Kaba hat innert sechs Monaten fast 20% des Börsenwerts verloren. Ziehen die Bauzulieferer Kaba mit in die Tiefe?

Rudolf Weber: Das glaube ich nicht. Alle Mid-Cap-Aktien leiden seit einigen Monaten unter starken Abgaben, obwohl die Fundamentaldaten der Unternehmen keinen Anlass zur Sorge geben.

Warum ist die Kaba-Aktie eingebrochen?

Weber: Grossinvestoren befürchten wohl, dass sich die Krise im US-Residential-Bereich auf andere, für Kaba wichtige Sektoren ausweitet, zum Beispiel auf das Commercial-Building- oder das Hotelgeschäft.

Sind diese Sorgen berechtigt?

Weber: Im Gegenteil. Wir bestätigen unsere Ziele für das 1. Halbjahr 2007/08.

Dann muss man jetzt bei Kaba einsteigen?

Weber: Viele Industrietitel sind so günstig, dass man eigentlich einsteigen müsste. Allerdings sind die Finanzmärkte sehr nervös, die Rezessionsängste wachsen. Wie sich die Kurse kurz- und mittelfristig entwickeln, ist kaum abzuschätzen.

Beunruhigen Sie die Kurseinbrüche?

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Weber: Natürlich. Zwar haben die Übernahmeaktivitäten in der Schweiz seit einigen Monaten nachgelassen, doch das könnte sich schon bald wieder ändern.

Kann Kaba ein Übernahmeziel werden?

Weber: Kaum. In diesem Punkt stehen uns wohl keine schlaflosen Nächte bevor. Wir haben sehr loyale Grossaktionäre, etwa die Leo-Bodmer-Erben, den ehemaligen Verwaltungsratspräsidenten Ulrich Bremi oder den aktuellen VR Kin Shek Ng. Zusammen mit weiteren langfristigen Grossaktionären halten diese fast die Hälfte der Aktien. Dadurch wird eine feindliche Übernahme sehr schwierig.

Für das Gesamtjahr 2007/08 soll Kaba ein organisches Umsatzwachstum von 5% und eine Ebit-Marge von stolzen 12% vorlegen. Sind diese Ziele gefährdet?

Weber: Nein, überhaupt nicht. Wir halten weiterhin daran fest. Das laufende Geschäftsjahr, das wir am 30. Juni 2008 abschliessen, entwickelt sich sehr positiv.

Fehlt der Aktie die Fantasie?

Weber: Kaba hat, leider, nach wie vor mit Vorurteilen zu kämpfen. Unser Geschäft ist weniger zyklisch als das der Bauzulieferer, was eigentlich positiv ist. Trotzdem legt unsere Aktie weniger rasch zu. Denn unsere jährliche organische Umsatzzuwachsrate erreicht keine zweistelligen Werte – im Gegensatz zu den Bauzulieferern oder den vom Öl- und Gasgeschäft getriebenen Industriekonzernen.

Gibt es auch hausgemachte Gründe?

Weber: Erschwerend kommt hinzu, dass Kaba in der Vergangenheit Prognosen nicht immer erfüllen konnte. Das hat das Vertrauen der Investoren in unsere Voraussagen beschädigt.

Was unternehmen Sie?

Weber: Wir verbessern die Kommunikation. Es muss ganz klar sein, was Kaba ist –nämlich ein Anbieter im Bereich der integrierten Zutrittskontrolle – und welche unsere Wachstumstreiber sind.

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Was macht Kaba für Investoren attraktiv?

Weber: Unsere Markenzeichen sind ein hoher, stabiler Netto-Cashflow sowie ein wenig zyklisches und geografisch breit abgestütztes Geschäft.

Um die operative Leistung von Kaba beurteilen zu können, hilft ein Blick auf die Mitbewerber. Die Auswahl ist allerdings bescheiden.

Weber: Ein sinnvoller Vergleich ist eigentlich nur mit Marktführer Assa Abloy möglich. Die Mehrheit der Konkurrenten ist nicht an der Börse gelistet und publiziert daher keine Zahlen. Grosskonzerne wie Siemens wiederum sind zwar in der Gebäude- und Sicherheitstechnik tätig, aber nur spartenweise, womit ein Vergleich auf Konzernstufe wenig bringt.

Assa Abloy erwirtschaftet regelmässig höhere Renditen – 2006 lag die Ebit-Marge der Schweden bei 15,3%, Kaba erzielte nur 11,5%.

Weber: Die Zahlen sind nur bedingt vergleichbar. Wir würden zum Beispiel die Reorganisationskosten bereits auf Stufe Ebit verbuchen.

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Trotzdem ist die Profitabilität von Kaba in der Gesamtschau tiefer.

Weber: Vergleichbar ist vor allem die Sparte Access + Data Systems. Hier wird sofort klar, dass wir Spitze sind. Hier erwirtschaftet Kaba eine Ebit-Marge von 17,18%. Das ist «Best in Class».

Die Rendite der Sparte Doors Systems lässt dagegen zu wünschen übrig.

Weber: Zugegeben, hier haben wir ein Margenproblem. Doors Systems erzielt eine Ebit-Marge von 8,6%, Assa Abloy macht hier klar den besseren Job. Ziel ist, uns rasch auf 11% zu steigern.

Die Rendite der dritten Sparte, Key + Ident Systems, könnte ebenfalls höher sein.

Weber: Key + Ident Systems liegt heute bei guten 9 bis 10%, die Profitabilität kann hier nicht mehr unbegrenzt gesteigert werden. Trotzdem halten wir an dieser Sparte fest, denn das Geschäft ist stabil und passt zu unserem Geschäftsmodell. Zudem sind wir hier der Weltmarktführer.

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Bis 2011 soll der Konzern eine Ebit-Marge von 15% erwirtschaften. Das ist ein ambitioniertes Ziel.

Weber: Wir müssen im laufenden Geschäftsjahr eine Ebit-Marge von über 12% erreichen, sonst haben wir den Einstieg verpasst. Wir sind zuversichtlich, dass wir dies mit den eingeleiteten Massnahmen schaffen.

Dann müssen Doors und Key + Ident Systems aber noch zulegen.

Weber: Das ist richtig, aber es wird uns gelingen. Der Bereich Ident verfügt über grosse Potenziale. Wir haben intensiv in neue Technologien investiert, unter anderem in eine neue Generation in der Identifikationstechnologie RFID, die wohl in absehbarer Zeit den Durchbruch schaffen wird. Im Bereich Key hatten wir in der Vergangenheit mit zum Teil massiv gestiegenen Rohwarenpreisen zu kämpfen, was natürlich auf die Marge drückte. In jüngerer Vergangenheit sehen wir hier eine Beruhigung.

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Sie könnten die Margenziele rascher erreichen, wenn Sie renditeschwache Bereiche verkaufen.

Weber: Die drei Sparten von Kaba haben wir unter dem Dach «Total Access» zusammengefasst, und das macht Sinn, denn überall ergeben sich Synergien. Klar ist, dass auch künftig vereinzelt sehr kleine Randaktivitäten veräussert werden könnten, wie kürzlich die kanadische Giesserei Capitol.

Woran denken Sie?

Weber: Veräusserungen von grossen Produkt- oder Unternehmensteilen stehen jedenfalls nicht an.

Analysten fordern etwa den Verkauf des traditionellen Schlüsselgeschäfts oder der Bahnsteigtüren.

Weber: Es gibt immer wieder solche Spekulationen, aber für uns gibt es keinerlei Gründe für einen solchen Schritt.

In den USA und in Kanada erzielte Kaba im vergangenen Geschäftsjahr rund 28% des Gesamtumsatzes. Welchen Einfluss wird die US-Immobilienkrise auf das Jahresergebnis haben?

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Weber: In den USA sind wir überwiegend im Commercial-Building-Bereich tätig. Mit Blick auf das 1. Halbjahr 2007 entwickeln sich die Märkte, zum Beispiel im Hotel- und im Hochsicherheitsbereich, sehr erfreulich.

Wie läuft der US-Residential-Markt? Hier ist Kaba mit der 2006 akquirierten Wah Yuet aktiv.

Weber: Der US-Markt für Wah Yuet schrumpft, zudem herrscht ein Preiskampf, der auf die Margen drückt. Die Auswirkungen auf das Konzernergebnis halten sich allerdings in Grenzen: Von den 28% Umsatzanteil, den Kaba in Nordamerika erzielt, macht Wah Yuet nur 5 Prozentpunkte .

Sie akquirierten Wah Yuet, als die Firma eine Ebit-Marge von 30% generierte. Sind diese Zeiten definitiv vorbei?

Weber: Wir streben einen Wert von 20 bis 25% an, sind aber noch nicht am Ziel.

Warum?

Weber: Einerseits ist der Druck auf chinesische Firmen gewachsen. So wurde die chinesische Währung gegenüber dem Dollar deutlich aufgewertet, und die Steuererleichterungen für exportierende Unternehmen wurden gekürzt. Zudem sind die Rohwarenpreise deutlich gestiegen. Andererseits sind Effizienzsteigerungen in den Firmen nach wie vor möglich, zudem kann die Wertschöpfungsquote erhöht werden.

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Wie entwickeln sich die Geschäfte der Divisionen in den USA?

Weber: Im vergangenen Geschäftsjahr erwirtschaftete Access + Data Systems in den USA ein organisches Umsatzwachstum von 10%, Key + Ident Systems von 13%. Ob wir diese Werte in den USA auch im laufenden Geschäftsjahr halten können, bleibt abzuwarten.

Wie entwickelt sich der Hauptmarkt Europa, wo Kaba 62% des Umsatzes erzielt?

Weber: Die Prognosen gehen zwar von einem leicht tieferen Wirtschaftswachstum aus, doch wir sehen derzeit keinerlei Anzeichen für eine markante Abkühlung in unserem Geschäft.

Wie werden sich die Umsatzanteile von Amerika, Europa und Asien mittelfristig verschieben?

Weber: Europa wird bei 60% zu liegen kommen, Nord- und Südamerika bei 30% und Asien bei 10%.