Nachdem der Swiss Market Index (SMI) im März noch Tiefstände prüfte, setzte die Erholung am Schweizer Aktienmarkt auf breiter Front ein. Vor allem zyklische Werte waren gefragt bei den Investoren. Insgesamt hat der SMI mit seinen 20 Mitgliedern seit Jahresbeginn rund 17% an Wert gewonnen. Der mit 222 Titeln breiter gefasste Swiss Performance Index (SPI) legte mit 22% noch deutlicher zu. Die SMI-Rangliste wird dieses Jahr von Swiss Life und Credit Suisse angeführt, gefolgt von den beiden Luxushäusern Swatch Group und Richemont.

Christoph Riniker, Aktienmarktstratege bei der Bank Julius Bär, geht davon aus, dass sich im 1. Halbjahr 2010 die Nachfrage nach Zyklikern erst mal fortsetzt. Im 2. Semester rechnet er jedoch mit einer Seitwärtsbewegung. Dann dürften vermehrt wieder die defensiven Titel gefragt sein. «Als Bremsklotz sehen wir in der zweiten Jahreshälfte Befürchtungen der Marktteilnehmer, dass die Leitzinsen angehoben werden könnten», erklärt Riniker.

Zinsen 2010 noch keine Gefahr

Thomas Lusetti, Leiter Aktien bei der VP Bank gibt sich diesbezüglich gelassen: «Selbst wenn es 2010 zu Zinserhöhungen kommt, werden diese in den Erfolgsrechnungen der Unternehmen noch keine grossen Spuren hinterlassen. Im kommenden Jahr dürfte sich die gesamtwirtschaftliche Situa- tion aufhellen und zusätzlich durch eine steigende Investitionstätigkeit unterstützt werden, denkt Lusetti. Dennoch erwartet er einen eher gemächlichen Start ins neue Aktienjahr: «Bis Ende 2009 könnte der Markt noch 1-2% steigen, danach rechne ich zunächst einmal mit einer Konsolidierung». Im Vergleich zum Ausland sieht Lusetti den Schweizer Aktienmarkt im nächsten Jahr leicht besser abschneiden als in diesem Jahr.

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Wenn defensive Werte in der Anlegergunst wieder steigen, dürfte dies dem Schweizer Leitindex nämlich gut bekommen. Die Schwergewichte Nestlé, Roche und Novartis machen im SMI nämlich über 50% der Kapitalisierung aus.

Kein gutes Zeugnis stellten die Anleger dieses Jahr den Medtech- und Biotech-Werten aus. So finden sich auf den letzten Plätzen in der SMI-Rangierung Lonza und Acte-lion. Lonza musste dieses Jahr zwei Gewinnwarnungen publizieren und leidet unter einem abgeschwächten Wachstum. «Das Unternehmen ist noch nicht über den Berg - auch wenn der Kurs attraktiv erscheint», so Lusettis Urteil. Actelion verzeichnet zwar nach wie vor ein attraktives Wachstum, allerdings hatten die Anleger mehr erwartet. Auch im SPI wird das untere Ende von Biotech-Werten dominiert. Mit Addex, Cytos und Basilea gehören gleich drei der fünf diesjährigen Verlierer-Aktien in dieses Segment. Da kleine Biotech- Firmen häufig ein Klumpenrisiko auf ein Produkt bergen, ist eine gewisse Vorsicht angesagt (siehe Seite 28).Im unteren Segment des SMI rangieren auch die Versicherer ZFS und Swiss Re. Die Titel haben sich zwar von ihren Tiefständen schon deutlich erholt, ihre Aktien liegen trotzdem noch im roten Bereich. Hier müssen die Firmen wohl noch einiges an Überzeugungsarbeit leisten, um den Anlegern zu beweisen, dass sie wieder auf einem guten Weg sind. Lusetti ortet bei den Versicherern im kommenden Jahr gutes Potenzial: «Die Erholung setzt sich fort», sagt er. Neben ZFS und Swiss Re empfiehlt er auch die kleinere National: «Günstig und gut aufgestellt», so seine Begründung.

Siegerpodest für Software-KMU

Mit grossem Abstand zur Nummer zwei besetzt das Software-KMU Day den diesjährigen ersten Platz im SPI. Die Aktien haben eine steile Performance von fast 370% hinter sich. Die Firma gewann dieses Jahr Marktanteile und konnte mit ihren Produkten überzeugen. Auch ist wohl die Befürchtung vieler Anleger, dass Technologie-Werte stark unter der Krise leiden könnten, so nicht eingetreten. Ähnliches gilt für Uster Technologies, welche immerhin ca. 160% teurer bewertet ist als zum Jahresbeginn. Ebenfalls beachtlich entwickelt haben sich 2009 Orascom und Dufry mit einer Performance von je rund 133%. Auch hier wurden Anleger wohl positiv überrascht: Im Duty-free-Geschäft wurde ein grösserer Einbruch erwartet.

Riniker rechnet Ende 2010 mit einem Stand des SMI bei 6750 Punkten (aktuell: 6540 Punkte). Etwas höher sei der Stand noch Mitte des Jahres. Unter seinen Top-Picks fürs Jahr 2010 findet sich Syngenta. Auch Lusetti empfiehlt auffallend viele defensive Werte zum Kauf. Darunter etwa Swisscom, Novartis oder Sonova.