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Das sind die besten Aktien der Schweiz

Boerse Zurich
Partystimmung an der Zürcher Börse: Händler feiern im Jahr 1996 – dem letzten Jahr des Parketthandels.Quelle: Keystone

Es war ein turbulentes Jahr an der Börse. Die Schweizer Aktien verloren über 7 Prozent. Also stellt sich die Frage: Was macht eine gute Aktie aus?

Marcel Speiser
Von Peter Manhart und Marcel Speiser
am 20.12.2018

Aktien haben in den vergan­genen hundert Jahren besser als alle anderen Anlageklassen rentiert. Doch 2018 war das ein schwacher Trost. Nur wenige Aktiensparer dürften mit Freude in ihr Depot blicken. Wer in diesem Jahr Verluste erlitten hat, befindet sich in bester Gesellschaft.

Auf dem Schweizer Kurstableau traf es viele ­mittelschwer- und kleinkapitalisierte Werte besonders hart: Seien es Ems-Chemie, VAT, Bobst, Rieter, Georg Fischer, AMS oder viele andere Titel mehr, sie notieren alle tiefrot. Tolle Firmen zwar, die aber zuletzt in Ungnade gefallen sind. Die überdurchschnittliche Performance der letzten Jahre wiegt die grossen Verluste von 2018 nicht auf. Ausser Ems-Chemie befindet sich keiner der Titel in einer unserer Bestenlisten (siehe unten).

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Doch es gibt wie immer Gewinner, selbst in ­diesem durchzogenen Börsenjahr. Was uns zur Frage führt, was denn eigentlich eine gute Aktie ausmacht. Eine, die gut performt, ist man geneigt, spontan zu antworten. Warren Buffett meint dazu nur: «Der dümmste Grund, eine Aktie zu kaufen, ist, weil sie steigt.» Es dürften also andere Faktoren als lediglich die Kursentwicklung sein, die bei der Aktienauswahl zu beachten sind.

«Der dümmste Grund, eine Aktie zu kaufen, ist, weil sie steigt.»

Warren Buffett

Wir haben einige Faktoren zusammengetragen, die entscheidend sind, wenn es darum geht, vielversprechende Dividendenpapiere auszuwählen. Und das bringt uns gleich zum ersten Punkt: zur Dividende.

Den Effekt der Dividende nie unterschätzen

Was denken Sie: Wie gross ist der Performanceunterschied des Schweizer Aktienmarktindex SMI in den vergangenen zwanzig Jahren mit oder ohne ­Dividende? Antwort: Er ist gewaltig! Anstelle von ­einem Plus von 40 Prozent verhalfen die Ausschüttungen den Anlegern zu einem Plus von 130 Prozent.

Also kann die Höhe der Dividendenrendite ein Kriterium beim Erwerb einer Aktie sein. Doch noch wichtiger ist das Dividendenwachstum. Eine Studie der Bank Safra Sarasin von 2013 bescheinigt ­ Roche das höchste Dividendenwachstum zwischen 1987 und 2012. Der Befund dürfte auch heute noch zutreffen. Gut abgeschnitten haben zudem die Swatch Group, Swiss Re, Novartis, Baloise und Nestlé.

Doch erneut – Fehlanzeige: Keiner dieser Titel hat es in die Bestenlisten geschafft. Die Dividende alleine macht demnach noch keine Aktie mit überragender Performance aus. Aber sie bleibt ein wichtiges Kaufargument.

Starker Ankeraktionär schafft Mehrwert

Wie schafft es eine Aktie also in die Bestenlisten? Auffällig viele der Unternehmen, die oben rangieren, haben einen oder mehrere starke Ankeraktionäre. Je grösser der Beobachtungszeitraum ist, desto mehr Familienunternehmen finden sich in den Listen. Zu den Top-Performern über zwanzig Jahre hinweg sind beinahe nur noch solche Firmen zu finden.

Birgitte Olsen von Bellevue Asset Management hat das früh erkannt, einen entsprechenden Fonds aufgelegt und – kein Wunder – im diesjährigen Fonds-Ranking der «Handelszeitung» in der Kategorie «Schweizer Standardwerte» über einen Zeitraum von zehn Jahren den ersten Platz belegt.

Der Grund? Familienunternehmen zeichnet oft eine grosse finanzielle Disziplin aus. Sie achten in der Regel auf ausreichende Kapitalreserven, eine niedrige Verschuldung und kontinuierlich hohe Cashflows. Diese Tugenden zahlen sich speziell in konjunkturell schwierigen Zeiten aus. In Krisen sind diese Firmen resistenter. Noch wichtiger aber ist, dass es der finanzielle Spielraum ermöglicht, antizyklisch die Geschäftsbasis auszuweiten – wie etwa durch Investitionen in neue Geschäftsbe­reiche und die Erschliessung neuer Märkte.

«In Krisen sind finanziell disziplinierte Familienunternehmen oft resistenter.»

Eine Frage der Bewertung oder: Wann kaufen?

Ein starker Ankeraktionär kann also tatsächlich Garant für eine aussergewöhnlich gute Per­formance sein. Doch wann sind Aktien günstig oder teuer?

Wenn Aktien bereits sehr teuer sind, dann verhilft ihnen auch keine noch so tolle Dividende und kein noch so disziplinierter Ankeraktionär zu weiteren Kursexplosionen.

Ein relativ verlässlicher und einfach zu verstehender Indikator ist das sogenannte Shiller-KGV. Im Internet ist mit wenig Aufwand der aktuelle Stand des Shiller-KGV für den S&P 500 zu erfahren, den wichtigsten Aktienindex der Welt. Fällt der Indikator unter 15, dann ist es in der historischen Betrachtung jeweils ein guter Zeitpunkt, in den Aktienmarkt einzu­steigen. Werte über 25 weisen auf eine Überhitzung hin. Heute steht das Shiller-KGV für den S&P 500 bei beinahe 29, rund 70 Prozent über dem langfristigen Mittelwert.

Wer das wiederum als Signal versteht, sich vom Aktienmarkt fernzuhalten, dem gilt es zuzurufen: Vergiss die Dividende nicht! Denn auch wenn der Markt bereits stattlich bewertet ist, ist die Dividendenrendite trotzdem oft höher als die Rendite von lokalen Anleihen. Allerdings muss der Anlagehorizont dann mindestens zehn Jahre betragen.

Wir wissen nun um die Macht der Dividende, den Wert eines starken Ankeraktionärs und wann man sich eher in den Aktienmarkt einkaufen soll. Und ein weiterer Faktor kann aus dem Studium der Bestenlisten eruiert werden: Die Grösse eines Unternehmens respektive die Marktkapitalisierung hat Einfluss auf die Aktienkursentwicklung.

Kleine mit Schwung – in beide Richtungen

An der Börse gilt: Small is beautiful. Immer? Selbstverständlich nicht. Läuft es harzig und die Konjunkturaussichten beginnen sich zu verdüstern, leiden kleinere und mittelgrosse Firmen mehr als Blue Chips. Das zeigt sich exemplarisch an der Performance der Schweizer Aktienindizes im laufenden und im vergangen Jahr: SMI (2018: –9 Prozent; 2017: +14 Prozent), SMIM (2018: –16 Prozent; 2017: +33 Prozent), SPI Extra (2018: –17 Prozent; 2017: +30 Prozent). Übrigens: Der SPI Extra umfasst alle SPI-Werte ohne die SMI-Werte.

Aus dieser Beobachtung lässt sich eine weitere Handlungsempfehlung ableiten: Je nach Konjunkturzyklus gilt es, auf kleinere oder eben grössere ­Unternehmen zu setzen. Ähnlich wie bei der Frage, wann der richtige Zeitpunkt für den Einstieg in den Markt ist, muss der Anleger den Markt bei einer ­solchen Rotation «timen». Da dies selten richtig gut gelingt, ist unsere Empfehlung je nach Risiko­neigung den Portfolio-Kern aus Blue Chips zu bilden und um diesen Satelliten aus dem Bereich Small und Mid Caps kreisen zu lassen. Oder vice versa.

Mit einer solchen Strategie lassen sich zwar nicht die tollen Renditen wie in den Bestenlisten unten erzielen. Doch ganz ehrlich: Die Gewinneraktie der nächsten Jahre zu bestimmen, ist schlicht nicht möglich.

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