Selten hatten Anleger so klare Indizien auf eine sich abzeichnende Abschwächung in einer Branche wie jetzt: Der US-Chipkonzern Texas Instruments erwartet beim routinemässigen Update zur Quartalsmitte, dass ein grosser Kunde Aufträge für 3G-Chips, die das Kernstück moderner Handys sind, deutlich kürzt. Die Analysten von Exane BNP Paribas wiesen darauf hin, dass lediglich Nokia als Kunde in Frage komme. Und Sony Ericsson hat ebenfalls eine massive Warnung veröffentlicht und den Umsatz 14% unter die Analystenerwartungen gelegt. Der Gewinn soll sich glatt halbieren. Ursache sind Komponentenknappheit im mittleren Segment sowie tiefere Nachfrage im High-End-Bereich.

Aus dem Umsatzeinbruch bei Texas Instruments lässt sich ein Rückgang von 6 Mio 3G-Handys hochrechnen. Zwei Drittel dürften auf das Konto von Nokia gehen. Daraus lässt sich laut Analysten aber nicht auf einen unmittelbar bevorstehenden Umsatzeinbruch bei Nokia schliessen, da die jetzt nicht gefertigten Chips in Geräte eingebaut würden, die erst im 2. Quartal ausgeliefert werden.

Nokia bleibt Favorit

Die Probleme bei Sony Ericsson weisen auf eine Abschwächung des Gesamtmarktes hin. Weil aber die Probleme im High-End-Bereich liegen und Nokia besonders bei günstigen Modellen in aufstrebenden Ländern hohe Marktanteile hält, gilt die Aktie aufgrund des prognostizierten Gewinnwachstums von 10% für 2008 weiterhin als Sektorfavorit. Die sich abzeichnende Verlangsamung des Handy-Geschäfts dürfte laut den Analysten von Öhman zu einer Halbierung des Gewinnbeitrags des Joint Ventures Sony Ericsson an Ericsson auf 800 Mio schwed. Kronen führen. Weil weniger 3G-Handys auch weniger Datenverkehr bedeuten, dürfte der Umsatz von Ericsson 2008 bei 191 Mrd Kronen liegen, 2% mehr als 2007.

Anzeige

Motorola kein Kauf

Der Gewinn pro Aktie soll laut den Analysten von Öhman um 10% auf 1,15 Kronen schrumpfen. Bei Ericsson akzentuieren sich damit die Probleme, nachdem bereits im letzten Jahr Sorgen um die gestaffelten Zahlungsmodalitäten bei Grossprojekten aufgetaucht waren.

Hausgemachte Probleme bei Motorola führen dazu, dass die einstige Nummer zwei des Handy-Marktes bald hinter Sony Ericsson, die aktuelle Nummer drei, zurückfallen könnte. Die vergangene Woche angekündigte Aufspaltung blieb hinsichtlich des Zeitraumes («irgendwann 2009») vage und löste die strukturellen Probleme nicht. Auch wenn die Analysten der Citibank darauf hinwiesen, dass die Summe der Teile 14 Dollar pro Aktie kosten würde, reagierte der Motorola-Aktienkurs kaum. Die Aktie ist gegenwärtig kein Kauf.