Das neue Jahr hatte schon mit einem Ausrutscher begonnen. Während der letzten Tage gab es an den Börsen nun zeitweise kein Halten mehr. Allein der schwer gewichtete Swiss Market Index (SMI) stürzte mehr als 8% ins Minus. In der Folge steht die Blue-Chip-Benchmark bei 7250 Punkten rund 20% unter ihrem letzten Höchststand vom vergangenen Juni – damit qualifiziert sich der hiesige Aktienhandel erstmals seit fünf Jahren als «Bärenmarkt».

Verschmähte Geschenke

Dazu passt die Stimmungslage der Investoren. Sie ist so schlecht wie zuletzt vor fünf Jahren. Zum Wochenauftakt fielen die Börsen so stark wie seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 nicht mehr, auch nachdem die US-Regierung ein 150-Mrd-Dollar-Paket zur Konjunkturbelebung in Aussicht gestellt hatte. Erst die von der US-Notenbank notfallmässig beschlossene Zinssenkung um 0,75% leitete eine Gegenbewegung ein.

Doch auch dieser massive Eingriff konnte die Verluste gerade bei Finanztiteln nicht mehr wettmachen. UBS und Credit Suisse gaben innert Wochenfrist 14 und 16% ab, die Versicherer Swiss Re und ZFS je 14%. «Jetzt herrscht Panik», sagt Christian Gattiker, Head Equity & Strategy Research bei der Bank Julius Bär., «die Anleger verlieren den Kopf.» Und mit dem Kopf geht meist auch viel Geld verloren. Besser ist es, sich vor dem schnellen Handel die wichtigsten Fragen zum weiteren Vorgehen zu stellen.

Anzeige

Wie tief werden die Märkte noch fallen?Das Ausmass der gegenwärtigen Verluste ruft nach Vergleichen mit der Vergangenheit – Beobachter ziehen mittlerweile Parallelen zur Rezession von 1990. Damals verlor der SMI rund 30% an Wert. Noch ist aber eine US-Rezession nur ein Szenario, weshalb kurzfristig eine weitere Gegenbewegung wahrscheinlicher ist. Aber «für eine richtige Erholung müssen die Anleger erst einmal wieder Vertrauen in das Finanzsystem gewinnen», gibt Hanspeter Hausheer, Ökonom im Wealth Management Research der UBS, zu bedenken. Für die Kurse heisst das: Noch ist der Boden nicht erreicht.

Gibt es Ausnahmen von der globalen Finanzkrise?Die Kursverluste der letzen Tage haben alle Märkte ins Minus gerissen. Gerade in Europa erwartet aber etwa die UBS auch 2008 stabiles Wachstum, womit sich hier die Aktien rascher erholen könnten. Die Schwellenländer-Börsen gelten dagegen – trotz der hohen Verluste – immer noch als teuer. Bei US-Aktien rät die Investmentbank Morgan Stanley derzeit gar zum Verkauf.

• Sollte verkauft werden, bevor es schlimmer kommt?«In die Panik eigene Aktienpositionen zu verkaufen, ist keine empfehlenswerte Strategie», mahnt Gattiker von Julius Bär. Halten heisst deshalb die Devise für durchschnittlich risikofreudige Anleger – und auf der Seitenlinie zuwarten, bis der Markt mittelfristig wieder Boden findet.

• Wie ist das Portefeuille abzusichern?Für kurzfristig agierende Investoren empfiehlt sich eine Stop-Loss-Limite, um ausufernde Verluste zu begrenzen. Wer auf einen weiten Horizont hin anlegt, sollte die Aktien dagegen halten. Dabei sind Titel mit einer guten Dividendensicherheit wie etwa Lonza, Roche oder Nobel Biocare zu bevorzugen, oder devensive Werte wie Syngenta und Nestlé. Zusätzlich empfehlen sich Optionsstrategien wie der Einsatz von Kapitalschutzprodukten (siehe Kasten). Der Haken dabei: Solche «Versicherungen» fürs Portefeuille sind aufgrund der Marktrisiken teuer geworden.

• Wie handeln Fondsbesitzer?«Aus Tagesbewegungen heraus Fonds zu verkaufen, ist nie eine gute Idee», sagt Rolf Maurer, Partner bei der Bevag Better Value. Denn die Trades würden meist mit einer Zeitverzögerung ausgeführt. Wer unbedingt Anteile abbauen wolle, solle die Mittel auf Anlagespar- oder Festgeldkonten parken. Maurer rät unterdessen zum Halten von Fondsanteilen. An den Börsen tiefrote Tage könnten gar für den schrittweisen Aufbau von Positionen genutzt werden, sagt Maurer.