Eigentlich hätte es schon früher auffallen müssen. Doch wenn die Gewinne sprudeln, schaut keiner richtig hin. «Die UBS ist ein Hedge-Fonds», sagt Hans Geiger, Professor am Swiss Banking Institute der Universität Zürich. Denn in den letzten Jahren sei die Bilanzsumme dramatisch aufgebläht worden, während das Eigenkapital relativ konstant geblieben ist.

Die Grossbank hat heute mit knapp 2,3 Billionen Franken eine der grössten Bankbilanzen auf der Welt. Allein das Handelsgeschäft betrug im letzten Jahr 774 Mrd Fr. «Davon braucht die Bank nur einen kleinen Teil für ihr Kundengeschäft, der Rest ist Anlage und Spekulation auf eigene Rechnung», so Geiger.

Spiel mit der Banklizenz

Das Prinzip ist einfach. «Die UBS konnte dank ihrem Spitzenrating billig Fremdkapital aufnehmen», sagt der ehemalige UBS-Konzernchef Luqman Arnold. «Das hat die Bank ausgenutzt, um auf eigene Rechnung riskante Papiere zu kaufen.» Banken-Professor Hans Geiger sieht dies ähnlich: «Das ist eine Arbitrage oder ein Spiel mit der Banklizenz und dem damit verbundenen Rating.»

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Lange Zeit ist das Spiel aufgegangen. Doch seit sich die Bank im US-Hypothekenmarkt verspekuliert hat, kommt der Bumerang zurück. Die Verluste drücken auf das Eigenkapital, das Rating verschlechtert sich und zudem lassen sich bestimmte Wertpapiere im Moment nicht verkaufen. Und wegen des extensiv betriebenen Eigenhandels hat das Vertrauen in die ganze Bank gelitten.

Jetzt gilt es, das Vermögensverwaltungsgeschäft zu schützen. Ideen gibt es einige, für Aufsehen sorgen derzeit aber vor allem die öffentlichen Briefe des ehemaligen UBS-Chefs Luqman Arnold an den heutigen UBS-Vizepräsidenten Sergio Marchionne. Noch vor der Generalversammlung vom 23. April 2008 soll es zu einem Treffen zwischen der UBS und Arnold kommen, der heute CEO der britischen Investmentgsell-schaft Olivant Advisors ist und kürzlich einen Anteil von 0,7% an der UBS erworben hat.

Arnold will unter anderem eine rechtliche Trennung der Investmentbank von der Vermögensverwaltung erreichen. Danach sollen für die Investmentbank alle Optionen geprüft werden. Ein Verkauf sei allerdings vor dem Jahr 2009 nicht realistisch, da keine Bank diese «giftige» Einheit wolle. Aus seiner Sicht wäre eine Abspaltung der Investmentbank für die Aktionäre vorteilhaft (siehe Text unten). Zudem seien die einzelnen Unternehmensbereiche nicht besonders stark integriert. Anders sieht dies Bankenprofessor Geiger: «Da die UBS in Schwierigkeiten steckt, ist im Moment ein organisatorischer Kraftakt sicher nicht klug.» Die UBS könne aber jederzeit Wertpapiere verkaufen, um den Hedge-Fonds zu verkleinern.

Höhere Eigenmittel

Damit hat die Grossbank bereits begonnen, im letzten Jahr konnten die Handelsbestände um gut 100 Mrd Fr. gesenkt werden. Die Bilanzsumme der Investmentbank soll 2008 um weitere 30% schrumpfen und die Massnahmen zur Reduktion der Eigenhandelsgeschäfte in den nächsten zwölf Monaten sollen umgesetzt werden. In Medienberichten ist die Rede von Stellenabbau im Eigenhandel.

Solchen Auswüchsen soll künftig vorgebeugt werden. Die Eidgenössische Bankenkommission (EBK) will jedenfalls mittelfristig die Eigenmittelvorschriften für das Investment Banking in der Schweiz verschärfen. Damit erhalten die Banken weniger Spielraum, um mit geliehenem Geld riskanten Handel auf eigene Rechnung zu betreiben. Nach der Kennzahl «Eigenkapital zu Bilanzsumme» sei das Eigenkapital der UBS heute «eher knapp bemessen», sagt Geiger.

 

 


Aufspaltung bringt Vorteile für die Aktionäre

Die Aktie der UBS hat in der letzten Woche über 20% zugelegt. Nicht zuletzt haben dem Titel Spekulationen um eine Aufspaltung der Bank auf die Sprünge geholfen. Anleger erhoffen sich von einer Aufspaltung einen konkreten Kursgewinn.

Aus wissenschaftlicher Sicht überwiegt laut Manuel Ammann, Banken-Professor an der Universität St. Gallen, heute die Meinung, dass eine Fokussierung grundsätzlich mehr Aktionärswert erzeugt als eine Konglomeratebildung.

Eine Studie der Universität St. Gallen vom Dezember 2007 kommt zum Schluss, dass die untersuchten Finanzkonglomerate an der Börse rund 24% tiefer bewertet sind, als die Summe ihrer Segmente wert wäre, wenn diese als unabhängige Unternehmen geführt würden.

Konglomerate haben zwar durchaus ihre Vorteile, wie etwa Skaleneffekte, eine tiefere Steuerbelastung oder den Ausbau eines internen Kapitalmarktes. Laut Studie überwiegen jedoch die Nachteile; zum Beispiel die Gefahr, dass ineffiziente Quersubventionierungen zwischen den einzelnen Einheiten stattfinden.

Die UBS schätzt, dass mit dem «One Bank»-Ansatz 2007 rund 3,6 Mrd Fr. an zusätzlichen Erträgen erzielt wurden. Die Synergien auf Kosten- und Refinanzierungssei-te werden auf jährlich rund 1 Mrd Fr. geschätzt. Gemäss einer Studie des Brokers Helvea, die noch vor Ausbruch der US-Subprime-Krise verfasst wurde, würde eine Abspaltung die Aktionäre 6 Mrd Fr. kosten. Insgesamt kommt die Studie zum Ergebnis, dass die Synergien zwischen den einzelnen Divisionen für die Aktionäre weniger wert sind als der sogenannte «Konglomeratsabschlag», den die UBS-Aktie deswegen hinnehmen muss.

Gegenüber reinen Vermögensverwaltern wie etwa Julius Bär wird die Aktie der Grossbank wegen der grösseren Volatilität der Erträge und der Risiken im Investment Banking an der Börse mit ei-nem Abschlag bewertet.(ng)