Ein paar Hedge-Fonds-Manager haben das Geschäft ihres Lebens gemacht, weil sie rechtzeitig gegen den Subprime-Markt gewettet haben. Wenn die Euphorie riesig ist und an den Märkten nichts mehr hinterfragt wird, ist die Korrektur meistens nicht mehr weit. Aber eben: Wann die Blase platzt, kann niemand genau voraussehen. Es sei Glück gewesen, dass er den Zeitpunkt der Börsencrashs so genau vorhergesehen habe, sagte Börsenguru Marc Faber, der sich als Contrarian regelmässig gegen die herrschende Marktmeinung stellt.

Umgekehrt wird der Contrarian-Investor aber auch hellhörig, wenn die Börsen von Pessimismus oder Panik beherrscht sind und die Aktien massiv fallen. «Kaufen, wenn die Kanonen donnern», sagte Börsenlegende André Kostolany, der Vater der Contrarian-Strategie. Doch der Kugelhagel kann stärker werden und die Titel noch mehr einbüssen, auch wenn sie schon massiv unter die Räder geraten sind. Diese Erfahrung mussten viele Staatsfonds machen, die in einst solide Bankriesen wie UBS oder Citigroup investiert haben. Im Rückblick sind sie viel zu früh eingestiegen.

Nicht nur «Buy on bad news»

Bei verschiedenen Investments auf dem falschen Fuss erwischt wurde auch der bekannte «Contrarian» Warren Buffett. Berkshire Hathaway, die Investmentgesellschaft des legendären amerikanischen Investors, hat zuletzt Verluste eingefahren (siehe Box). Allein auf die Psychologie an den Aktienmärkten zu achten und nach dem Börsensprichwort «Buy on bad news» zu handeln, reicht bei Weitem nicht aus. «Auch die harten Fakten müssen stimmen», sagt Alfons Cortés, Leiter der Vermögensverwaltungsgesellschaft Unifinanz und Experte für Behavioral Finance.

Anzeige

Die Fakten richtig zu erkennen ist aber nicht immer einfach. So war es etwa für die Staatsfonds schwierig, abzuschätzen, wie stark sich die Finanzkrise verschärfen würde und welcher Teil der enormen Bankbilanzen noch gefährdet ist.

Es braucht Durchhaltewillen

Genau diese Kombination zwischen Fundamentaldaten und Börsenpsychologie braucht es, um an den Aktienmärkten «vernachlässigte Titel» zu identifizieren. Cortés steigt ein, wenn «Aktien emotional verkauft werden». Man müsse aber auch den Mut haben, Titel noch zu kaufen, wenn diese an der Börse bereits gut gelaufen sind - und zwar dann, wenn die Firma in einer viel besseren Verfassung ist, als die meisten Anleger annehmen. Von den Investoren derzeit vernachlässigt würden etwa die Aktien von PepsiCo oder Heineken. Bis die breite Masse der Anleger den Wert des Titels erkennt, kann es allerdings manchmal lange dauern. Deshalb braucht es nicht nur Mut, sich gegen den allgemeinen Trend an den Börsen zu stellen, sondern auch Durchhaltewillen.Zudem eigne sich der Contrarian-Ansatz nicht für jede Börsenlage gleich gut. «Im Frühling war es ideal, eine Contrarian-Strategie zu verfolgen», sagt Cortés. Je mehr sich die Investoren mit Short-Positionen eindeckten, desto interessanter werde es, Aktien zu kaufen. Wenn aber die Aktienmärkte wie in diesen Tagen seitwärts tendierten, verspreche antizyklisches Investieren wenig Erfolg.

Dagegen sieht Remo Hartmann, Analyst der Zürcher Kantonalbank (ZKB), in allen Marktsituationen Chancen für den Einsatz einer Contrarian-Strategie. Dabei setzen Anleger zum Beispiel auf fundamental solide Titel, die in den letzten Monaten relativ stark gefallen sind, oder auf Aktien, die von der Mehrheit der Analysten zum Verkauf empfohlen werden. Dahinter steckt die Idee, dass die negativen Nachrichten bis dahin schon so stark im Kurs eingepreist sind, dass die Wende nicht mehr weit sein kann.