Die Verantwortlichen der grössten Schweizer Fondsanbieter sind für die-ses Jahr sehr opti-mistisch. «Wir erwarten 2010 ein klares Wachstum der Fondsindustrie», so Markus Signer, Country Manager Switzerland bei Pictet Funds. Auch gegenüber anderen Anlageformen sollen Marktanteilsgewinne erzielt werden. Denn: «Während der Krise hat sich die Anlageform Fonds als widerstandsfähig und stabil erwiesen», so Raoul-Philip Bachmann, bei der Credit Suisse (CS) zuständig für den Fondsvertrieb in Europa. Zwar habe die Performance auch bei Fonds gelitten, doch habe sich das Fondsgeschäft insgesamt als sehr robust gezeigt.

Anleger scheuen das Risiko

Der erwartete Rückfluss der Gelder wird etappenweise erfolgen. «Viele Investoren wissen noch nicht, was sie kaufen sollen, möchten aber rasch an die Märkte zurückkehren», so Swisscanto-CEO Gérard Fischer. Die Anleger würden vor allem Verlässlichkeit suchen und daher bei ihrer Rückkehr an die Märkte zunächst Fonds favorisieren, die ihre Qualitäten über mehrere Jahre bewiesen haben.

«Es wird eine erste, zögerliche Verschiebung von Geldmarktanlagen und Kontoeinlagen in einfache, transparente und klar verständliche Anlageprodukte geben», so Martin Thommen, Präsident des Branchenverbandes SFA und Managing Director Global Asset Management bei der UBS. Schritt für Schritt werden die Investoren über Obligationenfonds und später wieder in Aktienfonds vermehrt Geld anlegen. Bei den Aktienfonds werden es die traditionellen Aktienmärkte sein, die zuerst profitieren. Dabei könnten etwa europäische oder amerikanische Aktien am höchsten im Kurs stehen, also Märkte, die den Kunden bereits bekannt sind.

Anzeige

Bis die Anleger bereit sind, wirklich Risiken einzugehen, wird es noch eine Weile dauern. Daher werden es Produkte, die zu stark im Hochrisikobereich angesiedelt sind, oder Fondskategorien, bei denen der Anleger nicht unmittelbar versteht, wie das Produkt gemanagt wird, schwer haben. Pictet-Mann Signer rechnet damit, dass im Verlauf des Jahres durchaus einige neue Nischenprodukte und Spezialitäten auftauchen könnten.

Ab 2010 und 2011 wird zudem die Inflationserwartung ein immer bedeutenderes Thema. «Wir erwarten, dass sich die Industrie in diesem Jahr darauf vorbereiten wird», so Signer. Fonds auf inflationsgeschützte Anleihen oder Produkte mit hohen Dividendenrenditen könnten sich daher bereits in Planung befinden und somit auch bald an die Verkaufsfront gelangen.

Wenig Druck auf Gebühren

«Kunden suchen entweder kostengünstige passive Lösungen oder dann aktives Management», ist Thommen überzeugt. Für Produkte, bei denen durch aktives Management versucht wird, Mehrwert zu generieren, seien Anleger weiterhin bereit, mehr zu bezahlen. «Es werden jene Produkte erfolgreich sein, die einen Zusatznutzen erzielen», so Bachmann.

Wenn ein Anbieter etwa einen indischen Aktienfonds seriös und glaubwürdig betreiben will, muss er vor Ort sein. «Bei anspruchsvollen Produkten können daher die Preise nicht sinken», sagt Bachmann. Denn bei entsprechendem Erfolg lassen sich die Gebühren rechtfertigen. «Der Druck auf die Fondsgebühren ist nicht besonders stark und kommt vor allem von günstigeren Neulancierungen», so Fischer. Die Branche geht davon aus, dass die Anleger durch einen Mix von aktiven und passiven Produkten die Durchschnittskosten senken. Der Aufwand für die Fondsanbieter nimmt hingegen auch zukünftig zu. «Wir stellen fest, dass zunehmend regulatorische Anforderungen auf die Industrie zukommen, die mit zusätzlichen Kosten verbunden sein könnten», sagt Thommen.

Gesundschrumpfung beginnt

Die Zusatzkosten könnten aber kaum auf die Kunden überwälzt werden. So bringt zwar die anstehende Umsetzung der europäischen Fondsnorm UCITS IV für die Anbieter viele Chancen mit sich, erhöht jedoch auch die Kosten. Eine weitere Herausforderung für die Branche wird es sein, die höhere Beratungserwartung der Kunden aufzufangen und den Aufwand, der dadurch entsteht, weiterzugeben. «Es stellt sich die Frage, wie sich die Unternehmen für die Beratung entschädigen lassen können», so Fischer.Dennoch: «Das grosse Fondssterben wird nicht stattfinden», sagt Bachmann. «Mit besseren Märkten wird sich die Konsolidierung abschwächen», ist Thommen überzeugt. Doch durch die Korrekturen an der Börse und den Abfluss von Kundengeldern sind viele Fonds klein geworden. «Was wir beobachten, ist jedoch nicht ein dramatischer Fondsschwund, sondern eine Gesundschrumpfung», sagt Thommen.