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Dell ist für keine Überraschung gut

Beim Quartalsergebnis Ende November besteht kaum Potenzial für eine positive Überraschung. Mit einer konservativeren Derivatestrategie kann man trotzdem gewinnen.

Von Matthias Niklowitz
am 10.10.2007

DERIVATESTRATEGIE. Die Dell-Aktien sahen in den letzten zwölf Monaten zunächst einen Aufwärts-trend um 20%, dann ein Abbröckeln des Kurses um 20%, es folgte ab März ein weiterer Anstieg um 25% und seit Anfang August eine Schaukelbewegung zwischen 26 und etwas mehr als 28 Dollar. Das ideale Umfeld für kurzfristig operierende Trader, die statt der Aktie gleich in Hebelpapiere investiert haben.

Revolutionierte Strategie

Fundamental profitierte die Aktie von ihrem Turnaround, der Besetzung von wichtigen Positionen mit neuen Leuten und der wichtigsten Strategieänderung, die das Unternehmen jemals in seiner Geschichte vorgenommen hat: Ergänzend zum Direktverkauf kommt jetzt auch der Verkauf über Partnerfirmen und ihre Kanäle (Kleinhändler, Retailgeschäfte) hinzu. Diese Informationen sind zwar bereits im Kurs enthalten, aber was noch nicht enthalten ist, sind die Ergebnisse – die werden erst am 29. November fällig sein und dürften, nachdem die Probleme mit den Bilanzmauscheleien erledigt sein sollten, später nicht mehr korrigiert werden. Die Analysten der Citibank haben sich bei Zulieferern umgehört, um in Erfahrung zu bringen, wie sich das Geschäft der letzten Wochen angelassen hat. Die Zeit nach den Sommerferien ist für viele amerikanische Firmen deshalb besonders wichtig, weil sich dann Schüler und Studenten in der «Back to school»-Woche mit neuen Notebooks und weiteren Arbeitsmitteln eindecken. Und hier dürfte es für Dell nicht zu einer positiven Überraschung kommen: «Engpässe bei LCD-Monitoren und Notebook-Gehäusen auf dem Höhepunkt des Back-to-School-Geschäftes haben das US-Consumer- und KMU-Geschäft negativ beeinflusst», schreibt Citibank-Analyst Richard Gardner, «das beseitigt jedes Aufwärtspotenzial beim Umsatz». Wichtiger noch als der Umsatz ist das Überraschungspotenzial beim Gewinn – wenn dieser über Erwarten gut ausfällt, sprinten die Kurse der Calls nach oben. Hier zeigt sich laut Gardner ein gemischtes Bild: Einerseits hat Dell die Kosten gut unter Kontrolle. Bei Speicherchips fallen die Preise moderat, bei Flachmonitoren steigen sie hingegen. Unter dem Strich bleibt die Bruttomarge dennoch konstant. Andererseits ist die Personalreduktion, die im Frühjahr angekündigt worden war, noch nicht umgesetzt worden. Die Kommentare beim letzten Quartals-ergebnis weisen darauf hin, dass hier erst Anfang 2008 mit grösseren Entlassungen und entsprechenden Wirkungen auf das Ergebnis zu rechnen ist.

Limitiertes Aufwärtspotenzial

Der Analystenkonsens für den Gewinn pro Aktie liegt bei 34 Cents, die Komponentenengpässe, die 1 bis 2 Cents kosten dürften, könnten durch die tieferen Komponentenpreise ausgeglichen werden. Aber mehr liegt laut Gardner kaum drin. Auf diesem Hintergrund ist das Kurspotenzial beschränkt. Die Aktie notiert bei knapp 28 Dollar, die drei von UBS und Vontobel begebenen Calls mit Verfall im Dezember und Ausübungspreis bei 30 Dollar müssen deshalb besser beobachtet werden als der Vontobel-Schein DELSC, der bei einem Ausübungspreis von 25 Dollar ungleich defensiver ist. Etwas mehr Zeit haben die Besitzer von Scheinen mit höheren Ausübungspreisen zwischen 35 und 40 Dollar, die aber alle erst im Laufe des nächs-ten Jahres verfallen. Und auch auf der sicheren Seite sind vorläufig die Besitzer des CS-Discount-Zertifikates TODEL. Der Cap liegt hier bei 27 Dollar, der Verfall ist erst im Juni nächsten Jahres.

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