Die liechtensteinisch-schweizerische Vermögensverwaltungsgruppe Kaiser Ritter Partner ist als einer der ersten hiesigen Finanzdienstleister voll auf eine Weissgeld-Strategie eingeschwenkt. Explizit bietet die Gruppe die Legalisierung unversteuerter Vermögen als Dienstleistung an und berät über die Tochter Financial Advisors in Zollikon ZH auch US-Kunden in der steuerkonformen Vermögensverwaltung.

Unter Ihrer Führung ist Kaiser Ritter Partner von einem der grössten Anbieter von Liechtensteiner Trusts zum Pionier in der Legalisierung unversteuerter Vermögen mutiert. Ein Wandel vom Saulus zum Paulus?

Fritz Kaiser: Nein, nicht wirklich. Wir respektieren zwar die Vergangenheit und wie dieses Geschäft einmal funktionierte, stellen uns aber heute dem Wandel und akzeptieren neue Realitäten. Im Interesse des Kunden und in unserem eigenen Interesse.

Aber damit sind Sie doch der verlängerte Arm ausländischer Steuerbehörden?

Kaiser: Das sind wir nicht. Wir sind und bleiben die Berater unserer Kunden und vertreten konsequent deren Interessen. Gerade deshalb fühlen wir uns verpflichtet, grosse Veränderungen aufzuzeigen und Gesetze richtig anzuwenden.

An der Legalisierung unversteuerter Vermögen führt kein Weg mehr vorbei?

Kaiser: Nein.

Wieso?

Kaiser: Sehen Sie sich die Staaten an, welche die Schweiz und Liechtenstein umgeben. Viele dieser Länder sind finanziell krank und einige gehören in die Intensiv-station. Diese Volkswirtschaften sind hoch verschuldet und müssen so rasch wie möglich saniert werden. Ihre Politiker sind nur für wenige Jahre gewählt und sollen ein fundamentales, langfristiges Problem kurzfristig lösen - eine Art Mission impossible. In dieser Zwickmühle fragen sich die Staaten, wo sie die nötigen Mittel rasch beschaffen können.

Bei denen, die welche flüssig haben ...

Kaiser: Ja, bei den multinationalen Unternehmen, bei erfolgreichen mittelständischen Unternehmern, bei Banken und natürlich bei den Reichen. Der Steuerzahler, der jetzt vielleicht ein altes Problem durch eine Selbstanzeige löst, muss sich deshalb fragen: Reicht das denn und was kommt nachher? Viele gönnen sich dabei einen neidischen Blick in die Schweiz. Das Land hat ein vernünftiges Steuersystem, seine Staatsverschuldung liegt bei 45%, halb so viel wie in Europa und den USA, es ist liberal und schützt die Privatheit - und ist damit für viele eine Traumdestination.

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Nur eben, Vermögen verstecken geht nicht mehr?

Kaiser: Die Schweiz und auch Liechtenstein müssen sich über die neue Situation klar werden. Sie können dem Druck der hoch verschuldeten ausländischen Staaten nicht standhalten. Um von der Schweiz aus steuerkonforme Finanzdienstleistungen anbieten zu können, müssen Staat und Finanzindustrie gemeinsam rasch Lösungen rund um das alte Bankgeheimnis finden. Dann können die Vermögenden weltweit die Traumdestination Schweiz für die gesetzeskonforme Sicherung ihres Geldes in Zukunft buchen.

Der Offshore-Standort Schweiz ist also nicht in Gefahr?

Kaiser: Ich glaube, dass der Finanzplatz Schweiz in diesen unsicheren Zeiten hervorragende Voraussetzungen als sicherer Hafen für versteuerte ausländische Vermögen hat. Die Schweiz braucht vor allem kluge bilaterale Abkommen mit ein paar wichtigen Staaten und muss das Bankgeheimnis neu definieren.

Wozu? Faktisch ist dieses doch schon so gut wie tot.

Kaiser: Das Bankgeheimnis als Werkzeug zur Steuerhinterziehung funktioniert nicht mehr, einverstanden. Aber das Bankgeheimnis zum Schutz von versteuerten Finanzdaten wird enorm an Bedeutung gewinnen, sobald man dieses neu definiert und dafür erklärbar macht.

Aber der Trend geht doch unaufhaltsam Richtung gläsernen Bankkunden?

Kaiser: Die Kommunikation zwischen Bank und Steuerbehörde wird da sein, ja. Aber der Kunde hat in der Schweiz und in Liechtenstein weiterhin Anspruch auf die Vertraulichkeit seiner Daten gegenüber der Öffentlichkeit. Im Ausland ist die Thematik des gläsernen Bürgers viel weiter fortgeschritten als hierzulande.

Und Sie glauben, die Schweiz könne diesbezüglich noch einmal einen Sonderzug fahren?

Kaiser: Der Bedarf nach dieser Diskretion und zusätzlichem Vermögensschutz besteht und Banken in der Schweiz und in Liechtenstein können diesen befriedigen. Dafür müssen Sie allerdings neue Voraussetzungen schaffen. Sie brauchen zusätzliches Steuer-Know-how und Steuerreportings für das Land des Kunden. Und Sie benötigen teilweise auch spezielle Lizenzen im Ausland.

Die meisten Vermögensverwalter warten aber lieber die Abkommen mit dem Ausland ab, bevor sie handeln.

Kaiser: Den Letzten beissen die Hunde. Wir versuchen seit 2006, den Wandel zu nutzen, denn letztlich ist der Trend zur Steuerkonformität in der Schweiz und in Liechtenstein nicht mehr aufzuhalten - und er entwickelt sich schneller, als manchen lieb ist.

Werden wegen des hohen Aufwands viele kleinere Anbieter so oder so aufgeben müssen?

Kaiser: Es wird eine Bereinigung geben. Denn das Volumen der noch unversteuerten ausländischen Vermögen auf hiesigen Konten ist gross, und nicht jeder wird rechtzeitig Lösungen haben.

Wie gross?

Kaiser: Die letzte Studie der Boston Consulting Group spricht von 2 Billionen Dollar Offshore-Vermögen, die in der Schweiz verwaltet werden. Ich selber kenne kaum eine Schweizer Bank, die nicht bei der Hälfte ihrer Offshore-Gelder einen Bereinigungsbedarf haben dürfte. Bei vielen ist es wohl mehr - deshalb darf das Thema nicht unterschätzt werden.

Immerhin hofft die Branche jetzt, dass noch diesen Oktober ein Abkommen über eine Abgeltungssteuer für diese Vermögen mit Deutschland getroffen werden kann. Wäre das eine gute Lösung?

Kaiser: Ja. Dies ist eine gute Entwicklung. Man geht auf andere Staaten zu, um eine Lösung für die Kunden zu finden und um Risiken für die Finanzindustrie im Ausland zu reduzieren. Wenn man dieses Abkommen vor drei Jahren angepackt hätte, wäre das jetzt erledigt. In der Zwischenzeit sind die Rahmenbedingungen wohl schwieriger.

Gleichzeitig sind die Banken hochnervös wegen des ausstehenden Berichts der Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma zu den grenzüberschreitenden Finanzdienstleistungen. Befürchtet wird auch hier ein strenger «swiss finish». Was ist Ihre Erwartung?

Kaiser: Ich denke, es steht der Schweiz als wichtigstem Offshore-Standort zu, eine Führungsrolle auch in einer solchen Diskussion zu übernehmen. Wir kommen aus einer Zeit der Unterregulierung der Finanzmärkte, was 2008 zu einer der grössten Finanzmarktkrisen geführt hat. Dabei haben viele Menschen sehr viel Geld verloren. Bei Kunden hat dies zu einer enormen Verunsicherung geführt. Jetzt besteht das Risiko, dass das Pendel in die andere Richtung ausschlägt die Schweiz sollte sich für ein vernünftiges Mass an Regulierung einsetzen.

Was ist denn vernünftig?

Kaiser: Ein gutes Mass an wirksamer Kontrolle, das der Wirtschaft genug Raum zum Atmen lässt und nicht zu komplex und zu teuer wird.

Sie sind einer der Architekten des Steuerabkommens zwischen Liechtenstein und Grossbritannien. Trotz der Übereinkunft ist bei Liechtensteiner Banken noch einiges im Argen, es fliessen immer noch Mittel ab. Auch noch so gute Abkommen scheinen kaum Früchte zu tragen.

Kaiser: Das Abkommen ist gut und wird bei Kunden in Grossbritannien als fair und attraktiv empfunden. Wir haben jedoch in Liechtenstein das gleiche Problem wie in der Schweiz: Wir hatten paradiesische Zustände im Offshore-Geschäft und niemand wollte dies wirklich ändern. So hat das Abkommen bei der Finanzindustrie in Liechtenstein zuerst wenig Jubel ausgelöst. Die Briten beginnen die Lösung nun zu nutzen, und ich bin mir sicher, dass es ein Erfolg sein wird. Die Privatbank unserer Gruppe eröffnet derzeit pro Woche fünf bis zehn neue Konti aus Grossbritannien, und andere tun dies auch.

Sind weitere Abkommen in Planung?

Kaiser: Liechtenstein hat nicht nur diese eine Formel, sondern arbeitet auch an anderen Rezepten. Ich glaube, man muss länderspezifisch vorgehen. So kann das England-Abkommen auch nicht als generelles Vorbild etwa für die Schweiz gelten.

Kaiser Ritter Partner profitierte 2009 stark vom Geschäft mit der Deklaration von unversteuerten Vermögen. Rennen Ihnen die Steuerflüchtlinge auch 2010 die Türen ein?

Kaiser: Der Begriff Steuertransformation greift zu kurz. Was wir wollen, ist für Kunden Vermögen langfristig sichern. Ein Teil unseres Geschäftes befasst sich damit, Kunden auf dem Weg zur Steuerkonformität zu begleiten. Als wir diese Dienste 2006 aufnahmen haben, rümpften nicht wenige Kunden und Marktteilnehmer vorerst die Nase. Heute, unter dem enormen Druck der Steuerbehörden, ist der Bedarf nach solchen Lösungen da und wir sind vorbereitet.

Was heisst das in Zahlen?

Kaiser: Wir hatten insgesamt ein gutes 2009 und die Zahlen für das laufende Jahr sind auch in Ordnung. Längerfristig werden wir mit weniger Kunden mehr Geschäft machen. So bauen wir derzeit jene Risiken ab, die Finanzintermediäre früher nach Liechtenstein ausgelagert haben.

Dann fliessen also Mittel ab?

Kaiser: Wir bauen Geschäft ab, das nicht mehr zu uns passt. Gleichzeitig erhalten wir neue Vermögen anvertraut. In Summe sind die betreuten Vermögen in der Gruppe derzeit stabil - im Bereich der Bank bekommen wir attraktives Neugeschäft.

Trennen Sie sich von Geschäftsfeldern?

Kaiser: Wir überprüfen laufend unsere Positionen und werden zukünftig unsere Ressourcen und Mittel noch konsequenter am richtigen Ort einsetzen.