Währungsexperten richten ihre ganze Aufmerksamkeit auf die Dollarmisere - dabei könnte es dem britischen Pfund genauso schlecht, wenn nicht schlechter ergehen.

Der Dollar ist kürzlich zu den meisten bedeutenden Währungen auf sein tiefstes Niveau in diesem Jahr. Aber auch das Pfund Sterling musste Verluste hinnehmen. Zum Dollar fiel es auf ein Viermonatstief und auf ein Sechsmonatstief zum Euro. Seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1972 wurde die britische Währung zu keinem Zeitpunkt derart von Spekulanten verschleudert. Das haben weitreichende Daten ergeben, die vergangene Woche von der US-Regulierungsbehörde Commodity Futures Trading Commission herausgegeben wurden.

Die Ursache für die Schwäche des Pfundes hat mehrere Gründe. Die Zinssätze für kurzfristige Kreditaufnahmen liegen in Grossbritannien sehr niedrig. Und so soll es vorerst wohl auch bleiben. Die Finanzsituation ist schwierig, und ein drohender Wahlkampf macht es nicht einfacher, nach Gründen für die schwächelnde Wirtschaft in Grossbritannien und das schwache Pfund zu suchen. Zumindest bis nach der Wahl.

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Keine Spur des Nachlassens

Zum Fallen des Pfunds trägt auch das Wiederaufleben des sogenannten Carry Trades auf dem Devisenmarkt bei. Die britische Währung, üblicherweise an hohe Zinsraten gebunden, profitierte in der Geschichte von diesem Trend, wo Investoren Kredite in Währungen mit niedrigen Zinsraten aufnehmen und in Devisen mit hohen Zinsen investieren. Doch die Bestandteile des Carry Trade haben sich umgedreht. Nun wird der Sterling geliehen und in teureren Regionen verkauft. Dieser Verkaufsdruck schwächt weiterhin das Pfund - von Anzeichen eines Nachlassens keine Spur.