Nach einem turbulenten Börsenjahr 2007 dürfte auch dieses Jahr einige Überraschungen bereithalten. Für viele börsenrelevante Ereignisse gibt es konkrete Termine, auf die sich Derivateanleger besonders gut einstellen können, weil sie – die geeigneten Produkte vorausgesetzt – in jeder Marktsituation Geld verdienen können. Die Analysten von Goldman Sachs haben einige besonders wichtige Ereignisse zusammengestellt:

Makro, Makro, MakroNiemand weiss, wie sich die Wirtschaft in den USA entwickeln wird. Kommt es zu einer harten Landung? Und gelingt es dem Rest der Welt sich abzukoppeln? Die geeigneten Instrumente sind Index-Tracker, Index-Calls (für Optimisten), Index-Puts (für Pessimisten) sowie Index-Discount-Produkte (für Neutrale) auf den EuroStoxx-50-Index, den SMI, den DAX oder den FTSE-100. Am exponiertesten gegenüber einer sich abkühlenden US-Wirtschaft ist die britische, gefolgt von der schweizerischen und dann der deutschen Wirtschaft.

Präsidentenwahlen in RusslandViel Ungewissheit hat sich gelegt, seit bekannt wurde, dass Putin Medwedev bei dessen Präsidentschaftskandidatur (2. März) unterstützen wird und dieser seinerseits Putin mit der Bildung einer Regierung als Premierminister beauftragen dürfte. Ein Teil der Unterperformance russischer Aktien lässt sich auf diese vorangegangene Ungewissheit zurückführen. Einzelne staatlich kontrollierte Firmen wie Gazprom, Rosneft und VTB dürften besonders profitieren, wenn sich die Äusserungen von Putin, wonach es noch mehr marktwirtschaftliche Elemente geben soll, materialisieren sollten. Derivateanleger dürften am ehesten mit Calls auf den Rubel-Dollar-Wechselkurs sowie mit Index-Calls auf den russischen Aktienmarkt profitieren.

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WährungsungleichgewichteBesonders in der Türkei, in Polen und in Südafrika sind die Handelsdefizite gross. Die Lücke wurde bisher über Direktanlagen geschlossen. Diese dürften zurückgehen, wenn sich die Weltwirtschaft abschwächt und damit diese Geldströme ausbleiben. Empfehlenswert sind deshalb Puts auf die führenden Aktienindizes von Polen (WIG) und der Türkei (ISE-30).

Jahresergebnisse der BankenBis zu den Bankenabschlüssen dürfte der Nachrichtenstrom aus dieser Branche spärlich bleiben, dann könnten negative Details zur Ausbreitung der US-Subprime-Probleme auf andere, bisher eher verschonte Kreditbereiche folgen. Gemischt sind zudem die Ergebnisse von Kapitalinfusionen. Zu den drei Put-Kauf-Kandidaten zählen die Goldman-Sachs-Ana-lysten die Deutsche Bank, Credit Suisse und Credit Agricole.

EU-KlimaregulierungDie EU möchte den Treibhausgasausstoss bis 2020 um 20% senken. Für Versorger ist die Auktionierung von CO2-Emissionszertifikaten bis 2013 das entscheidende Element. Davon profitieren die Calls von weniger klimasensiblen Firmen wie EDF und Iberdrola, unter Druck könnte dagegen RWE aufgrund des hohen CO2-Anteils bei der Stromproduktion in Kohlekraftwerken kommen. Einzelaktien-Calls sind hier besser geeignet als Index-Produkte.

Minenaktien-KonsolidierungSeit dem Angebot von BHP Billiton an Rio Tinto ist wieder Bewegung in den Sektor gekommen. Anglo American, Xstrata und Norilsk sind weitere attraktive Basiswerte, deren Derivate besondere Gewinne versprechen, wenn für diese Firmen Kaufangebote eintrudeln oder die Manager ein Schnäppchen machen.

Open-Sky-AbkommenDas Open Sky-Abkommen zwischen der EU und den USA tritt im März 2008 in Kraft, dann können europäische Airlines Flughäfen in den USA von einer beliebigen europäischen Destination anfliegen. Für British Airways bedeutet das deutlich verschärften Wettbewerb auf den lukrativen Strecken ab London-Heathrow. Umgekehrt plant auch BA Flüge aus Paris in die USA. Die hohe Volatilität bei BA-Optionen im Vergleich zu den Lufthansa- oder Air-France-Optionen weist darauf hin, dass BA eher zu den Verlierern und Lufthansa sowie Air France eher zu den Gewinnern des Open-Sky-Abkommens zählen dürfte.

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Carrefour verkauft ImmobilienDer Immobilienbesitz des grossen französischen Retailers soll in eine separate Immobiliengesellschaft ausgelagert und an der Börse verkauft werden. Das Portfolio ist zwischen 20 und 24 Mrd Euro schwer, 3 Mrd Euro sollen an die Aktionäre zurückfliessen. Wenn sich der IPO-Markt nicht deutlich verschlechtert, sind Calls auf Carrefour eine gute Investition, auch weil die Preise – gemessen an der impliziten Volatilität – tiefer sind als bei Konkurrenten wie Tesco.