Vergangene Woche beschuldigte die Börsenaufsichtsbehörde SEC die Galleon Group des Insiderhandels. Nun stellt sich die Wall Street die Frage: Handelt es sich um einen gewöhnlichen Ausrutscher im normalen Aktienmarkt mit Angebot und Nachfrage oder einen Mahlstrom, der alles mit sich reisst? Millionen von Anteilscheinen laufen täglich durch Dark Pools, deren Notierungen erst nach Abschluss des Handels angezeigt werden. Flash Orders, die für einen Sekundenbruchteil erscheinen, geben einigen Kunden die Möglichkeit einer Einschätzung potenzieller Abschlüsse.

Mehr als zwei Drittel des Aktienmarktvolumens entfallen auf Händler, die viele Geschäfte tätigen. Sie kaufen und verkaufen in weniger als 400 Mikrosekunden - fast tausendmal schneller als ein Augenblinzeln. Wenn sich Märkte so irrsinnig schnell bewegen und Firmen wie Galleon durch Insiderwissen einen derartigen Informationsvorsprung haben, wie können da kleine Investoren noch eine Chance haben?

Hochgeschwindigkeitsmarkt

Hyperaktive Giganten scheinen am Markt bevorteilt zu sein. In einer Hinsicht stimmt das. Lässt man sich aber auf dieses Spiel ein, kann das nur schiefgehen. Dennoch muss man sein eigenes Portfolio ja nicht umkrempeln, nur weil andere mit Aktien innerhalb von Minuten oder gar Sekunden jonglieren. Paradoxerweise erweist dieser Wahnsinn einem Buy-and-Hold-Anleger einen Dienst: In den seltenen Momenten, wenn man handeln muss, kann man das effizienter tun als jemals zuvor.

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Lassen Sie uns den Hochgeschwindigkeitsmarkt ins rechte Licht rücken: Grosse Händler haben schon immer versucht, einen Vorteil zu erlangen, indem sie als Erste von neuen Entwicklungen erfahren. 1815 machten die Rothschilds einen grossen Gewinn mit britischen Bonds, nachdem sie als Erste die Nachricht von Napoleons Niederlage bei Waterloo erhalten hatten. Heute ist der Wettkampf um Informationen so leidenschaftlich, dass jeglicher Vorteil nur kurzlebig ist, und nur selten entstehen daraus grosse Gewinne. Ähnlich verhält es sich mit Blitzabschlüssen. Sie erscheinen an sich unfair, stellen aber weniger als 3% des Gesamthandels dar. Des Weiteren müssen sie nicht immer dem Kunden helfen, der sie platziert, da sie Informationen über Angebot und Nachfrage anbieten, die jeder mit einem schnelleren Computer ebenfalls erhalten kann.

Kampf um Informationen

Dark Pools sind auch nichts Neues. Früher hiessen sie Trading Desks. Vor Jahren verheimlichten Broker routinemässig ihren Kunden Informationen über Angebot und Nachfrage, um fettere Spreads einsacken zu können.

Währenddessen haben Hochfrequenzhändler geholfen, für jedermann die Kosten zu senken. Früher brachten Wertpapierhändler Käufer und Verkäufer zusammen und behielten dafür einen bedeutenden Teil des Preisunterschieds für sich.

Kaufte man vergangene Woche über einen Onlinebroker 200 Intel-Aktien, betrug die Kommission nur noch 0,3% des Bezugspreises. Vor 10 oder 15 Jahren lag dieser Wert noch bei mindestens 2%. Privatanleger profitieren also auch.