Zu ehrgeizig, zu teuer hinter vorgehaltener Hand zweifelte schon so mancher Experte an der Gigantomanie am Golf. Insbesonders die rasante, überwiegend kreditfinanzierte Wandlung Dubais vom malerischen Wüstenort zur nervösen Weltmetropole warf in der Vergangenheit kritische Fragen auf.

Seit vergangenem Sommer nun scheinen die Warnungen vor einem Überhitzen des Immobilienmarkts nur allzu berechtigt. Die Börse in Dubai steht schwer unter Druck, und gerade die einstigen Favoriten werden massiv abgestossen. So gab die Aktie von Emaar im November mehr als 50% nach, das Minus seit Jahresanfang beläuft sich auf 83%.

Überangebot mit Folgen

Der Ausverkauf hat vielfältige Ursachen. «Viele ausländische Anleger haben ihre Mittel abgezogen, um Verluste in anderen Anlageklassen zu kompensieren», sagt Omar Abu Rashed, Fondsmanager des FT Emerging, Arabia von Frankfurt-Trust. Zudem fürchten Investoren, dass der sinkende Ölpreis die Finanzierbarkeit der oft staatlich beeinflussten Investitionsvorhaben gefährdet.» Rashed will nicht ausschliessen, dass diverse Projekte in den kommenden Monaten gestrichen oder verschoben werden müssen. Denn inzwischen bauen immer mehr Unternehmen ihr Personal ab beziehungsweise überdenken ihre Niederlassungspläne. Das drohende Überangebot bleibt nicht ohne Folgen. Laut HSBC sind die Immobilienpreise im September und Oktober zum ersten Mal seit 2002 gefallen.

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Manager Rashed rechnet, ausgehend vom aktuellen Niveau, mit einer länger anhaltenden Seitwärtsbewegung, bevor der Markt wieder Tritt fasse. «Dubais Wirtschaftswachstum dürfte 2009 im Vergleich zu 2008 deutlich geringer ausfallen.» Er hat daher Positionen abgebaut. Wesentlich positiver beurteilt Rashed dagegen die Aussichten in Kuwait. Im Gegensatz zu Dubai beginne der Staat erst, seine Wirtschaft zu diversifizieren. Attraktiv aus Investorensicht erscheint auch Saudi-Arabien. Die Herrscher in Riad seien schon wegen des hohen Anteils junger Menschen an der Bevölkerung gezwungen, für genügend Jobs auch ausserhalb der Ölbranche zu sorgen, meint Rashed.

Die zur Reform der Wirtschaft notwendigen finanziellen Mittel sind vorhanden. Die Staatsfonds von Saudi-Arabien und Kuwait sollen zusammen über rund eine Billion Euro verfügen. Das reicht, um den jeweiligen Aktienmarkt im Bedarfsfall immer wieder zu stützen. An der Finanzstärke dürfte sich so schnell nichts ändern. «Die Budgets dieser Länder werden weiterhin weit besser dastehen als andere Emerging Markets», sagt Rashed.

Bleiben denn wenigstens der Schwarze Kontinent und seine Börsen von der Finanzkrise und ihren Folgen verschont? Schliesslich ist Afrika nur gering mit der Weltwirtschaft vernetzt. Der Anteil afrikanischer Aktien an der weltweiten Marktkapitalisierung liegt bei gerade mal 1,3%.

Trotzdem muss etwa Kenias Regierung die Wachstumsprognosen nach unten korrigieren, dennoch weist die Börse in Nairobi ein dickes Minus auf. Verantwortlich für den Abschwung sind unter anderem die stark rückläufigen Geldsendungen von im Ausland arbeitenden Kenianern. Sie sind für die Konjunktur des ostafrikanischen Landes enorm wichtig.

Der globale Abschwung trifft vor allem aber die rohstoffreichen Staaten Afrikas wie etwa Sambia. Das Land ist weltweit einer der grössten Kupferförderer. Die Notierungen des Metalls sind in den vergangenen Monaten jedoch stark gefallen. Auch das von China jüngst aufgelegte Konjunkturprogramm vermochte den Abwärtstrend nicht zu stoppen.

Nigeria im Banne des Ölpreises

Der Preissturz hat dramatische Folgen. So beginnen die in Sambia tätigen Minenbetreiber bereits, Personal abzubauen. Dies sorgt politisch für erheblichen Zündstoff. Gleichzeitig muss die Regierung in Lusaka ihre Modernisierungspläne kürzen. Doch aufgrund der anhaltenden Defizite im Strombereich sind Sambias Rohstoffunternehmen gezwungen, die Fördermenge noch zu reduzieren.

Auch das ölreiche Nigeria leidet. Staatspräsident Yar Adua war bei den Budgetplanungen für 2009 von einem durchschnittlichen Preis von 68 Dollar pro Barrel ausgegangen. Der Absturz beim schwarzen Gold zwingt ihn nun, den Haushaltsentwurf noch einmal zu überarbeiten. Die voraussichtlichen Kürzungen vermiesen Anlegern die Stimmung. Die Börse verlor seit Anfang November 12%. Es dürfte dauern, bis Afrika wieder mit positiven Nachrichten lockt.