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Börseninterview
«Das Ende des Bullenmarktes ist noch nicht in Sicht»

NEW YORK, NY - OCTOBER 10:  Traders work on the floor of the New York Stock Exchange (NYSE) on October 10, 2018 in New York City. Stocks fell sharply on Wednesday following a decline in tech shares and concerns over rising rates. The Dow Jone Industrial average closed down over 800 points.  (Photo by Spencer Platt/Getty Images)
Die Sorgen um die schlingernden Börsenkurse steht den Händlern ins Gesicht geschrieben. Quelle: 2018 Getty Images

Anastassios Frangulidis von Pictet sagt, dass es in den USA nicht zu einer Rezession kommt. Der SMI sei nicht so gefährdet wie andere Märkte.

Von David Torcasso
am 11.10.2018

Warum stürzen die internationalen Märkte zurzeit ab?
Anastassios Frangulidis*: Der Hauptgrund der Korrekturen liegt in den Aussagen des Fed-Chefs von letzter Woche. Der Markt erwartet neu mehr Leitzinserhöhungen für das nächste Jahr. Als Folge davon sind die langfristigen Renditen gestiegen, was zu einer Bewertungskorrektur bei den Aktien geführt hat.

Dann hat Trump mit der Aussage also Recht, dass Fed schade der amerikanischen Wirtschaft?
Höhere Realzinsen haben einen negativen Einfluss auf die Wirtschaftsentwicklung. Aber der amerikanische Binnenmarkt ist zurzeit stark genug, um mit steigenden Zinsen umzugehen.

Geht der Negativstrudel in den nächsten Tagen weiter?
Die Korrekturen können weiter fort bestehen, aber es nicht das Ende des Bullenmarktes. Wenn die Realzinsen aber ein wesentlich höheres Niveau erreicht haben, kann das drehen. Beim heutigen Zins- und Aktivitätsniveau ist in den nächsten sechs bis zwölf Monaten nicht mit einer Rezession in den USA zu rechnen.

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Wie entwickelt sich die amerikanische Börse?
Es ist schwer zu sagen, wie lange die Korrektur noch dauern wird. Es kann noch ein paar Tage dauern, aber für ein definitives Ende der Hausse müssten die Realzinsen noch weiter steigen. Wir befinden uns aber im letzten Teil des bereits lang anhaltenden Bullenmarktes. Das Fed wird wohl die Zinsen bis Ende nächsten Jahres auf mehr als 3 Prozent anheben, dann wird die Geldpolitik restriktiv wirken. Momentan liegen sie noch bei 2,25 Prozent. Die nächste Zinserhöhung wird für Dezember dieses Jahres erwartet.

Anastassios Frangulidis, Head of Multi Asset Zürich
*Anastassios Frangulidis ist seit Oktober 2016 Chefstratege und Leiter Multi Asset bei Pictet Asset Management in Zürich. Bevor er zu Pictet kam, leitete er als Chefökonom und Chefstratege das Multi Asset Research bei der Zürcher Kantonalbank. Frangulidis trat der Bank im Jahr 1999 bei und wurde 2002 zum «Chief Economist International» ernannt. Er begann seine Karriere 1997 bei der UBS im Bereich Portfolio Management.
Quelle: ZVG

Welche Faktoren können die jetzigen Kursstürze dämpfen?
Die Unternehmen werden weltweit bald über das dritte Quartal berichten. Das wird einen positiven Einfluss auf die Kursentwicklungen haben, weil dort keine negativen Überraschungen zu erwarten sind.

Wie entwickelt sich die Schweizer Börse in den nächsten Tagen?
Unser Markt ist von defensiven Werten geprägt, vor allem durch die Pharmaindustrie und den nicht-zyklischen Konsumgütern wie bei Nestlé. Diese Titel sind stabiler als die zyklischen Werte.

Swatch und Richemont haben aber dennoch verloren. Weshalb?
Die derzeitige Handels- und Zollpolitik wirkt für beide Titel sich nicht positiv aus. Diese zyklischen Werte haben sich lange Zeit sehr gut entwickelt. In den letzten Monaten korrigieren sie, wie auch andere Titel aus der Luxusgüterindustrie.