Die Zeiten, in welchen allein das Vorhandensein einer Online-Banking-Infrastruktur von Kunden als Differenzierungsmerkmal wahrgenommen wurde, sind längst vorbei. Eine Online-Banking-Plattform, welche die Verwaltung der eigenen Konten, den Zahlungsverkehr und den Wertschriftenhandel ermöglicht, wird heute von den Kunden als Standardfunktion erwartet. Das bringt die Banken unter Zugzwang. «Die Banken sind gefordert, sich zu überlegen, welchen zusätzlichen Nutzen sie im traditionellen Online Banking für ihre Kunden stiften können», so Tom Schmidt und Andreas Toggwyler von EY Financial Services Advisory. Neue Möglichkeiten, um bei Kunden positiv aufzufallen, entwickeln sich durch die zunehmende Vernetzung der eingesetzten IT-Systeme der Banken. So können etwa durch die gezielte Analyse und Auswertung von Zahlungstransaktionen und Gutschriften auf Konti dem Bankkunden Informationen über sein Ausgabeverhalten und seine Einnahmen zugänglich gemacht werden. Erste Projekte in diesem Bereich laufen bereits. Während grössere Banken solche Dienstleistungen selber entwickeln, hat sich mittlerweile auch ein stark wachsender Markt von bankenplattformunabhängigen Online-Banking-Herstellern gebildet, so die EY-Experten.

Ähnlich sieht die Entwicklung im Online Trading aus. «Heute muss jede Bank ihren Kunden Handelsmöglichkeiten anbieten», sagt Soren Mose, Chef der Saxo Bank Schweiz. Viele kleinere und mittelgrosse Banken lagern das Online Trading an Drittpartner aus. Mose erwartet eine Konsolidierung, global gebe es derzeit noch drei bis vier grosse Online Trader. Um an der Spitze der technologischen Entwicklung mitzuhalten, müsse ein Anbieter laufend hohe Investitionen tätigen, so Mose weiter.

Investoren können viel Geld sparen, wenn sie den Handel eigenständig über Online-Trading-Plattformen abwickeln. Allerdings sind auch die Anforderungen ans eigene Know-how im Vergleich zur traditionellen Abwicklung via Kundenberater höher. «Unsere Zielgruppe sind nur jene Investoren, die exakt wissen, was sie kaufen oder verkaufen wollen», bringt es der Saxo-Chef Mose auf den Punkt.

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Das Informationsangebot im Internet für Anleger ist immens. Um den Überblick über die verschiedenen Finanzportale, Newsletter, Börsenbriefe und Foren nicht zu verlieren, sollte Qualität höher als Quantität gewichtet werden. Interessanterweise kommt das grösste Wachstum im Online-Börsenhandel bei der Saxo Bank nicht von der jüngeren Generation der «Digital Natives», sondern von den älteren Bankkunden.