Als ab Mitte Januar an den wichtigsten Börsen weltweit die Aktienkurse ins Rutschen kamen, stieg ein Indikator zuverlässig an: Der VSMI, der die Volatilität der SMI-Werte erfasst, verdoppelte sich seit Jahresanfang von 18 auf 35%. Von 16 auf 31% stieg der VDAX, der die gleiche Funktion für den deutschen Aktienmarkt hat. Und auch das US-Gegenstück, der von der CBOE in Chicago berechnete VIX, markierte mit einem Sprung von 19 auf 37% einen neuen Höchststand.

Die raschen Sprünge bei der Volatilität machen diese zu einem «versteckten Asset», wie man in der Bankensprache sagt. Die Volatilität ist die aus historischen Daten ermittelte Schwankungsbreite bei beliebigen Basiswerten. Bei Aktien ist sie gegebenermassen relativ hoch, bei stabilen Wertpapieren wie Obligationen sehr tief. Gold liegt dazwischen.

Misserfolg im ersten Praxistest

Weil die Volatilität immer rasch ansteigt, wenn Aktien stark fallen, liegt es auf der Hand, die Volatilität als Absicherungsinstrument zugänglich zu machen. Berechnungen von Goldman Sachs hatten für die ersten Turbulenzen der Subprime-Krise im letzten August und September gezeigt, dass die Volatilität – theoretisch – ein besser zu handhabendes Absicherungsinstrument ist als konventionelle Put-Optionen.

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Der Praxistest stand jedoch noch aus. Weil es aber jetzt bereits die ersten strukturierten Produkte gibt, mit denen Anleger gezielt auf den Anstieg der Volatilität setzen können, wenn Aktien fallen, lässt sich auch ermitteln, wie sich diese Produkte in den letzten Wochen gehalten haben.

In der Schweiz hat Goldman Sachs dafür den VIXFC begeben, einen Bull Tracker, der den Kurs des entsprechenden Index an der CBOE nachzeichnet. Der von Derivative Partners ermittelte durchschnittliche Umsatz lag in den letzten Tagen bei 60000 Fr., der Spread liegt mit 0,8% im Rahmen des Üblichen.

Die grösste Wertsteigerung erlebte dieser Schein im letzten August, als sich der (in Dollar ermittelte Preis) von 15 auf 27 Dollar verteuerte. Bis Ende Oktober fiel der Kurs dann wieder auf 17 Dollar, mit der zweiten Schlechte-Nachrichten-Welle aus den von der Subprime-Krise betroffenen Banken stieg der Preis dann wieder auf 21.50 Dollar, dann gings wieder runter auf 18 Dollar und gegenwärtig wird das Papier für 18.70 Dollar gehandelt.

Damit war dieser Schein deutlich stabiler als beispielsweise ein SMI-Index-Tracker. Die Reaktion auf die jüngsten Turbulenzen blieb indes, gemessen am Kursverlauf, relativ gering, und obwohl der Basiswert, wie eingangs erwähnt, dramatisch gestiegen war, hielt sich die Reaktion beim VIX-Index-Tracker in so engen Grenzen, dass mit diesem Produkt alleine die theoretisch mögliche Absicherung gegen einen Kursverfall des Basiswertes in der Praxis gar nicht einzulösen war.

Vorteile liegen woanders

Das macht dieses Zertifikat und die in Deutschland gehandelten Pendants indes keinesfalls nutz- und wertlos. Volatilitätszertifikate können ein gut diversifiziertes Portefeuille sinnvoll ergänzen. Die Praxis zeigt, dass Puts immer noch die bessere Absicherungsform sind, wenn sie rechtzeitig gekauft werden, weil hier die implizite Volatilität natürlich auch eine grosse Rolle spielt. Mini-Futures umgehen zwar das Volatilitätsproblem, aber hier sind Knock-out-Schwellen zu beachten, die Anlegern einen Strich durch die Rechnung machen können, wenn sie zwar hinsichtlich der Richtung korrekt gehandelt hatten, aber die Amplitude einer Marktbewegung unterschätzt hatten.

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