Ohne Hilfe aus der Politik droht dem Schweizer Börsenhandel der Bedeutungsverlust. Die Europäische Union hat sich bis jetzt geweigert, dem Handelsplatz die Anerkennung zu verlängern. Die Schweizer Börse könnte somit Ende Jahr auf einen Schlag viele Kunden im Aktienhandel verlieren.

Um dem Zürcher Parkett das Überleben zu sichern, hat sich der Bundesrat einen Notfallplan ausgedacht. Die Chancen stehen gut, dass dieser Plan B nun tatsächlich in Kraft tritt. Am Freitag Nachmittag wird die Landesregierung ihren Entscheid verkünden.

Dass es so weit kommen konnte, liegt am Konflikt zwischen der Schweiz und der Europäischen Union um das Rahmenabkommen. Die EU hat die beiden Dossiers verknüpft, um Druck auf die Schweiz auszuüben.

Das Kalkül von Brüssel: Bundesbern soll rasch einem Deal zustimmen, auch um den Handelsplatz zu retten. Der Bundesrat will sich allerdings nicht auf dieses Spiel einlassen und hat im Sommer deshalb einen Notfallplan ausgearbeitet. Die entsprechende Verordnung könnte bereits übermorgen Samstag wirksam werden.

Anzeige

 

GERMANY, FRANKFURT - OCTOBER 04: Bull and bear, symbol for the ups and downs (Hausse and Baisse) on the exchanges of the world, in the trading hall of the Frankfurt Stock Exchange. (Photo by Ulrich Baumgarten via Getty Images)

Bulle Europa gegen Berner Bär: Der Schweiz droht im Börsenhandel ein Bedeutungsverlust

Quelle: 2017 Ulrich Baumgarten

Ein Damoklesschwert der EU

Die Anerkennung der EU für die SIX läuft bis Ende Jahr. Bis dann gelten Schweizer Börsenvorgaben als gleichwertig mit jenen der EU. Wird diese sogenannte Börsenäquivalenz nicht verlängert, ist es europäischen Anlegern ab Januar verwehrt, die wichtigsten Schweizer Aktien an der SIX zu kaufen.

Alle Schweizer Titel, die heute nebst der SIX auch EU-Börsen gehandelt werden, dürften ab Januar nur noch dort erworben werden – die Schweiz gälte nämlich nicht mehr als gleich reguliert wie die EU. Hintergrund ist die neue Finanzmarktregulierung (MiFID II). Dadurch muss die EU Handelsplätze als gleichwertig anerkennen. Die SIX würde voraussichtlich einen schönen Teil ihres Aktiengeschäfts an die Konkurrenten im Ausland verlieren – denn heute stammen die meisten Kunden im Handel mit Titeln im Swiss Market Index aus der EU. Grossbritannien inklusive.

Der Bundesrat will nun umgekehrt europäischen Börsen den Handel mit Schweizer Aktien verbieten. Konkret würden den EU-Börsen in der Schweiz die Anerkennung für den Handel mit Schweizer Aktien verweigert. Europäische Anleger könnten Schweizer Titel somit weiterhin nur an der SIX kaufen.

Wirkt diese Retourkutsche wie erhofft, wird die Schweizer Börse ihre Rolle als politisches Faustpfand der EU verlieren.