel auf 21 Fr. von bisher 22 Fr. zurückgenommen. Die Gewinne dürften sich aber nicht nur im Investment Banking abschwächen.

Zurückhaltende Reiche

Die Turbulenzen an den Märkten haben auch die reichen Kunden verunsichert, die somit weniger Geschäfte getätigt haben. Vontobel-Analystin Teresa Nielsen rechnet jedoch damit, dass sich bei der UBS die Nettoneugeldabflüsse im 2. Quartal weiter verringert haben werden.

Unter dem Strich senkte sie ihre Schätzung für den Vorsteuergewinn im Bereich Wealth Management auf 595 Mio Fr. Bei der Credit Suisse wird der Vorsteuergewinn im Wealth Management jedoch unverändert belassen.Die meisten Bankaktien haben im 2. Quartal bereits deutlich an Wert eingebüsst. Die Aktien der UBS haben rund 18% verloren, die Titel der Credit Suisse stürzten um rund 26%. In den Kursen sei nicht nur die negative Marktentwicklung enthalten, sondern auch sehr viel Unsicherheit der Marktteilnehmer, heisst es bei den Analysten von Morgan Stanley.

Dies ist auch der Grund, warum viele Bankspezialisten zwar im Vorfeld der 2.-Halbjahres-Berichtssaison ihre Gewinnschätzungen für die Banken reduzierten, an ihren Einstufungen für die Aktien aber schliesslich doch nichts geändert haben.

Schärfere Kapitalvorschriften

Hinzu kommt, dass viele Experten erwarten, dass sich die Lage an den Finanzmärkten im 3. Quartal wieder normalisiert haben wird. So haben etwa die Goldman-Sachs-Analysten das «Buy»-Rating für JP Morgan und Citigroup bestätigt - in der Annahme, dass das Investorenvertrauen im 2. Halbjahr wieder zurückkehrt. Diese Hoffnungen könnten jedoch auch wieder platzen. Besorgte Investoren versuchen derzeit abzuschätzen, wie sich die geplanten Finanzmarktreformen und die strengeren Eigenmittelvorschriften künftig auf die Gewinne der Bankinstitute auswirken werden.

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Befürchtungen über sehr enge Bankenkorsetts könnten auch die Kurse der Bankaktien wieder unter Druck bringen. Gemäss den Analysten der Bank Vontobel sind UBS und Credit Suisse jedoch im Hinblick auf die weltweit anstehenden regulatorischen Änderungen besser aufgestellt als die meisten internationalen Unternehmen.