Der Kreml belebt seine Pläne wieder, Moskau zu einem internationalen Finanzzentrum auszubauen. Diese Pläne waren zu Zeiten der Rezession des Landes in der Schublade verschwunden. Der Finanzplatz Moskau soll jedoch nicht nur den Ländern der alten Sowjetunion als Drehscheibe dienen, sondern auch gegen Zentren wie Dubai und Frankfurt konkurrieren.

«Wahrscheinlich können wir Dubai überholen», sagt Arkad Dvorkovich, ökonomischer Chefberater von Russlands Präsident Dmitri Medwedjew. «Wir sind Europäer, und es ist für viele Leute von Vorteil, in einer europäischen Umgebung zu arbeiten.» Medwedjews anhaltender Druck im Hinblick auf die Modernisierung von Wirtschaft und Rechtssystem soll Hindernisse beseitigen, die bisher dafür sorgten, dass selbst die Oligarchen des Landes finanzielle Transaktionen nicht im eigenen Land durchführen. Damit das Zentrum ein Erfolg wird und Russlands Banksektor profitiert, müssen sich grosse ausländische Banken zum Standort bekennen.

Doch das kann dauern. Russlands unsicheres Rechtssystem, der vergleichsweise kleine Bankensektor, die kleine Schar inländischer Investoren und die Einschränkungen der Bewegungsfreiheit für Marktteilnehmer und deren Geld verhindern einen raschen Aufstieg Moskaus zum globalen Finanzzentrum. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen für den Ausbau des Finanzzentrums Moskau sollen in den kommenden drei Jahren geschaffen werden. Erste Ergebnisse erwartet Dvorkovich erst in zehn Jahren. «Die politischen Risiken gelten weiterhin als hoch und der Schutz von Investoren durch das Rechtssystem befindet sich noch in der Entwicklungsphase», sagt etwa Maxim Lubomudrov, Chef von Deloitte Financial Services in Moskau.

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Russland weicht Regeln auf

Die Regulierungsbehörden sind dabei, eine zentrale Wertpapiersammelbank zu installieren. Internationale Investoren hatten bisher Probleme mit der Abwicklung von Wertpapiergeschäften in Russland. In Zukunft sollen Investoren russische Aktien direkt in Russland handeln können, statt den Umweg über ausländische Börsen nehmen zu müssen. Im Juli treten zudem neue gesetzliche Bestimmungen in Kraft, die es ausländischen Investmentbankern erleichtern sollen, die Hindernisse auf dem Weg zu einer russischen Arbeitserlaubnis zu überwinden.

Dvorkovich geht davon aus, dass die russische Regierung eine Spezialisierung des Moskauer Finanzzentrums auf bestimmte Sektoren wie etwa Rohstoffgeschäfte unterstützen wird. Denkbar sei auch eine Spezialisierung auf Geschäfte mit den ehemaligen GUS-Staaten oder Schwellenländern. Die Schwäche russischer Banken schreckt noch viele Investoren ab. Besonders weil es im Land selbst keine langfristig stabile Basis an inländischem Kapital gibt, das inländische Aktien und Anleihen hält. Dies zeigte sich 2008, als der RTS-Index die schlechteste Performance aller wichtigen Börsenindizes zeigte.

In Russland wurden im Investment Banking in diesem Jahr Umsätze von 259 Mio Dollar erzielt.Das entspricht nach Angaben der Marktforscher von Dealogic einem Weltmarktanteil von einem Prozent und Platz 15 in der Länderrangliste. China ist auf Platz 2 mit Erlösen von 1,9 Mrd Dollar. «Das Defizit, das wir beseitigen müssen, sind die Schwäche der russischen Banken und das mangelnde Engagement global agierender ausländischer Institute», sagt Lubomudrov. «Wir brauchten drei oder vier russische Banken in den globalen Top 50, die stark genug sind, um weltweit mitzuspielen.»