Vor zwei Jahren kollabierte die viertgrösste US-Investmentbank Lehman. Nicht nur die Lehman-Aktien wurden dadurch wertlos, auch die Aktionäre vieler weiterer Banken erlebten eine grosse Vermögensvernichtung.

Seither haben viele dieser Werte Boden gutgemacht seit dem April dieses Jahres ist die rasche Erholung aber wieder ins Stocken geraten. Grund waren die Euro- und die Staatsverschuldungskrise. «Jetzt reduzieren sich die eher unwahrscheinlichen Risikofaktoren für die Aktienkurse wie Finanzierung, Stress-Tests und Regulation», sagt Matt Spick, Analyst bei der Deutschen Bank, «die europäischen Banken sind heute besser positioniert als 2007.»

Private Banking robust

Spick empfiehlt mit der Credit Suisse, der Société Générale und Barclays drei Banken, die starke Investmentbankensparten haben und gegenwärtig lediglich mit dem Sechs- bis Siebenfachen des für 2011 zu erwartenden Gewinns bewertet sind. Darin widerspiegelt sich indes einige Skepsis zum laufenden 3. Quartal. Laut dem Bond-Handelssystem Trace sind die Umsätze mit Firmenanleihen im Juli und August in den USA 8% niedriger gewesen als im Vorjahr. Bei US-Staatsanleihen ging der Umsatz sogar um 13% zurück. Verdoppelt haben sich dagegen die M&A-Aktivitäten, aber in diesem Geschäftszweig sind die Gesamteinnahmen der Banken deutlich kleiner als im Handelsgeschäft.

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Auf der kurzen Empfehlungsliste der Deutschen Bank finden sich neben der Credit Suisse auch die Valoren der Privatbank Julius Bär. Die Vermögensverwaltung ist ungleich weniger schwankungsanfällig als das Investment Banking und weist die höheren Margen auf als das Massengeschäft Asset Management, zu dem die Verwaltung von Anlagefonds gehört. «Das Vermögensverwaltungsgeschäft scheint wieder anzuziehen» sagt Citigroup-Analyst Kinner Lakhani, «und im Gegensatz zum letzten Abschwung war hier der Margendruck aufgrund der besseren Kostenkontrolle bei vielen Banken besser.»

UBS kein Turnaround-Fall mehr

Bei den Schweizer Vermögensverwalterbanken bezeichnet er die Befürchtungen um das Geschäftsmodell als «überzogen», und auch die beiden Grossbanken hätten sich mit ihrem «Multishore»-Modell rechtzeitig auf die neuen Gegebenheiten im Steuerumfeld eingestellt. Wenn die Details im Zusammenhang mit der Steuerdebatte mit Deutschland im September erledigt seien, könnte dies als neues Modell für das Private Banking dienen, glaubt Lakhani.

Gerade bei Julius Bär seien zudem positive Überraschungen nicht auszuschliessen, denn hier habe das seit letztem Juli geltende neue Gebührenmodell eine nicht unbedeutende Margenverbesserung gebracht, so der Citigroup-Experte. Zudem sollten die Mittelzuflüsse aus Asien den Abfluss aus anderen Regionen zumindest kompensieren, und Julius Bär habe das Kosten-Ertrags-Verhältnis bisher stabil gehalten.

Auch bei der UBS erwarten Analysten gute Nachrichten. So könnte der Abfluss von Geldern jetzt gestoppt sein, und dank grosser Kostendisziplin liegt auch eine Ausweitung der aktuellen Margen drin. Die UBS bekommt laufend mehr Kaufempfehlungen - aber nicht mehr als Turnaround-Story, sondern aufgrund des wiedererwachten Wachstumspotenzials.

Keine Aufspaltung der Grossen

Auch eine Aufspaltung der UBS sei jetzt unwahrscheinlich, sagt Matthew Clark, Analyst bei der Investmentbankboutique Keefe, Bruyette & Woods. Für die Aktionäre würde eine Aufspaltung wenig Sinn geben, weil bestimmte gemeinsam genutzte Funktionen der drei Sparten mit viel Geld neu aufgebaut und verteilt werden müssten. Zudem hat sich das Top-Management immer zu einer «One-Bank»-Strategie bekannt. Schliesslich wären auch die abgespaltenen Investmentbankensparten der UBS (und auch der Credit Suisse), auf die jeweils rund 60% der Bilanzsumme entfallen, alleine immer noch bei Weitem «too big to fail» und aufgrund der fehlenden Ausgleichsmöglichkeiten innerhalb einer Universalbank regulatorisch eher noch schwieriger zu handhaben.