Was noch vor Wochen als theoretische Variante zur Ausschaltung des Emittentenrisikos diskutiert worden war, ist Realität geworden: Mit DWS Go hat der erste Anbieter drei kapitalgeschützte Garantieprodukte auf den Markt gebracht. Basiswerte sind das Gold, der EuroStoxx-50-Index sowie ein BRIC-Index, der die Kursentwicklung von vier Schwellenländern abbildet.

DWS legt für jedes Produkt eine kleine Spezialgesellschaft, ein «Compartment», an. Diese hat eine andere Bank als Gegenpartei, sie nimmt einen Kredit auf und hinterlegt dafür Sicherheiten (Staatsanleihen aus Westeuropa und Japan). Wenn die Gegenpartei Pleite geht, kündigt DWS das Zertifikat und zahlt die Anleger mit den hinterlegten Guthaben aus.

Margen wie bei den Fonds

Dabei sammeln viele grosse Banken, die (auch) strukturierte Produkte emittieren, Geld. Liquidität ist momentan der wichtigste Faktor für das Überleben von Banken. Sicherheitsstrukturen, die mit Staatsanleihen usw. unterlegt werden, führen diese Liquidität aus der Bank wieder ab. Banken holen über die Ausgabe von strukturierten Produkten Kapital ein, ähnlich wie mit der Emission von Obligationen. Für Banken ist dieses Vorgehen nur deshalb wirklich interessant, weil sie mit dem Geld arbeiten können und mehr herausholen als die Kosten für das so aufgenommene Kapital. Sonst würde sich das Geschäft mit strukturierten Produkten auf ein reines Zinsdifferenzgeschäft reduzieren: Auf der Einnahmenseite bekommen Banken, je nach Laufzeit, für die Bonds erstklassiger Schuldner 3 bis 4%, je nach Laufzeit. Auf der Ausgabenseite muss ein garantierter Coupon von 4 bis 5% bezahlt werden, hinzu kommt noch die Optionskomponente, um beispielsweise die Partizipation an einem Börsenindex zu gewährleisten. Eine so erzielbare Brutto-Differenz liegt bei 1%.

Anzeige

Davon kann keine Bank leben. Kian Abouhossein, Analyst bei JP Morgan, hat das Geschäft mit strukturierten Produkten durchgerechnet. Ein typisches Produkt enthält 4% Marge (bei einer durchschnittlichen Laufzeit von zwei Jahren). Davon geht der Grossteil an die Bank, die ein Produkt vertreibt. Typischerweise bleibt der dahinter stehenden Investmentbank 1%. Die anderen 96% werden gewöhnlich zu 75 bis 85% in sichere Anlagen (Obligationen mit erstklassiger Bonität, Geldmarkt usw.) geparkt, für die Optionskomponenten und die Struktur bleiben 10 bis 15%. Weil der Wettbewerb bei Standardprodukten sehr gross ist, arbeiten Banken gelegentlich mit Ausgabeaufschlägen, um ihre Margen zu sichern. Diese liegen denn auch typischerweise bei 4 bis 5%. Auf einen Zweijahreshorizont umgerechnet ergeben sich Margen von 2 bis 3% pro Jahr – ähnlich wie bei den von Banken vertriebenen Fonds.

Diversifikation ist vorzuziehen

Anleger sollten genau hinschauen, wie teuer der Schutz eines bestimmten Produktes ist. Ein 100%-Schutz alleine macht viele Produkte schon teuer und relativ unattraktiv. Ebenso verteuern hohe Spreads (Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreisen) die Produkte.

Eine Unterlegung mit Staatsanleihen erhöht den Preis weiter. Wenn eine Bank keinen Verlust schreiben will, muss sie die Extrakosten über Aufschläge, Gebühren usw. wieder hereinholen. Zweckmässiger als der Kauf von solchen mit Anleihen unterlegten Produkten ist die Streuung von Produkten auf verschiedene Emittenten und Produkte mit Teilschutz und/oder Caps (beispielsweise Grenzen, bis zu denen Anleger vom Anstieg eines bestimmten Index profitieren).