Die Bankenwelt ist nicht mehr die, die sie vor der Krise einmal war. Dies gilt ganz besonders im Asset Management, dem Geschäft mit Profianlegern und Fonds. «Bereits Ende Jahr werden wir erste kleinere Finanzinstitute sehen, die bloss eine schwarze Null schreiben», sagt Cataldo Castagna, Experte bei Ernst & Young. Die Branche stehe nämlich seit der Finanzkrise auch operativ unter Druck. «Während sich die verwalteten Vermögen wieder erholen, bleibt die Profitabilität klar unter dem Niveau von 2007 zurück», erläutert Pierre-Ignace Bernard von McKinsey.

Hinter dem Krebsgang steht die Nachfrageverlagerung hin zu tiefmargigen Produkten, also weg von Dach-Hedgefonds hin zu Anleihens- und Geldmarktfonds. Hinzu kommen höhere Vertriebsentschädigungen sowie ein genereller Gebührendruck durch kostengünstige ETF und andere Indexprodukte.

Es wird um Kunden gekämpft

«Bei Schweizer Pensionskassen ist schätzungsweise bereits die Hälfte der extern vergebenen Mandate indexorientiert gemanagt. Dort herrscht ein extremer Verdrängungswettbewerb - zum Teil mit regelrechten Dumpingangeboten», weiss Finanzexperte Graziano Lusenti von Lusenti Partners. Verlierer seien nicht nur kleinere Anbieter von Indexprodukten, sondern auch Asset Manager mit indexnah anlegenden Fonds, die sich zu wenig von reinen Indexprodukten abgrenzen. Und nun machen dem Asset Management gleich mehrere grosse Regulierungsvorhaben zu schaffen. Horrende Kosten zur Umsetzung des amerikanischen Steuerregimes Fatca (Foreign Account Tax Compliance Act, siehe Artikel unten) könnten zum Beispiel kleinere Banken veranlassen, aus dem US-Fondsgeschäft auszusteigen oder ihre Produkte mit jenen von Drittanbietern zusammenzulegen, schätzt das Beratungsunternehmen Ernst & Young. Auch mit Blick auf die in Europa anstehenden Regelwerke UCITS IV und AIFM (siehe Kasten) erklärt Ernst & Young-Mann Castagna: «In den nächsten zwei, drei Jahren erleben wir diverse Fusionen und Outsourcing-Modelle.»

Swisscanto und GAM wollen zukaufen

Ein weiteres Problem ist, dass viele Anbieter schon jetzt unter der kritischen Grösse operieren. Damit etwa ein Hedgefonds rentabel arbeiten könne, seien 200 bis 300 Millionen Franken nötig, schätzt Castagna. Eine «Fondsboutique», die sich mit einigen wenigen Fonds auf ein bestimmtes Anlagethema fokussiert, sollte mindestens 2 bis 3 Milliarden Franken verwalten, ein «Vollsortimenter» gar mindestens 50 Milliarden Franken.

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Diese Grössenordnung erreichen in der Schweiz neben den Grossbanken UBS und Credit Suisse etwa auch GAM, Pictet und Swisscanto. Die drei gelten unter Experten als potenzielle Konsolidierungsgewinner. Larissa Alghisi, Mediensprecherin der GAM Holding, bestätigt: «Wir sind interessiert an Akquisitionen.»

Die Gruppe besitzt eine prallvolle Kriegskasse mit 800 Millionen Franken Cash per Mitte Jahr sowie eine flexible Holdingstruktur für die Integration neuer Fondsgesellschaften. Offen für Übernahmen ist auch Swisscanto-Chef Gérard Fischer: «Wir prüfen systematisch Möglichkeiten im In- und Ausland, in erster Linie in Deutschland.» Ein Druck für Akquisitionen bestehe zwar nicht, aber Swisscanto wolle Gelegenheiten nutzen. Solche ergeben sich für Fischer nicht nur aus der Regulierung und den damit steigenden Kosten. «Der Druck auf integrierte Geschäftsmodelle, die Kundenberatung, Investment Banking und Asset Management unter einem Dach offerieren, nimmt international zu, sind doch die Kunden heute mehr auf die inhärenten Interessenkonflikte solcher Anbieter sensibilisiert.»

Banken sollen verkaufen

Die italienische Finanzmarktaufsicht Consob empfiehlt daher den ihr unterstellten Banken sogar explizit, die Abspaltung des Asset Management. Der Verzicht auf das Geschäft mag auch aus finanziellen Überlegungen geschehen. So meint Heinz Rothacher, Schweizer Länderchef des amerikanischen Fondsriesen Black-Rock: «Ein eigenes Asset Management kostet Geld, eine offene Plattform mit Drittprodukten bringt Geld - dank Vertriebsentschädigungen durch Dritte. Mehr und mehr Banken erkennen das. Derzeit stehen diverse Asset Manager zum Verkauf.»

Allerdings besteht das Problem, dass das bankeigene Asset Management nach der Trennung vom Mutterhaus über keine eigenen, eingespielten Distributionskanäle mehr verfügt. Genau das suchen aber ausländische Mitbewerber bei Schweizer Übernahmezielen. Und so haben sich Schweizer Banken bisher nicht im grossen Stil von diesem Bereich getrennt. Der Teilverkauf des CS-Fondsgeschäfts Ende 2008 an Aberdeen und wenige Monate später die Abspaltung der Fondstochter GAM von Julius Bär blieben Einzelfälle. Dies obwohl das Asset Management hierzulande nicht denselben prominenten Stellenwert hat wie im angelsächsischen Raum», wie Matthäus Den Otter, Geschäftsführer des Schweizer Fondsverbands SFA, betont.

BlackRock will an die Spitze

Auch BlackRock will in der Schweiz zukaufen, wie Rothacher erklärt: «Wir wollen zum führenden lokalen Asset Manager werden.» Beobachter glauben, dass andere Amerikaner wie BNY Mellon Trust, Citigroup oder JP Morgan ihre Schweizer Präsenz ebenfalls verstärken könnten.

Wenn sich Schweizer Finanzinstitute auf das Private Banking konzentrieren, scheint das strategisch und finanziell bestechend. Allerdings gehe das nicht ohne den Aufbau eines eigenen und teuren Fondsresearchs, erklärt Castagna: «Wenn sein Autohaus die eigene Werkstatt veräussert und sich nur noch auf den Fahrzeugverkauf konzentriert, braucht es trotzdem profunde Kenntnisse über Autos.»