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Dividenden
Den Langfrist-Test bestanden

Kupfer: Heute ist die Aussagekraft ähnlich hoch wie die des Baltic Dry Index. Keystone

Passive Indexanlagen bieten Anlegern seit Jahren Vorteile. Sind Fonds auf alternativ gewichtete Indizes die bessere Lösung?

Von NIZAM HAMID*
am 04.11.2016

Dividenden haben eine theoretische und empirische Bedeutung für die Wertbestimmung von Aktien. Historisch gesehen stammt der Grossteil der realen Erträge der Aktienmärkte aus der Wiederanlage von Dividenden, die sich im Laufe der Zeit angesammelt haben.

Dividenden spiegeln wider, wie Unternehmen die Fähigkeit zur Cash-Generierung über einen gesamten Geschäftszyklus einschätzen. Folglich kann die vor kurzem pro Aktie ausgewiesene Dividende auch Informationen liefern, die der Firmenleitung bekannt sind, dem breiteren Markt aber möglicherweise nicht zugänglich gemacht wurden.

Perfektes Stresstest-Szenario

Eine Untersuchung der vor zehn Jahren in den USA aufgelegten dividendengewichteten Indizes auf US- und internationalen Aktien von 2006 bis 2016 durch WisdomTree kommt zu klaren Ergebnissen: Vier der fünf dividendengewichteten WisdomTree-Indizes in den USA und in den übrigen Industrienationen schnitten über zehn Jahre besser ab als ihre breit gefassten, nach Marktkapitalisierung gewichteten Vergleichsindizes. Gemessen an den Value-Segmenten dieser Benchmarks fallen der Studie zufolge die Vergleichszahlen sogar noch stärker zugunsten der dividendengewichteten Indizes aus: Alle fünf Indizes schlugen ihre Value-Benchmarks.

Drei Faktoren

Eine der wichtigsten Fragen, die es bei der Bewertung jeder Anlagestrategie zu stellen gilt, ist folgende: Gab es einen besonderen Makrotrend, der die Überrendite erklärt? Rückblickend lassen sich drei Faktoren identifizieren, welche die Anlagestrategien belasteten:

1. Value-Aktien entwickelten sich während des letzten Jahrzehnts in den USA und den anderen Industrienationen schlechter als Wachstumstitel.

2. Dividendentitel erlebten eines der schlechtesten Jahrzehnte seit 1957.

3. Dividendengewichtete WisdomTree-Indizes, vor allem in den USA, haben Finanzwerte durchgängig überbewertet - der Sektor mit der schlechtesten Performance und der höchsten Volatilität während der Finanzkrise.

Diese Erkenntnisse geben ein perfektes Stresstest-Szenario für eine dividendengewichtete Strategie ab. In den USA schlugen dennoch zwei der drei dividendengewichteten WisdomTree-Indizes ihre kapitalisierungsgewichteten Vergleichsindizes. Dazu toppten alle drei das Value-Segment eines kapitalisierungsgewichteten Indexes - und das, obwohl Value-Titel während dieses Zeitraums schlechter als Wachstumswerte abschnitten.

Risikoprämie und Diversifikation

Wie lässt sich das erklären? Detailliert betrachtet wurden die Indizes für ihre Sektorallokation und Titelauswahl im breiten Markt und in den Small-Cap-Dividend-Indizes belohnt. Im weiteren Sinne könnte aber folgende Antwort die einfachste sein: Die dividendengewichteten Indizes schöpften die zahlreichen Risikoprämien effektiver aus als ihre nach Marktkapitalisierung gewichteten Vergleichsindizes.

Auch die Richtung der Zinsen kann für die Entwicklung dividendengewichteter Indizes von Bedeutung sein. Dividendengewichtete Indizes sind gewöhnlich etwas stärker auf Marktsektoren mit höherer Kapitalintensität ausgerichtet. Es kann daher zu Situationen kommen, in denen der gesamte Hebel für das Portfolio grösser als bei einem nach Marktkapitalisierung gewichteten Vergleichsindex ausfällt.

Hohe Diversifizierung

In Phasen, in denen die Zinsen schneller als vom Markt erwartet steigen, können dividendengewichtete Indizes mit Ausrichtung auf zinssensitivere Sektoren unter Umständen schlechter als der Gesamtmarkt abschneiden. Wichtig sind in diesem Zusammenhang eine hohe Diversifizierung und eine Beschränkung auf Sektorebene.

Geht man davon aus, dass Aktienkurse ineffizient sind oder nicht zu jeder Zeit den fairen Wert eines Unternehmens spiegeln, kann das Marktportfolio anfällig für eine Blasenbildung werden, sollten derartige «Kursfehler» über Monate oder Jahre bestehen, denn sie werden durch die Kapitalisierungsgewichtung verstärkt und fliessen in die Indexgewichtungen ein. Daher sind kapitalisierungsgewichtete Indizes von einer systematischen Übergewichtung überbewerteter Aktien und Untergewichtung unterbewerteter Aktien bedroht - wo und wann auch immer sie auftreten. Diese Risiken werden im dividendenbasierten Ansatz eingedämmt.

*Nizam Hamid ist ETF Strategistin bei WisdomTree in London.

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