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Ausblick
Dax über 12'000: «Anleger werden in Aktien gedrängt»

Industrie in Deutschland: «Exporteure aus der Eurozone haben nun einen Vorteil.»   Keystone

Die Euro-Währungshüter haben ihr riesiges Anleihekaufprogramm gestartet – und treiben damit die Börsen. Der Dax springt erstmals über 12'000 Punkte. Ein Experte erklärt, worauf Anleger setzen können.

Von Marc Iseli und Andrea Marthaler
am 16.03.2015

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Finanzmärkten den Stempel aufgedrückt, vor Wochenfrist begann in der Euro-Zone die Ära der quantitativen Lockerung. An den Börsen sorgt der Coup von EZB-Präsident Mario Draghi für Hochstimmung. Erstmals in seiner Geschichte ist der deutsche Aktienindex Dax am heutigen Vormittag über die Marke von 12'000 Punkten geklettert. Erst vor einem Monat überstieg der Leitindex die Schwelle von 11'000 Zählern.

Getrieben wird die Aktienrallye massgeblich von der EZB. Sie und die nationalen Notenbanken der Euroländer erwarben am ersten Tag des Anleiheprogramms bereits Staatsanleihen im Volumen von 3,2 Milliarden Euro, innert der ersten drei Tage summierten sich die Käufe sogar auf zehn Milliarden Euro.

EZB wird europäische Aktienmärkte beflügeln

«Es ist klar, dass dies die Preise der Papiere hochtreiben und damit ihre Renditen massiv drücken wird», sagt Philipp Grüebler, Geschäftsführer der Grüebler Vermögensverwaltung im Interview mit finanzen.ch. Dadurch würden Obligationen immer unattraktiver für Anleger: «Sie werden zum Kauf von Aktien gedrängt.»

Die Geldflut bewirkt auch, dass die Gemeinschaftswährung an Wert einbüsst. Der Euro ist auf Tauchfahrt gegenüber dem Dollar: In der vergangenen Woche hat sich der Wertverfall sogar noch beschleunigt. Europäische Exporteure erhalten dadurch Rückenwind. «Exporteure aus der Eurozone haben durch den schwachen Euro nun einen kompetitiven Vorteil und können vermehrt in die USA mit ihrer anziehenden Wirtschaft exportieren», sagt Grüebler.

ETF auf den Dax

Deshalb sieht er auch dort Chancen für Anleger – trotz der massiven Börsenzuwächse in diesen Wochen. Aktien der Euro-Zone seien tiefer bewertet als der Schweizer oder US-Aktienmarkt. «Und die EZB wird mit ihrer ultraexpansiven Geldpolitik die europäischen Aktienmärkte weiterhin beflügeln.» Grüebler glaubt vor allem an Papiere aus der grössten Euro-Volkswirtschaft: «Ich favorisiere solide deutsche Industriewerte, an welchen man mit einem Exchange Traded Fund (ETF) auf den Dax partizipieren kann», sagt der Investmentexperte.

Nachdem die EZB vergangene Woche die Märkte bewegte, stehen in dieser Woche erneut zwei Notenbanken im Fokus der Anleger: Am Mittwoch treffen sich die Vertreter der US-Notenbank Federal Reserve und beraten über die Zinspolitik. «Der Markt erwartet ein Zeichen, wann das Fed mit der Zinserhöhung in diesem Jahr beginnen wird», sagt Grüebler. Besonders gespannt sei man darauf, ob die Notenbanker den zuletzt regelmässig verwendeten Passus streichen werden, wonach das Fed bei Zinserhöhungen «geduldig» sein könne.

Schweizerische Nationalbank tagt am Donnerstag

Am Donnerstag folgt dann die erste geldpolitische Lagebeurteilung der Schweizerischen Nationalbank SNB seit Mitte Januar. Zuletzt kursierten Spekulationen über weitere Zinssenkungen. Demnach könnte die SNB den Zins auf bis zu minus 1,5 Prozent senken. Grüebler rechnet aber nicht damit: «Da dies zum Nachteil des klassischen Bankgeschäftes, der Vorsorgewerke und der Sparer wäre, halte ich die Ausweitung der Negativzinsen für eher unwahrscheinlich», erklärt er.

Lesen Sie das ganze Inteview mit Philipp Grüebler auf finanzen.ch. Dort gibt er auch einen Ausblick auf die Schweizer Börse in den kommenden zwölf Monaten.

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