Auch einige Carmignac-Fonds litten unter den turbulenten Märkten der letzten Monate. Wie wird das Jahr für Sie zu Ende gehen?
Didier Saint-Georges: 2013 wird als recht frustrierendes Jahr in unsere Geschichte eingehen. Die unglückliche Kommunikation der amerikanischen Notenbank bezüglich einer möglichen Drosselung ihrer Anleihenkäufe belastete die Anleihen- und Schwellenlandmärkte über Gebühr. Das spürten nicht nur Schwellenland-Fonds, sondern auch global ausgerichtete Vehikel.

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Carmignac ist bekannt für seine Schwellenland-Investments. Nun könnte in China ein politisches Tauwetter einsetzen. Wie positionieren Sie sich?
Wir haben unser Gewicht gegenüber den Wachstumsmärkten reduziert. Wir halten aber immer noch wichtige Positionen in Ländern mit einer positiven Handelsbilanz. Diese werden weniger leiden, wenn die Liquidität weltweit abnimmt.

Aber wie sehen Sie die politische Entwicklung Chinas?
Die angekündigten Reformen entsprachen unseren Erwartungen. Chinas Regierung wird in den kommenden zehn Jahren unter anderem den Besitz von Agrarland, die Finanzaufsicht und die Steuerpolitik tiefgreifend reformieren. So gesehen lässt sich die Bedeutung jener Veränderungen eigentlich gar nicht hoch genug einschätzen.

Als bald weltgrösster Importeur von Rohstoffen hat China entscheidenden Einfluss auf deren Preise. Auch Carmignac setzt auf die Rohstoffmärkte – wann findet die Durststrecke dort ein Ende?
Chinas Reformen fokussieren nicht auf ein kurzfristiges Wachstum der Binnenwirtschaft. Dafür zielen sie darauf, auf lange Frist weniger abhängig von Rohstoffimporten zu werden. Derweil bauen die Industrienationen weiterhin Schulden ab, was mächtige deflationäre Kräfte in Gang setzt. Investoren müssen deshalb noch einige Zeit verstreichen lassen, bevor sie zyklische Rohstoffe in ihren Portefeuilles neu gewichten können.

Heisst das: Finger weg von Rohstoffinvestments?
Wir favorisieren derzeit Energieträger. Ausrüster der Ölmultis und amerikanische Chemiekonzerne profitieren etwa vom Schiefergas-Boom in den USA. Ebenfalls interessant sind unabhängige Ölförderunternehmen mit starker Produktionsseite.

Auch die Preise von Edelmetallen waren heftigen Schwankungen unterworfen. Wohin bewegt sich der Goldpreis?
Wie gesagt, bauen die Industrienationen Schulden ab, womit ein Inflationsszenario in weite Ferne rückt. Aus diesem Grund ist Gold zurzeit keine überdurchschnittlich attraktive Anlage.

Allerdings steigen die Renditen lang laufender Anleihen, was zumindest auf steigende Zinsen hindeutet. Das trifft Obligationen-Anleger hart, oder?
Die Gratwanderung zwischen wirtschaftlicher Erholung und Normalisierung der amerikanischen Geldpolitik wird weiterhin für volatile Obligationenmärkte sorgen. Die 20 Jahre andauernde Ära stetig fallender Zinsen geht ihrem Ende zu. In Zukunft wird aktives Risikomanagement noch wichtiger.

Gilt das auch für Aktieninvestments?
Die Notenbanken versorgen den Markt weiterhin mit massig Liquidität, was die Börsen vorläufig antreiben wird. Aber im Jahr 2014 müssen gerade europäische Unternehmen ihre Erträge steigern, um den jüngsten Bewertungsschub ihrer Aktien zu rechtfertigen. In Japan wiederum will die Börse Strukturreformen sehen. Die USA schliesslich haben zu beweisen, dass die wirtschaftliche Erholung auch ohne massive Hilfe der Notenbank vonstatten geht.

Das sind etwas hohe Ansprüche, nicht?
In der Tat verbleiben einige Unsicherheiten. Aktienanleger müssen die Risiken im Auge behalten – profitieren können Sie hingegen von der globalen Rotation von Anleihen hin zu Aktien.