Wer nach der Landung in San Francisco den beliebten Jazz-Sender KKSF einstellt, ist bereits im Einzugsbereich des US-Medien- und Werbekonzerns Clear Channel. Der Konzern existiert seit 1972, ist mit mehr als 30000 Angestellten in 66 Ländern präsent und für seine konservative Ausrichtung und günstig produzierte Radioprogramme bekannt. Und er soll eigentlich mit Hilfe eines Bankenkonsortiums – darunter auch Credit Suisse und Deutsche Bank – verkauft werden.

Banken verknappen Kredite

Amerikanische Private-Equity-Investoren um Thomas H. Lee und Bain Capital wollen Clear Channel kaufen und von der Börse nehmen. Für die Zwischenfinanzierung hat ein Konsortium mehrerer Banken gezeichnet. Aber inzwischen schauen diese viel genauer hin, wem sie 20 Mrd Dollar zwischenfinanzieren (notabene um später dann mit Gebühren 400 Mio Dollar einzustreichen). Derzeit zweifeln die Banken an der Fähigkeit von Clear Channel, die Zinslast von 700 Mio Dollar jährlich bedienen zu können. 2007 spielte Clear Channel bei einem Umsatz von 6,8 Mrd Dollar einen Gewinn von 940 Mio Dollar ein.

Die Aktie selber ist bereits auf 28 Dollar und damit deutlich unter das ursprüngliche Verkaufsniveau gefallen. Auf dieser Basis ist die Aktie zum 16fachen der für dieses Jahr zu erwartenden Gewinne bewertet. Nur rangieren Werbebudgets oft ganz oben auf den Einsparlisten von Firmen und deshalb sind Umsatz- und Gewinnschätzungen für dieses Jahr mit Vorsicht zu geniessen.

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Diese Überlegung haben auch die Investmentbanken im Finanzierungskonsortium gemacht. Jetzt liegen die ehemaligen Partner im Clinch. Platzt der Verkauf, müssten die PE-Investoren laut einem Bericht der «New York Times» 600 Mio Dollar Strafe zahlen. Inzwischen klagen die Investoren und Clear Channel gegen die Banken und die Banken gegen die Investoren. «Das ist lediglich ein weiterer Versuch von Banken, sich aus ihrer Verantwortung zu stehlen», heisst es in einer Presseerklärung von Clear Channel, «wir sind aber zuversicht- lich, dass ihre Rechnung nicht aufgeht.»

Ende des Aufkaufgeschäftes

Der Clear-Channel-Deal wird auch deshalb genau von der Finanzwelt beobachtet, weil ein endgültiges Scheitern das vorläufige Ende des Aufkaufgeschäftes bedeuten dürfte. Die Analysten der Citigroup beispielsweise haben aufgrund der Kreditkonditionen die Chance eines Scheiterns von 75% ermittelt. Banken zahlen typischerweise 0,5 bis 1,5% Konventionalstrafen, wenn Deals platzen, zudem müssen sie bereits in den eigenen Büchern befindliche Papiere tiefer bewerten, wenn sie diese nicht (mehr) weiterverkaufen können.

Die noch 2006 üppigen Einnahmen aus dem Finanzierungsgeschäft dürften deutlich geringer ausfallen. Die Credit Suisse hatte beispielsweise Ende 2007 Kredite im Umfang von 36,3 Mrd Fr. in den Büchern, die Deutsche Bank 36,2 Mrd Euro und die UBS 11,4 Mrd Dollar. Im schlechtesten Fall ergibt sich laut den Analysten von Morgan Stanley allein bei der Credit Suisse für dieses Jahr ein zusätzlicher Abschreibebedarf von 12% bzw. 2,48 Mrd Fr.