Während die Schweizer Börse seit Anfang März mit einem Plus von 14% im SMI eine starke Erholung gezeigt hat, haben die Aktien von Swisscom im gleichen Zeitraum fast 16% auf 290 Fr. eingebüsst. «Der Rückgang ist weniger auf das operative Geschäft von Swisscom zurückzuführen, als auf eine börsentechnische Reaktion», erklärt Michael Inauen, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Als defensiver Wert würden die Aktien von Swisscom in einer Aufschwungsphase eher vernachlässigt, zudem erfolgte in dieser Zeit eine Dividendenausschüttung von 19 Fr.

Schwächeres 1. Quartal erwartet

Neben dieser technischen Reaktion haben die Swisscom-Aktien aber auch den durchzogenen Geschäftsabschluss 2008 zu spüren bekommen. Zudem wird erwartet, dass das 1. Quartal 2009, welches am 6. Mai präsentiert wird, eher beschwerlich gewesen sein dürfte. «Wir erwarten einen leichten Rückgang sowohl beim Umsatz als auch auf operativer Stufe», so Inauen. Beim Gewinn prognostiziert er dagegen ein leichtes Plus.

Dennoch hält er den Zeitpunkt für ein Investment in Swisscom angesichts der Unsicherheit über die Nachhaltigkeit der aktuellen Erholung für günstig. «Obwohl die Dividendenausschüttung tiefer als erwartet ausgefallen ist, handelt es sich bei den Swisscom-Aktien mit über 6% nach wie vor um Dividendenperlen», begründet der ZKB-Analyst. Zudem verfüge der Schweizer Telekom-Riese über ein starkes Inlandgeschäft und mit Fastweb über eine Tochtergesellschaft mit gutem Wachstumspotenzial. «Fastweb wächst noch dynamisch und federt den Rückgang im Heimmarkt etwas ab», so Inauen. Mittelfristig erwartet er von Fastweb auch einen positiven Beitrag an die Ebitda-Marge der Muttergesellschaft.

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Im Gegensatz zur Swisscom musste die Deutsche Telekom wegen ihrer Auslandsaktivitäten jüngst eine Gewinnwarnung für das Gesamtjahr 2009 ausgeben. Grund dafür sind die Umsätze in den USA, Grossbritannien und Polen, die unter einem starken Nachfragerückgang und erhöhtem Wettbewerb leiden.

Rückbesinnung auf Telekoms

«Eine Analogie von der Deutschen Telekom auf die übrigen europäischen Telekommunikationsfirmen lässt sich aber nicht herstellen», sagt Sal.-Oppenheim-Analyst Frank A. Rothauge. Sollte die Erholung an den Aktienmärkten ins Stocken geraten, erwartet er eine Rückbesinnung der Investoren auf die Telekom-Titel. Eine genaue Selektion der Unternehmen sei aber unumgänglich: «France Télécom dürfte unter der Währungsabwertung in Osteuropa leiden, während BT (British Telecom) zusätzlich hohe Risiken im Pensionsfonds aufweist», so Rothauge.

Noch immer hoch im Kurs steht Telefonica dank der breiten Diversifizierung und den Aktivitäten in den Wachstumsmärkten in Lateinamerika. «Bei Telefonica ist nicht viel passiert», ist der Sal.-Oppenheim-Analyst überzeugt. Schliesslich seien die Titel wenig konjunktursensitiv und würden einen Wirtschaftsabschwung am ehesten bei den Roaming-Umsätzen zu spüren bekommen, die infolge einer reduzierten Reisetätigkeit zurückgehen dürften. «Dieser Bereich macht 7 bis 10% der Mobilfunkumsätze aus, die in der Regel rund die Hälfte zum Konzernumsatz beitragen», sagt Rothauge. Neben Telefonica empfiehlt Sal. Oppenheim Vodafone, Telecom Austria sowie, trotz Gewinnwarnung, die Deutsche Telekom zum Kauf.