Sie haben Swiss Life als Partner gewonnen. Wie viele Kunden haben Sie dazu gewonnen?

Marco Weber: Ja, das kann ich jetzt offiziell bestätigen: Wir übernehmen per 1. Oktober 2008 für Swiss Life die Abwicklung und Verwaltung der Spar- und Anlageprodukte von rund 30000 Kunden.

Sind Sie mit anderen potenziellen Partnern in Verhandlungen?

Weber: Der Deal mit Swiss Life ist der erste Schritt. Mit unserer Banklizenz können wir jetzt auch Vermögensverwalter und Lebensversicherer als Partner gewinnen. Solche Partnerschaften wollen wir in den nächsten Monaten vorantreiben. Es wird weitere Abschlüsse geben. Vermögensverwalter sind für uns ebenso interessant. In der Schweiz verwalten rund 800 unabhängige Vermögensverwalter zusammen über 500 Mrd Fr.

ZFS hat noch keine Banklösung ...

Weber: Namen von potenziellen Partnern möchte ich nicht nennen.

Die Axa hat gleich selber eine Bank gegründet. Was heisst das für Sie?

Weber: Das spielt für uns keine Rolle. Es braucht eine grosse Kundenbasis, bis eine Bank vom Gewinn her tragend wird. Ich glaube daher nicht, dass es für Versicherer ein generelles Modell wird, eine eigene Bank zu gründen. Bei uns ist es anders: Wir sind vom Tag eins weg profitabel, weil wir insgesamt 250000 Kunden von AIG und Sarasin übernommen haben.

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Sie arbeiten auch mit Finanzdienstleistern zusammen. Suchen Sie neue Partner?

Weber: Heute sind es rund 200 unabhängige Finanzdienstleister, mit denen wir zusammenarbeiten. Das ist auch vollkommen ausreichend.

Worin unterscheidet sich die Bank Zweiplus von anderen Banken?

Weber: Wir bieten alle Angebote einer Bank mit Universalbankcharakter an, konzentrieren uns aber vor allem auf die Abwicklung. Wir stellen Partnern unsere Banklizenz und Infrastruktur zur Verfügung, das heisst wir bieten keine eigenen Produkte an und beraten zurzeit nur unsere Direktkunden, die wir von der Bank Sarasin und der AIG Private Bank übernommen haben.

Was ist der Vorteil?

Weber: Damit bleiben wir unabhängig und völlig frei von Interessenbindungen. Der Kunde unseres Partners wählt unter allen Produkten, die im Markt verfügbar sind. Gegen aussen trägt das Produkt den Namen des Partners. Das gleiche Konzept gilt in der Vermögensverwaltung und in der Vorsorge. Der Kunde wählt aus verschiedenen Vermögensverwaltern aus, ohne die Bankbeziehung zu wechseln.

Ist die Bank Zweiplus auch von den beiden Aktionären ? der Bank Sarasin und der AIG Private Bank ? unabhängig?

Weber: Wir haben gegenüber unseren Aktionären keine Verpflichtungen irgendwelcher Art. Ich verdiene an einem Fonds der Bank Sarasin gleich viel wie an einem UBS-Investmentfonds. Es existieren weder direkte noch indirekte Interessenbindungen.

Kürzlich wurden Kunden von DWS übernommen. Was ist als Nächstes geplant?

Weber: Es gibt noch ein paar andere Anbieter im Schweizer Markt, die im Rahmen des Konsolidierungsprozesses den Kontakt zu uns suchen.

An wen denken Sie?

Weber: Ich denke dabei vor allem an Fondsgesellschaften, die heute noch eine eigene Kundenadministration mit ihren Fonds betreiben. Es gibt ein paar in der Schweiz, entsprechende Gespräche sind auch bereits in Gang.

Wollen Sie auch im Ausland wachsen?

Weber: Ja, wir wollen die Zusammenarbeit mit den Finanzdienstleistern intensivieren, die bereits vor Ort sind. Partnerschaften mit Lebensversicherern und Vermögensverwaltern sind dagegen nicht geplant. Hier konzentrieren wir uns derzeit auf unsere angestammten Märkte Schweiz, Deutschland und Österreich.

In welchen ausländischen Märkten wollen Sie wachsen?

Weber: Wir planen den Markteintritt in Polen. Dies sehen wir als Modellfall. Danach sollen weitere Länder in Osteuropa erschlossen werden, zum Beispiel Tschechien und Slowenien.

Und ausserhalb von Osteuropa?

Weber: Das ist durchaus möglich. Im Moment müssen wir aber nicht in die Ferne schweifen. Es gibt sehr interessante Länder, die an unsere Heimmärkte Schweiz, Deutschland und Österreich angrenzen.

Kommen auch Übernahmen in Frage?

Weber: Die Bank Sarasin und die AIG Private Bank waren immer aktiv in Sachen Akquisitionen. Grundsätzlich sind wir nicht abgeneigt, es wäre aber schon ein grösserer Schritt. Es würde bedeuten, dass wir im Ausland eine eigene Tochtergesellschaft gründen. Aber wenn es eine Opportunität gibt, prüfen wir diese genau. Auch im Heimmarkt sind Akquisitionen nicht ausgeschlossen. Insgesamt wollen wir bis 2011 rund 2 Mrd Fr. an Neugeldern über Akquisitionen generieren.

Wie viele Neugelder wollen Sie in den nächsten Jahren gewinnen?

Weber: Das Ziel ist, bis 2011 rund 7 Mrd Fr. an Neugeldern zu gewinnen und damit die verwalteten Vermögen in diesem Zeitraum etwa zu verdoppeln. Wir wollen pro Monat zwischen 3000 und 5000 Neukunden gewinnen. In drei Jahren wollen wir rund eine halbe Million Kunden haben.

Akquirieren Sie Kunden auch selbst?

Weber: Nein, die Kundengewinnung soll vor allem über Partnerschaften laufen. Für weitere Direktkunden sind wir offen, haben aber keine konkreten Ausbaupläne.

Ist also auch kein grösserer Ausbau der Kapazitäten geplant?

Weber: Auf der Personalseite ist selbstverständlich ein moderates Wachstum gegeben, vor allem wenn wir noch in andere Länder expandieren. Mit rund 140 Mitarbeitern sind wir aber gut aufgestellt. Unser Hauptsitz in Altstetten bietet Platz für 170 Arbeitsplätze. Ich denke, dies wird in den nächsten Jahren ausreichen.

Wo steht die Bank Zweiplus in fünf Jahren?

Weber: Das Wachstum der Bank Zweiplus ist mit einer Verdoppelung der Kundengelder noch nicht erschöpft. Das Potenzial ist wesentlich grösser. Doch fünf Jahre sind eine lange Zeit. Die Finanzwelt wird dann anders sein als heute. Es wäre deshalb nicht opportun, eine Prognose zu machen.

Wagen Sie eine Gewinnprognose für 2008?

Weber: Wir erwarten einen Jahres- gewinn von rund 40 Mio Fr. Die Bank Sarasin wird die Bank Zweiplus im Rahmen ihrer Rechnungslegung konsolidieren.

Wird der Gewinn reinvestiert?

Weber: Das ist die Sache der Aktionäre. Sobald der Gewinn feststeht, wird entschieden. Die AIG Private Bank und die Bank Sarasin könnten sich auch eine Dividende ausschütten.

Werden weitere Aktionäre an Bord geholt?

Weber: Das suchen wir absolut nicht.

Bringen die Aktionäre die Beteiligungen an die Börse?

Weber: Die beiden Aktionäre haben dies diskutiert. Es ist ein mögliches Szenario, wenn sich der Erfolg wie gewünscht einstellt.

In welchem Zeitrahmen?

Weber: Das ist Sache der Aktionäre. Ich denke aber, dass es in den nächsten fünf Jahren realistischerweise noch keinen Börsengang geben wird.

Wie schätzen Sie die Konkurrenzsituation ein?

Weber: Vor der Gründung der gemeinsamen Bank haben sich im hiesigen Geschäft mit Finanzdienstleistern unter anderem auch die Bank Sarasin und die AIG Private Bank konkurrenziert. Mit der Bank Zweiplus wurde jetzt diese Konkurrenzsituation ausgeschaltet.

Sie haben keine direkte Konkurrenz?

Weber: Wir glauben, dass wir aufgrund unserer Grösse, Erfahrung und der technischen Infrastruktur die führende unabhängige Plattform sind.

Was bieten Sie Ihren Kunden?

Weber: Im Moment fokussieren wir uns noch auf fondsgestützte Produkte. Doch wir sind eine Bank mit Universalbankcharakter, das heisst, wir können auch eine EC-Karte, ein Lohnkonto oder einen Hypothekarkredit anbieten. Das eröffnet unseren Partnern nicht zuletzt auch ein erhebliches Cross-Selling-Potenzial, das wir in unseren Wachstumszielen für 2011 noch nicht einmal berücksichtigt haben.

Sie vergeben bald Hypothekarkredite?

Weber: Ja, genau. Auch die EC-Karte und das Lohnkonto werden kommen. Es ist also gut denkbar, dass die Bank Zweiplus die Nummer-eins-Kundenbeziehung wird. Sie müssen sich das so vorstellen: Ein AWD-Kunde hat dann ein AWD-Gehaltskonto, eine AWD-Kreditkarte und eine AWD-Hypothek. Wir bieten auch eine komplette E-Banking-Lösung an.

Werden die Produkte am Ende nicht teurer, weil Partner dazwischenstehen?

Weber: Eines ist klar. Wir wollen nicht als billiger Jakob auf den Markt kommen. Wir streben auf der Preisseite nicht die Marktführerschaft an, sondern wollen uns in erster Linie über unser Sortiment und die Qualität in der Abwicklung profilieren.