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Das Risikokapital rockt mit Legenden

Die Musikindustrie schwächelt. Einige Risikokapitalgeber produzieren die neuen Alben der alternden Rockstars. Nicht immer geht das vermeintlich lukrative Investment auf.

Von Aaron 0. Patrick
am 10.10.2007

VENTURE CAPITAL . Rockbands, die ihre beste Zeit hinter sich haben, werden normalerweise von Plattenfirmen ignoriert. Aber in Grossbritannien haben sie neue Freunde gefunden: Risikokapitalgeber. Ingenious Media finanziert Comeback-Alben. Im Juli nahm sie UB40 unter Vertrag, (1988: Nummer-l-Hit «Red Red Wine»). Auch bei Ingenious: Altrocker Peter Gabriel und die Techno-Punkband Prodigy. Das Unternehmen hat sich auf Medien- und Entertainment-Deals spezialisiert und zahlt für die Musikproduktion, das Marketing und den CD-Vertrieb.

Für zwei Fonds, die in Altbands investieren sollen, wurden 80 Mio Dollar eingesammelt. Ingenious profitiert vom Abschwung der Musikindustrie: Die schränkt aufgrund der grassierenden Piraterie und fallender Gewinne ihre Ausgaben ein. Duncan Reid, kaufmännischer Direktor von Ingenious, sagt, man konzentriere sich auf britische Bands, die nicht bei grossen Labels unter Vertrag sind. Selbst wenn mit den alten Gruppen nicht so viel Geld zu machen ist, das Risiko eines Flops ist ebenfalls geringer.

Kapitalgeber überwachen alles

Ingenious plant mit den Künstlern gemeinsam die Marketingstrategien. «Wir bringen unsere Erfahrung ein und überwachen alles», erklärt Reid. Bisher wurden 15 Alben, die weltweit vertrieben werden, finanziert. Sieben weitere sind in Planung, jedes kostet zwischen 200000 und 1 Mio Pfund. Zwei sind bereits auf dem Markt: Das Album der walisischen Grungeband Heights habe sich schlecht verkauft, das von Travis laufe recht gut, so Ingenious. Normalerweise kalkulieren Plattenlabels, dass 5% ihrer Künstler profitabel sind. «Das grösste Problem für sogenannte Heritage Bands (Branchenausdruck für Künstler über 40) ist, dass Labels dazu tendieren, jeden Künstler – gleich welchen Alters – gleich zu vermarkten», sagt Lanval Storrod, Manager von UB40. Ingenious hat für das Album 1 Mio Pfund investiert. Wenn das Fondsinvestment eingespielt ist, teilen sich der Fonds und UB40 die zusätzlichen Gewinne.Ex-Beatle Paul McCartney gab im März bekannt, dass er mit dem Starbucks-Label Hear Music zusammenarbeiten werde – nach 40 Jahren bei EMIs Capitol Records. Von seinem im Juni in 10000 Starbucks-Cafes herausgebrachten Album wurden bis Anfang August 500000 Alben verkauft.Ingenious wurde 1998 von dem früheren Partner der Steuerberatungsfirma Deloitte & Touche, Patrick McKenna, gegründet. Einer der frühen Klienten bei Deloitte war Peter Gabriel. Die zwei wurden Freunde, und Gabriel investierte eigenes Geld in die Risikokapitalfonds. Im Januar erwarb Ingenious dann für 1 Mio Pfund einen 24,95%-Anteil an Gabriels 14. Album. Dieser behält die Kontrolle über Promotion und die Distribution in den USA.

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