Nach dem letzten Wintereinbruch Anfang April scheint sich der Frühling nun endlich durchzusetzen. Höchste Zeit also für den Frühlingsputz: Traditionell wird dazu der gesamte Haushalt auf den Kopf gestellt und Altlasten, die sich übers Jahr angesammelt haben, entsorgt. Denn richtig wohl fühlt man sich nur in einem aufgeräumten Zuhause, oder?

Ballast verursacht Gebühren

Was für die eigenen vier Wände gilt, hat auch für das Wertschriftendepot seine Gültigkeit. «Für erfolgreiches Money-Management braucht es einen klaren Geist ohne störenden Ballast. Daher macht ein Frühlingsputz im Depot durchaus Sinn», ist Wirtschaftspsychologe Hans-Rudolf Metzger überzeugt.

Zwar sollten aktive Anleger die Portefeuille-Zusammensetzung sowie allenfalls notwendige Umschichtungen kaum vom Frühlingsanfang abhängig machen (siehe Kasten). Ein genauer Blick ins Depot mit dem Ziel, sich von Altlasten zu befreien, wäre aber auch in der Vermögensanlage hin und wieder angebracht. Zumal der Ballast wiederkehrende Depotgebühren verursacht.

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Kuriositäten entsorgen

Zu denken ist dabei an die sogenannten «Fallen Angels», ehemalige Highflyer aus einer Boomphase, die inzwischen nur noch zu einem Bruchteil des Einstandpreises gehandelt werden, aber schon deutlich Staub angesetzt haben. «Anleger sind oft nicht bereit, solche Titel weit unter dem Einstandskurs zu verkaufen», erklärt Christian Fichter, Wirtschaftspsychologe an der Kalaidos Fachhochschule. Ob sie diese Aktien behalten oder nicht, würden die Anleger vom Einstiegskurs abhängig machen statt von den tatsächlichen, aktuellen Erfolgsaussichten. «Das ist irrational», so Fichter.Ein Kehraus im Depot kann aber noch andere Kuriositäten zum Vorschein bringen. Die Beispiele hängen dabei ganz vom jeweiligen Anlagecharakter ab: Gratisaktien, die kaum bemerkt im Rahmen einer Kapitalerhöhung ins Portefeuille gebucht wurden, gehören genauso dazu wie «Geheimtipps» aus den Emerging Markets, deren genaue Geschäftstätigkeit dem Investor mittlerweile entfallen ist.

Transaktionskosten beachten

Die Empfehlung der Psychologen zu diesen Altlasten lautet: Raus aus dem Depot. «Man sollte sich von altem Ballast trennen und Titel suchen, die zum heutigen Zeitpunkt Erfolg versprechen», rät Fichter. Und Metzger ergänzt: «Der Anleger soll die Fehler verarbeiten und dann fort damit. Denn negative Emotionen und Gedanken beeinträchtigen die Offenheit für neue Chancen und Risiken.» Vor dem grossen Verkauf müssen aber auch die Transaktionskosten beachtet werden, damit der Frühlingsputz keine unliebsamen Überraschungen bringt.

Und wenn dann doch noch eine Altlast hängen bleibt, hat auch diese eine Funktion. «Sie erinnert uns bei künftigen Anlageentscheidungen an unsere Irrationalität und daran, einen verbindlichen Stop-Loss zu setzen», so Fichter.