Der Computerzubehörhersteller Logitech musste dieser Tage seine Umsatz- und Gewinnzahlen um je 2,5 Mio Dollar reduzieren. Grund dafür sind «bisher nicht festgestellte Verpflichtungen von eigenem Verkaufspersonal in der asiatisch-pazifischen Region», wie es im verspätet eingereichten Pflichtbericht zum 1.-Quartals-Resultat 2010 an die US-Börsenaufsicht SEC heisst. Ob sich hinter dieser verklausulierten Botschaft ein Betrugsfall versteckt, wird von Logitech nicht kommentiert es laufen in der Sache aber offenbar Untersuchungen.

Asiaten preschen vor

Logitech hatte für das letzte Quartal einen Umsatz von 328 Mio Dollar und einen operativen Verlust von 31,4 Mio Dollar ausgewiesen. Gemäss dem Bericht an das SEC kann Logitech nicht mit Sicherheit sagen, ob es beim Schaden in dieser Höhe bleibt und ob die Summe nachträglich noch einmal etwas weiter nach oben korrigiert werden muss. Für die Aktionäre reduziert sich dadurch die Gewinnerwartung für das laufende Geschäftsjahr 2010 - Logitech schliesst die Bücher Ende März - um 3%. Immerhin: Für das laufende Quartal rechnen die Analysten mit einem kleinen operativen Gewinn um 10 Mio Dollar, entsprechend 6 Cent pro Aktie.

Wichtige Anhaltspunkte zum Geschäftsgang im laufenden Quartal kommen jetzt von den taiwanesischen Kontraktherstellern sowie den Quartalsabschlüssen der beiden führenden PC- und Notebookhersteller Hewlett-Packard (HP) und Dell. Die vier taiwanesischen Notebookhersteller Compal, Quanta, Wistron und Inventec konnten ihre Umsätze im Juli gegenüber dem bereits deutlich stärkeren Juni noch einmal marginal verbessern.

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Diese vier Firmen beliefern auch die grossen US-Hersteller mit massgeschneiderten Notebooks. Und laut einem Bericht der lokalen Fachzeitschrift «DigiTimes» haben diese vier Hersteller auch über volle Auftragsbücher für August und September berichtet. Die Quartalsabschlüsse von HP am 18. und Dell am 27. August werden weitere Hinweise über die Erholungstendenzen im Computermarkt geben. Die Analysten der Bank of America haben sich bei einigen Wiederverkäufern von HP umgehört. Vor allem in den USA habe sich der Privatkundenmarkt stabilisiert. In Europa sei dieser aber noch schwach. Bei JP Morgan erwarten die Analysten, dass die Gewinnschätzung pro Aktie von 89 Cent leicht übertroffen wird, und auch der Umsatz soll geringfügig über der Konsensschätzung von 27,23 Mrd Dollar liegen. Die meisten Analysten empfehlen die HP-Aktie weiterhin zum Kauf.

Dell-Aktien nur zweite Wahl

Bei Dell entfallen vier Fünftel des Umsatzes auf Firmenkunden. Diese sparen aber zurzeit stärker als Privatkunden. Deshalb gilt Dell als besonders exponiert. Das grösste Problem sind gegenwärtig die gestiegenen Komponentenpreise. Die Analysten von Barclays erwarten einen Rückgang des Quartalsumsatzes um 23% auf 12,6 Mrd Dollar und einen Gewinn von 20 Cent pro Aktie, wenn alle Einmalfaktoren berücksichtigt werden. Die Valoren von Dell sind deshalb bei Analysten lediglich zweite Wahl.